FC Bayern München mit gemischten Gefühlen: Supercup gewonnen - aber Transfer-Poker um Nick Woltemade verloren
Update 17/08/2025 um 12:31 GMT+2 Uhr
Der Wunschtransfer des FC Bayern ist endgültig geplatzt, die VfB-Bosse bleiben stur und schieben einem Transfer auch in der Größenordnung von rund 65 Millionen Euro Ablöse einen Riegel vor. Der so begehrte Mittelstürmer Nick Woltemade bleibt in Stuttgart. Die Bayern-Bosse nehmen es zähneknirschend hin, die Mannschaft freut sich derweil über den Gewinn des ersten Titelchens der Saison.
Hoeneß und Kompany über Woltemade-Poker: "Hat eine gute Antwort gegeben"
Quelle: Perform
Es wäre sein Preis gewesen, sein Pokal. Und so beobachtete Nick Woltemade, dieser Riese mit 1,98 Metern Körperlänge, gramgebeugt und mit hängendem Kopf das fröhliche Feier-Treiben seiner Gegner, die – wäre es nach ihm gegangen – längst seine Mitspieler hätten sein sollen. Er applaudierte höflich, klatsche mit einigen Gegenspielern ab, die er seit seinem Debüt Anfang Juni von der Nationalmannschaft kennt. Woltemade war so nah – und doch so fern.
Der FC Bayern München gewann den Franz-Beckenbauer-Supercup gegen den Pokalsieger VfB Stuttgart verdient mit 2:1, die Treffer erzielten Harry Kane und Neuzugang Luis Díaz. Die Mannschaft könne "sehr stolz" sein, sagte Bayerns Vize-Kapitän Joshua Kimmich und stellte klar: "Es ging heute auch darum, zu zeigen, dass wir da sind."
Der späte Anschlusstreffer für den VfB von Jamie Leweling kam erst in der Nachspielzeit – zu spät.
Das erste Titelchen, die Ouvertüre zur neuen Saison, geht an die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany. Und doch musste der Meister an diesem dampfig-schwülen Spätsommerabend in der Schwaben-Metropole eine Niederlage hinnehmen, kassierte eine bittere Abfuhr. Im Spiel ohne Ball.
VfB-Klubboss Wehrle zu Woltemade: "Die Akte ist geschlossen"
Eine halbe Stunde vor dem Anstoß beendeten die VfB-Bosse sämtliche Spekulationen, in dem sie den Bayern endgültig die letzte Hoffnung auf den Transfer nahmen. Klubboss Alexander Wehrle sagte bei "Sky": "Nick Woltemade spielt nächste Saison beim VfB Stuttgart, die Akte ist geschlossen."
Alle Parteien seien informiert. Auch der wechselwillige Stürmer, der sich mit den Münchnern trotz seines Vertrages beim VfB bis 2028 schon Ende Juni auf eine gemeinsame Zusammenarbeit samt Gehaltsrahmen geeinigt hatte.
Die Bayern gaben in der Folge zwei Angebote ab – ohne Erfolg. Selbst die Video-Konferenz unter der Woche zwischen beiden Führungsriegen brachte keinen Durchbruch. Die Schwaben lehnten auch die dritte, aufgestockte Offerte in Höhe von rund 64 Millionen Euro ab.
"Wir beschäftigen uns mit dem Thema ab sofort nicht mehr. Die Faktenlage ist eindeutig. Das Thema ist vom Tisch. Nick Woltemade wird über den Sommer hinaus beim VfB Stuttgart Fußball spielen", sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth bei "Sat.1".
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/08/17/image-a4e3fc12-d90b-4506-a1da-a92c19d429cc-85-2560-1440.jpeg)
Stolzer Kompany sieht Luft nach oben: "Könnten technisch besser sein"
Quelle: Perform
Bayerns Sportdirektor Freund bestätigt: No deal!
Der VfB schaltet auf stur und sieht sich als Gewinner im größten Wechsel-Theater dieses Sommers. Zwar ist das Transferfenster noch bis zum 1. September geöffnet, doch der VfB hat die Fensterläden verriegelt.
Die Bayern nehmen es zähneknirschend hin, Sportdirektor Christoph Freund sagte: "Es braucht immer drei Parteien, um einen Transfer abzuwickeln. Es war jetzt nicht der Fall, dass es eine Einigung gegeben hat."
Woltemade selbst, der unter dem Brennglas der Medien und der Fans antreten musste, ließ sich rein äußerlich nichts anmerken. Er lächelte beim Aufwärmen, begrüßte Bayerns Tom Bischof herzlich. Der Poker und das ganze Ballyhoo habe "Nick nicht beeinflusst", sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß, der Neffe von Bayerns Vereinspatron Uli Hoeneß vor der Partie. Auch der Chefcoach der Schwaben dürfte über die Klarheit in der Causa nun erleichtert und zufrieden sei.
