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Taktik-Check: Schweinsteiger, Gündogan, Kroos, Özil, Khedira & Co - wer dirigiert die DFB-Elf?
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Publiziert 04/09/2015 um 12:22 GMT+2 Uhr
Prunkstück Schaltzentrale - wer dirigiert die DFB-Elf? Im zentralen Mittelfeld herrscht jedoch ein vermeintliches Überangebot an starken Akteuren. Eurosport.de analysiert drei verschiedene Varianten, wie Jogis Schaltzentrale in den richtungsweisenden Qualifikationsspielen aussehen könnte.
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Einen richtigen Mittelstürmer gibt es in der deutschen Nationalmannschaft seit dem Rücktritt von Miroslav Klose nicht. Auch Außenverteidiger sind rar gesät. Im zentralen Mittelfeld herrscht jedoch ein vermeintliches Überangebot an starken Akteuren.
eurosport.de analysiert drei verschiedene Varianten, wie Jogis Schaltzentrale in den richtungsweisenden Qualifikationsspielen aussehen könnte.
Was haben Joachim Löw und Pep Guardiola gemeinsam?
Richtig, beide können in ihren Mannschaften aus einem großen Pool an hochklassigen Mittelfeldspielern wählen. Doch welche Kombination ist die beste für das Spiel des Weltmeisters? Und: Muss es überhaupt eine Stammbesetzung geben? Vor dem Spiel gegen Polen (Freitag, 20:30 Uhr im Liveticker) kommen einige Varianten in Frage.
Variante 1: Ein Mittelfeld voller Spielmacher
Jeder Gegner ist gegen Deutschland der Underdog, dementsprechend oft konzentrieren sich die gegnerischen Mannschaften gegen das DFB-Team fast ausschließlich auf Konter. Nicht zuletzt wegen der tabellarischen Konstellation – Deutschland muss gegen Polen gewinnen – wird es am Freitag darauf ankommen, Umschaltaktionen der Elf aus dem Nachbarland zu verhindern.
Das beste taktische Mittel zur Verhinderung von schnellen Gegenstößen ist ein gutes Positionsspiel in Ballbesitz. Die Akteure müssen ständig anspielbar sein und gleichzeitig eine gute Staffelung behalten, um bei Ballverlusten direkt ins Gegenpressing gehen zu können. Um für die nötige Ballsicherheit zu sorgen, könnte Löw auf ein reines Spielmacher-Mittelfeld zurückgreifen. Im 4-3-3 könnte Schweinsteiger aus seiner Lieblingsposition direkt vor der Abwehr dirigieren, während Kroos und Gündogan als Achter auf den Halbpositionen spielen.
Vorne würde Özil sich als falsche Neun immer wieder zurück ins offensive Mittelfeld fallen lassen. Der Gedanke dahinter: Schweinsteiger, Kroos, Gündogan und Özil stehen alle auf unterschiedlichen Höhen und bieten sich zwischen den Grundpositionen der Polen an. Will der Gegner Zugriff auf die Spielmacher bekommen, muss er die Ordnung verlassen – was wiederum Lücken reißt. Diese Räume kann die Löw-Elf mit seinen spielintelligenten Akteuren bespielen – ein gewisser Raumdeuter soll sich dabei besonders wohlfühlen.
Variante 2: Neue alte deutsche Tugenden?
Schaut man sich den aktuellen Kader an, findet man mit Christoph Kramer und Emre Can (Link auf Artikel: Löw beruft Can) zwei körperlich sehr starke Akteure, die zudem enorm laufstark sind. In der Vergangenheit verzichtete Löw weitestgehend auf solche Spielertypen – mit Ausnahme von Sami Khedira.
Der große Unterschied von Kramer und Can zu Platzhirsch Khedira ist die Ruhe am Ball. Can ist das Ballbesitzspiel schon durch seine Ausbildung beim FC Bayern gewohnt, auch Liverpool ist um die Spielkontrolle bemüht. Der 21-Jährige ist ein hervorragender Techniker, der zudem mit beiden Füßen aus der Distanz torgefährlich werden kann.
Kramer hingegen wird nur selten selbst torgefährlich, ist am Ball aber einer der unterschätztesten Spieler der Bundesliga. Weil er extrem viel läuft und auch viele Defensivzweikämpfe gewinnt, wird er häufig auf diese Fähigkeiten reduziert – zu Unrecht! Kramer hat den Kopf immer oben und reagiert stark auf die Bewegungen des Gegners. Kleinste Körpertäuschungen reichen oft aus, um sich den nötigen Raum zu verschaffen.
Es ist also möglich, dass Löw gerade in engen Spielen wie nun gegen Polen einen Spieler in der Zentrale einbaut, der die sogenannten deutschen Tugenden wie Einsatz, Laufbereitschaft und Zweikampfstärke mit dem modernen Stil des DFB-Teams verbindet.
Variante 3: Vom 4-2-3-1 zum 4-2-4
Gut möglich ist auch, dass die deutsche Nationalmannschaft zum lange Zeit praktizierten 4-2-3-1 zurückkehrt – mit einigen kleinen Änderungen. Vor einer klaren Doppelsechs (zum Beispiel Schweinsteiger und Kroos) könnte Özil als Zehner auf seiner Paradeposition spielen und auf die Flügel ausweichen.
Dies funktionierte besonders bei der WM 2010 hervorragend, als er immer wieder den Weg nach rechts suchte, wenn Müller von dort in die Tiefe startete. Wenn die DFB-Elf zuletzt im 4-2-3-1 spielte, wurde dies meistens als 4-2-4 oder eher 4-2-4-0 interpretiert. Özil und Götze teilten sich dabei die Positionen des Zehners und des (falschen) Neuners und ließen sich abwechselnd ins Mittelfeld fallen. Die Flügelstürmer sorgten mit ihren Läufen hinter die Abwehr dafür, dass das Sturmzentrum immer besetzt war.
Diese Variante ist die offensiv wohl variabelste, da permanent andere Spieler in der Gefahrenzone auftauchen. Problematisch könnte hier jedoch die Konterabsicherung sein, da man vorne vier Spieler auf einer Linie hat, sodass die Doppelsechs dahinter in Umschaltsituationen große Räume verteidigen muss. Hierbei könnten besonders Schweinsteiger und Kroos Probleme bekommen, auch Gündogan ist nicht ideal für solche Aufgaben geeignet.
Löw hat vor dem Showdown in Frankfurt also die Qual der Wahl. Doch unabhängig von der taktischen Formation bleibt die Strategie gleich: Räume schaffen, Chancen kreieren und Konter unterbinden. Gelingt dies, werden die tabellarischen Verhältnisse schon bald wieder geradegerückt.
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