EM-Qualifikation: Leere Stadien bei der deutschen Nationalmannschaft
Publiziert 20/11/2019 um 12:47 GMT+1 Uhr
Der deutschen Nationalmannschaft gehen die Zuschauer ab. Das machten die abschließenden beiden Länderspiele in der EM-Qualifikation gegen Weißrussland in Gladbach und Nordirland in Frankfurt einmal mehr deutlich. Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich findet: Der DFB hat in der Vergangenheit Fehler gemacht, die nicht kurzfristig zu revidieren sind. Und dann wäre da noch ein fatales Überangebot.
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Leergut. Fatal ist das. Nutzlos, kostenintensiv und immer nur ein Ärgernis. Leere eben. Kennt man beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Immerhin nicht gähnende Leere. Das nämlich wäre die übelste Form. Wenigstens noch geräuschlose Kulisse. "Sie haben nicht gepfiffen", hat Manuel Neuer, der Torwart von Löws Gnaden nach dem Spiel gegen Weissrussland gesagt.
Er war also froh, dass die vermeintlich besten Spieler in Deutschland bei einem offiziellen Spiel noch in Ruhe gelassen wurden. So als wären sie praktisch gar nicht da gewesen. Auf dem Rasen und überhaupt. Juckt ja auch kaum noch jemanden, diese Nationalmannschaft.
Ob sie nun spielt oder nicht beeinflusst schon lange nicht mehr den Zeitplan der Fans. Auch in Frankfurt waren noch Plätze frei und für Stimmung sorgten hauptsächlich mitgereiste Fans aus Nordirland, die ihre grünen Schals wie Trophäen schwangen und trotz der Niederlage ihrer Mannschaft guter Dinge waren. Wie das manchmal früher auch mal für die DFB-Auswahl der Fall war. Warum das nicht mehr so ist hat viele Gründe.
Falsche Verbandspolitik
Vielleicht muss man tatsächlich zunächst ein paar Jahre zurückschauen. Zum "Sommermärchen" und zur Weltmeisterschaft in Brasilien. Das DFB-Team hat uns in einen Gefühlsrausch hineingetrieben und unsere größten Wünsche Wahrheit werden lassen. Weltmeister. Ganz oben waren alle. Auch die Fans und sie wollten alle dort oben bleiben.
Das löste unerfüllbare Erwartungen aus und jede danach folgende Niederlage wurde als persönliche Beleidigung gesehen. So nach dem Motto: Ja, wenn die nicht mehr wollen, dann wollen wir auch nicht mehr. Dazu kam, dass die DFB-Verantwortlichen nicht erkannten, dass sich die Auswahl schon vor dem Desaster in Russland von ihren Anhängern abwandte.
Eine horrende Preispolitik für Länderspiele sorgte für Unverständnis, versteckte Trainingseinheiten für Irritationen, arrogantes Auftreten und der unbewältigte Konflikt um die Photosession von Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan verdunkelten die Stimmung weiter. Es kam sogar so weit, dass Reinhard Grindel nach nur vier Jahren Amtszeit zurücktrat. Früher blieben DFB-Präsidenten bis zum letzten Atemzug.
Fatales Überangebot
Dazu kommt das Überangebot an Spielen und Turnieren. Eine Qualifikation für eine Europameisterschaft, bei der letztlich nur Luxemburg, Liechtenstein, San Marino und die Faröer auf der Strecke bleiben, macht eigentlich keinen Sinn. Sogar Österreich schaffte diesmal relativ leicht die Teilnahme. Dann wurde eine Nations League ins Leben gerufen, die eh keiner versteht und deren Regeln einfach geändert werden, wenn eine vormals große Nation wie Deutschland absteigt.
Wohin eigentlich? Bundesliga und Pokal kommen noch hinzu sowie die Champions League und die Europa League. Es ist erdrückend und ein fataler Weg des Sports, nicht nur im Fußball, weil es keine kitzelnden und anregenden Ausnahmesituationen mehr gibt, auf die man sich tierisch freuen könnte. Alles ist beliebig geworden und wiederholt sich in immer kürzeren Abschnitten.
Veränderte Gesellschaft
Gestern spielte Deutschland. "Oh, habe ich glatt versäumt." Eine derzeit typische Reaktion, die noch verstärkt wird durch einen Satz wie: "Lese ich nach, wird schon nicht so wichtig gewesen sein."
War es dann auch meist nicht. Zudem verändert sich unsere Gesellschaft massiv. Die Mitte, aus der sich die Mehrzahl der Fans rekrutiert, wird von der Politik im Stich gelassen und ist orientierungslos und unsicher. Es gibt keine klaren Konturen mehr. Und die Nationalmannschaft, die früher für kurzfristige Erholung in diesem Dilemma sorgte und uns für ein paar Stunden alles Ungemach im Leben vergessen ließ, ist eben auch mehr Sorgenkind als fester Haltepunkt.
Immerhin: Das Team bemüht sich. Junge Spieler nehmen die Herausforderung an. Doch die Fehler der Vergangenheit können nicht durch ein paar nette Pässe und Tore gegen zweitklassige Gegner wie Weissrussland und Nordirland im Eiltempo wettgemacht werden. Dafür ist zu viel Porzellan zerschlagen worden.
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