Woltemade liefert sich heißes Duell mit Upamecano
Während des Spiels schonte Woltemade, der nur vereinzelt Pfiffe von seinem Heimpublikum erhielt, weder sich noch seine Gegenspieler, meist Münchens Innenverteidiger Dayot Upamecano. Auge um Auge, Fußspitze um Fußspitze, Ellbogen um Ellbogen – bis Upamecano nach 35 Minuten Gelb sah, ein Teilerfolg für Woltemade.
Seine beste Torchance vergab er in der 24. Minute, als er völlig frei aus wenigen Metern Torhüter Manuel Neuer anschoss. "Die leichten Dinger macht er nicht", rief ein Fan auf der Haupttribüne verärgert.
Der gebürtige Bremer, der 2024 ablösefrei zum VfB gekommen war, ist ein Fußball-Arbeiter mit feinem Füßchen und gutem Gespür für den Raum. In der Luft und in den oft griechisch-römisch anmutenden Zweikämpfen rackerte er meist mehr mit dem Rücken zum Tor als mit Blick aufs gegnerische Tor.
In der 73. Minute schraubte er sich zentral im Strafraum in die Luft und nickte eine Flanke von Maximilian Mittelstädt Richtung Tor - drüber. Seine zweite und letzte Chance, mehr war nicht.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/08/17/image-4461a047-d5e6-4845-bdbe-da0f3ffc3505.jpeg)
Nick Woltemade (l.) lieferte sich ein körperliches Duell mit Bayerns Dayot Upamecano
Fotocredit: Getty Images
Neuer lobt Woltemade
Bayerns Kapitän Neuer meinte über den verhinderten Star des Abends: "Er ist ein sehr guter Spieler, der eben 'Woltemessi' ist. Der viel am Ball kann und unberechenbar ist." Seinen Spitznamen erhielt Woltemade wegen seiner außergewöhnlich feinfühligen Ballbehandlung für einen Fast-Zwei-Meter-Stürmer.
Kommende Saison spielt der mit dem VfB in der Europa League, nicht mit den Bayern in der Champions League. Die Münchner können seine Entwicklung nun beobachten – auch, ob er sich im Sturmzentrum der Nationalelf gegen Niclas Füllkrug (West Ham United) oder den derzeit verletzten Tim Kleindienst von Borussia Mönchengladbach durchsetzt. Was ihn teurer oder günstiger machen wird.
Der Abend hätte aus Sicht der Bayern aber auch völlig konträr verlaufen können, die Gefahr war real, dass die bayerischen Befindlichkeiten eine größtmögliche Demütigung erfahren. Man stelle sich vor: Nick Woltemade, den man so unbedingt verpflichten wollte, hätte ihnen tatsächlich ein, zwei Tore eingeschenkt und seinen Stuttgartern damit den Supercup, frisch benannt nach der verstorbenen Münchner Vereinsikone Franz Beckenbauer, gewonnen. Das Fazit hätte gelautet: Supercoup verpasst und Supercup verloren.
Der Drang, den Stürmer doch noch zu bekommen, gepaart mit der offensichtlichen Qualität des so heiß Begehrten und den eigenen Bedürfnissen im Angriff hätte eine toxische Mischung aus Wut und Überehrgeiz ergeben, das Angebot doch noch einmal zu erhöhen. Koste er, was sie wollen, diese Schwaben!
Woltemade: Warum ein Transfer 2026 mehr Sinn machen würde
Aber die Bayern haben den Supercup gewonnen. Und eine wertvolle Erkenntnis. Es geht auch ohne Woltemade, muss es ja jetzt. Der ist aktuell eh überteuert. Außerdem ist nicht aller Tage Abend. Die Bayern kommen wieder, bieten wieder – keine Frage. Auch der (Transfer-)Sommer 2026 wird heiß.
2026 könnte ohnehin der bessere Zeitpunkt für den Woltemade-Deal zu sein. Wenn Mittelstürmer und Torjäger Harry Kane, dann 33 Jahre alt, nach Ende seines dritten von vier Vertragsjahren in München doch die Sehnsucht überkommt, sich noch einmal in der Premier League beweisen zu wollen.
Dann könnte man aus Bayern-Sicht mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens eine - wenn nicht allzu hohe, aber doch ordentliche - Ablöse für den Kapitän der englischen Nationalelf (auch abhängig von deren Abschneiden bei der Nordamerika-WM 2026) erhalten. Zweitens das Gehalt des neben Jamal Musiala absoluten Top-Verdieners im Kader für eine Spielzeit einsparen. Drittens Nick Woltemade nicht wie in diesem Sommer zu Kanes Backup bzw. Lehrling zu machen, der seine Rolle hinter bzw. neben dem Platzhirsch finden muss, sondern zur klaren Nummer eins im Angriff.
Alle drei Punkte würden es dem Aufsichtsrat der Bayern leichter machen, den millionenschweren Deal abzusegnen.
Das könnte Dich auch interessieren: Wölfe in Bremen im Torrausch! Vereinsrekord zum Pokal-Start
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/08/14/image-3b2364d0-1474-4dc5-926a-065c5920111c-85-2560-1440.jpeg)
Hoeneß ärgert sich: "Haben es ein bisschen verpasst"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung