EM-Qualifikation | Deutschland - Niederlande: Erfahrung fehlt in der Defensive
Deutschland verliert das EM-Qualifikations-Rückspiel gegen die Niederlande mit 2:4 (1:0)und damit auch den direkten Vergleich. In der Defensive offenbarte das Team von Joachim Löw besonders im zweiten Durchgang große Defizite, die Maßnahmen des Bundestrainers nach dem Seitenwechsel verfehlten ihre Wirkung. Einzig Serge Gnabry überzeugte und zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen zurück.
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1. Es fehlt an Erfahrung in der Abwehr
Niklas Süle (24 Jahre, 20 Länderspiele), Matthias Ginter (25 Jahre, 26 Länderspiele) und Jonathan Tah (23 Jahre, 6 Länderspiele). Der Umbruch der deutschen Nationalmannschaft ist vor allem in der Innenverteidigung augenscheinlich.
Mit der Degradierung von Mats Hummels (30 Jahre, 70 Länderspiele) und Jérôme Boateng (31 Jahre, 76 Länderspiele) verabschiedete der Bundestrainer seine beiden erfahrensten Innenverteidiger in den vorzeitigen DFB-Ruhestand – und das war im Spiel gegen giftige Niederländer zu spüren.
"Unser Spiel aus der Abwehr ist normalerweise von Sicherheit geprägt. Das können wir eigentlich gut, weil wir das auch viel trainieren. Heute war das jedoch in vielen Fällen nicht gut", konstatierte Löw.
Vor allem Jonathan Tah erwischte keinen guten Tag. Beim 1:1-Ausgleich von Frenkie de Jong (59.) rutschte der Leverkusener entscheidend weg, wenig später unterlief ihm ein Eigentor zum 2:3 (66.).
Auch der Münchner Niklas Süle agierte fahrig und wenig zweikampfstark (nur 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe). "Wir haben viel Lob bekommen für die vergangenen Spiele. Das war auch gerechtfertigt. Heute haben wir aber ein ganz schwaches Spiel gemacht", sagte er nach der Partie – und dürfte damit in erster Linie die Leistung der Defensivreihe gemeint haben.
2. Löws Plan geht nicht auf
Joachim Löw hatte gegen die Niederlande einen klaren Plan – und setzte wie schon im Hinspiel in Amsterdam auf eine Dreierkette (im eigenen Ballbesitz), die im Spiel gegen den Ball zu einer Fünferkette wurde. Lukas Klostermann auf der rechten und Nico Schulz auf der linken Mittelfeldseite bildeten im Defensivverbund die Außenverteidiger.
Ziel dieses Systems: Kompaktheit im Zentrum. "Wir wollten das Zentrum stark machen", was jedoch in der zweiten Hälfte überhaupt nicht mehr gelingen wollte. Nach Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung zeigte sich das DFB-Team konteranfällig, auch weil Toni Kroos und Joshua Kimmich auf der Doppelsechs oft zu weit auseinanderstanden.
"Wir wollten in der zweiten Halbzeit mehr Zugriff bekommen, aber wir sind zu viel hinterhergelaufen", analysierte Löw nach dem Spiel bei "RTL". Auch die Einwechslungen Mitte der zweiten Hälfte verfehlten die erhoffte Wirkung. Löw weiter:
3. Gnabry rechtfertigt Einsatzgarantie
Am Mittwoch sprach Joachim Löw dem Münchner Serge Gnabry eine Einsatzgarantie aus. "Gnabry spielt immer bei mir", sagte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit den Niederlanden.
Nur neun Minuten waren zwei Tage später in Hamburg gespielt, da zahlte der 24-Jährige das in ihn gesetzte Vertrauen zurück. Kimmich öffnete das Feld mit einem Traumpass auf Klostermann, der mit seinem Versuch an Jasper Cillessen scheiterte, Gnabry schnappte sich den Rebound und knallte die Kugel trocken ins linke Eck.
Schon im Hinspiel in Amsterdam (3:2) hatte der in London ausgebildete Stürmer getroffen. Sein Tor in Hamburg war sein achtes im DFB-Dress im neunten Spiel.
Der Treffer steht sinnbildlich für den starken Auftritt, den Gnabry zeigte. Seine Antrittsschnelligkeit sowie sein Riecher für gefährliche Räume sorgten in der ersten Halbzeit für stetige Unruhe.
Zufriedenheit stellte sich nach Spielende dennoch nicht ein. "Bei jeder Niederlage", so der Bayern-Profi, "überwiegt die Enttäuschung".
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