Jonas Urbig und die komplizierte Neuer-Nachfolge beim FC Bayern: Thronfolger von Manus Gnaden
Update 31/10/2025 um 16:48 GMT+1 Uhr
Jonas Urbig beweist beim 4:1 im DFB-Pokal in Köln, dass er das Zeug dazu hat, eines Tages Nachfolger von Manuel Neuer im Tor des FC Bayern werden zu können - aber wann? Manuel Neuer sieht in Urbig seinen Nachfolger bei den Roten, wenn er auch über den Zeitpunkt der Thronfolge im Grunde selbst bestimmt. Doch was wird aus Alexander Nübel, Sven Ulreich und Daniel Peretz? Die Planspiele der Bayern.
SotipptderBoss zu Halloween: Bayern lehrt Bayer das Fürchten
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So richtig schön ins Fliegen kommen. Torhüter lieben es.
Eine gute Figur machen und den Ball spektakulär parieren. Jonas Urbig nahm die Gelegenheit dankend an, als der Kölner Profi Ísak Jóhannesson in der elften Minute mit links abzog und im Ex-Kölner seinen Meister fand - samt Flugshow.
Der 22-Jährige hatte gut zu tun beim 4:1 im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals, in den ersten 31 Minuten ließen die Bayern fünf Schüsse aufs Tor zu - mehr als in jedem anderen Pflichtspiel dieser Saison in Halbzeit eins.
Der fünfte Versuch war drin, bedeutete den Führungstreffer des FC durch Ragnar Ache per Kopf nach einem Eckball. Keine Chance für Urbig, der ganz in Pink auflief. Einige Male sprintete er wie ein Panther aus seinem Tor, um im Stile des Oberpanthers vor dem eigenen Strafraum zu klären. Die Großkatze Manuel Neuer (39), Erfinder des Ausflugtorwartspiels, fehlte wegen einer Roten Karte aus der vergangenen DFB-Pokal-Saison.
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Keine Angst im Strafraum: Jonas Urbig stürzt sich gegen Köln ins Getümmel
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Urbig kühl: "Meine persönlichen Emotionen sind hintenangestellt"
Urbig durfte für seine Vorbereitung, Stichwort Spielpraxis, schon am Samstag beim 3:0 in der Liga bei Borussia Mönchengladbach ran.
Urbig war happy, wollte aber nicht über sich reden, sprach an alter Wirkungsstätte (elf Pflichtspiele für den FC, nun 15 für Bayern) ganz bescheiden hauptsächlich vom Kollektiv: "Es ist meine Aufgabe, Bälle zu halten, ich betrachte das gerne als Mannschaftsleistung. Wir freuen uns als Team, da freue ich mich mit. Meine persönlichen Emotionen sind hintenangestellt. Es war eine sehr gute Teamperformance."
Dafür lobten ihn andere. Vor und nach dem Spiel. Etwa Trainer Vincent Kompany: "Wir haben Vertrauen in Jonas." Oder Max Eberl, der findet: "Jonas strahlt was Gutes aus." Nach dem 4:1 in Köln meinte der Sportvorstand: "Er hat es herausragend gemacht."
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Kompany lobt Ruhe: "Das liebe ich an unserer Mannschaft"
Quelle: Perform
Überhaupt sind die Bayern-Verantwortlichen sehr happy mit Urbig. "Jonas macht eine sehr gute Entwicklung", sagte Christoph Freund über den Torhüter, der im Januar für sieben Millionen Euro Ablöse (plus drei Millionen mögliche Boni) nach München gewechselt war.
Er befinde sich "trotz jungen Jahren auf sehr, sehr hohem Niveau", so der Sportdirektor. "Jonas trainiert richtig gut, ist sehr, sehr ehrgeizig. Er will sich jeden Tag verbessern." Womit er zum FC Bayern passt, speziell zu Neuer: "Jonas hat eine perfekte Plattform hier, wo er sehr, sehr viel lernen kann. Wir sind sehr, sehr happy, dass er hier ist."
Er selbst auch. Weil ihm die Bayern-Verantwortlichen ein Rundum-Wohlfühlpaket geschnürt haben. Im Sommer kam Jonas‘ Bruder Luis (23) ebenfalls an die Säbener Straße. Der ältere Bruder bekam den Job als Torwart-Trainer bei der zweiten Frauen-Mannschaft der Bayern, die in der 2. Bundesliga spielt.
Noch in der letzten Saison war Luis Urbig als Aushilfe in der Regionalliga West beim 1. FC Düren selbst aktiv, als Torhüter natürlich. Vor seinem Wechsel zu Bayern arbeitete er bei den Frauen des FC Carl Zeiss Jena in der Bundesliga. Übrigens, der dritte und jüngste der Urbig-Brüder ist natürlich auch Torhüter: Henri (18) ist bei der JSG Erft 01 Euskirchen aktiv.
Am Samstag im Topspiel gegen Bayer Leverkusen (18:30 Uhr im Liveticker) kehrt Neuer, der anders als in Mönchengladbach nicht mit nach Köln gereist war (er hätte ja wegen der Sperre auch nicht auf die Bank gedurft) wieder ins Tor zurück.
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Neuer und Urbig (FC Bayern)
Fotocredit: Getty Images
Urbig als Nachfolger, Nübel als Geldbringer
Urbig soll langfristig zur Nummer eins und damit zum Nachfolger von Neuer aufgebaut werden. Die schwierige, langwierige Suche nach dem passenden Kandidaten scheint beendet.
Lange Zeit galt Alexander Nübel als Kronprinz von Neuer, machte jedoch seit dem Wechsel 2020 vom FC Schalke zu Bayern lediglich vier Pflichtspiele für die Münchner.
Nach nur einem Jahr wurde er ausgeliehen, erst für zwei Jahre an die AS Monaco, nun hält der 29-Jährige im zweiten Jahr beim VfB Stuttgart, stieg dort zum Nationaltorhüter auf (zwei Länderspiele), ist beim DFB aktuell die Nummer zwei hinter Hoffenheims Oliver Baumann.
Nübels Vertrag in München läuft noch bis 2030, Bayern zahlt zwei Drittel seines Gehalts, der VfB den Rest. Wenn der VfB im kommenden Sommer Nübel nicht kaufen will bzw. aus finanziellen Gründen nicht verpflichten kann, wollen die Bayern den Torhüter auf dem Markt anbieten und eine Ablöse im Bereich von rund 20 bis 25 Millionen Euro erzielen.
Passenderweise in etwa das Jahresgehalt von Neuer...
Was wird aus Ulreich und Peretz?
Sven Ulreich (37), der treue Wegbegleiter und Freund von Neuer, wird so lange im Kader bleiben, so lange Neuer da ist - für die Zeit danach wurde ihm ein Posten im Verein in Aussicht gestellt, etwa als Torwarttrainer bei einer der Jugendmannschaften.
Daniel Peretz (25) ist Nationaltorwart Israels und für diese Saison an Aufsteiger Hamburger SV ausgeliehen. Dort konnte er sich nicht als Nummer eins etablieren, auch in München traut man ihm diese Rolle nicht zu. Falls Peretz überhaupt möchte, könnte er eines Tages die Rolle von Ulreich übernehmen - hinter Urbig.
Die Zukunft dieses Torwart-Quartetts hängt an Neuer - und dessen Knochen. Sein Vertrag läuft noch bis Saisonende läuft, eine Verlängerung um ein weiteres Jahr wird immer wahrscheinlicher.
Solange er fit ist und Weltklasse-Leistungen zeigt wie in dieser Saison, will keiner der Bayern-Bosse (anders als Uli Hoeneß im Frühjahr im Fall von Thomas Müller) Neuer zum Abschied drängen.
Im Winter sollen die Gespräche beginnen und der so ehrgeizige Neuer kann sich vorstellen, auch mit 40, 41 Jahren weiter auf Titel- und Rekordejagd zu gehen. Hieße für Nübel und Peretz. Die Tür bleibt zu. Hieße für Urbig: Noch eine weitere Saison in die Lehre gehen. Und auf Einsätze hoffen.
"Manu mag und schätzt Jonas sehr"
Von Neuers Gnaden? Jein.
Es gibt eine Absprache. Vor dem Wechsel von Urbig von der Ersatzbank (!) des 1. FC Köln zu Bayern setzten sich Sportvorstand Max Eberl, Sportdirektor Christoph Freund mit Neuer und dessen Berater Thomas Kroth zusammen und erläuterten ihren Plan mit Urbig.
"Manu war vom ersten Gespräch an offen dafür, hat das respektiert. Ich glaube, dadurch - ehrlich und offen diese Thematik zu besprechen - hatten wir von Anfang an die Offenheit von allen Seiten", erzählte Eberl und berichtete: "Manu mag und schätzt Jonas sehr."
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Bayern-Torhüter Neuer (li.) und Urbig
Fotocredit: SID
Diese Kombination, im Gegensatz zu früheren Konstellationen, passt. Auffällig ist, wie sehr sich die beiden im Training pushen und Urbig von Neuer lernt, dessen waghalsigen Stil inklusive der Ausflüge bis an die Mittellinie kopiert. Mit dem Ball am Fuß, bei Rückpässen und beim eigenen Aufbauspiel, ähnelt Urbig seinem Lehrmeister, der alterstechnisch theoretisch sein Vater sein könnte, sehr.
Neuer sieht in Urbig seinen Nachfolger beim FC Bayern, wenn er auch über den Zeitpunkt der Thronfolge im Grunde selbst bestimmt. Der Kapitän hat eingesehen, dass er hin und wieder - nicht nur bedingt durch Sperren oder Verletzungen - ein paar Spiele abgeben könnte und sollte. Muss ja nicht gleich in der Champions League sein.
Ist Urbig nun Bayerns Pokalkeeper?
Wann darf Urbig also mal wieder ran? Etwa im DFB-Pokal-Achtelfinale? Ist er nun Bayerns Pokalkeeper?
"Fragen Sie am besten den Trainer", meinte Urbig am späten Mittwochabend, "ich konzentriere mich auf meine täglichen Leistungen im Training. Ich bin nicht derjenige, der darüber entscheidet oder diskutiert."
Es hängt wohl vom Gegner ab. Ein Pokalduell mit dem BVB, Leverkusen oder Leipzig würde sich Neuer auf dem Weg ins Finale 2026 in Berlin wohl nicht nehmen lassen.
Geht es gegen andere Gegner, die Bayern im Normalfall klar beherrschen müsste, darf wohl Urbig wieder fliegen.
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Kompany: "Rivalität mit Leverkusen lebt"
Quelle: Perform
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