Italien feiert Moise Kean: Wie gut ist Ronaldos Lehrling wirklich?

Moise Kean verzückt Italien - dabei hat der 19-Jährige diese Saison gerade mal 182 Minuten für Juventus Turin und noch keine zwei Spiele für die Squadra Azzurra auf dem Platz gestanden. Durch sein Premieren-Tor gegen Finnland weckt der Stürmer mit ivorischen Wurzeln jedoch Sehnsüchte im Land des viermaligen Weltmeisters, die er gerne erfüllen will - schließlich lernt er vom Besten.

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Blätterte man am Sonntag in den italienischen Gazetten, kam man an Moise Kean nicht vorbei. Das Gesicht des 19 Jahre alten Angreifers prangte auf nahezu allen Aufschlagseiten oder nahm zumindest einen prominenten Platz im Sportteil ein.
"Yes, we Kean!", feierte die "Gazzetta dello Sport" das Nationalmannschaftsdebüt des Juventus-Stürmers überschwänglich. Der "Corriere della Sera" befand derweil: "Mit Kean beginnt eine neue Ära. Eine Ära, die so leicht wie dieser 19-Jährige ist. Er hat die Mannschaft mit derselben Natürlichkeit zum Sieg geführt, mit der er Hip-Hop tanzt."

Moise Kean stellt Torriecher unter Beweis

Im Endeffekt hatte Kean am Sonntagabend aber "nur" ein gutes Pflichtspieldebüt für Italien gegeben und dabei den 2:0-Endstand im doch recht zähen EM-Qualifikationsspiel gegen Finnland erzielt.
Von der rechten Außenlinie startend, lief er perfekt ins Zuspiel von Ciro Immobile und stellte frei vor Finnland-Keeper Lukas Hradecky seinen Torriecher unter Beweis (74.).
"Kean ist für den Gegner ein verheerender Widersacher", stellte Nationaltrainer Roberto Mancini anschließend wortgewaltig und vielleicht auch etwas übertrieben fest, blickt der im Februar 2000 in Vercelli geborene Angreifer doch gerade erst auf 26 Serie-A-Spiele (sieben Tore) und zwei A-Länderspiele zurück.

Moise Kean: Groß, wuchtig, schnell

Der Hype um Kean scheint also noch ein wenig verführt, wenngleich der 1,83 Meter große Angreifer gute Anlagen mit sich bringt. Körperlich schon früh gut entwickelt, ist Kean schnell sowie geschickt am Ball, kann sowohl als alleinige Spitze als auch mit einem zweiten Stürmer spielen.
"Ich habe das von Cristiano Ronaldo im Training gelernt, ich habe seine Geheimnisse gestohlen", sagte Kean nach seinem gelungenen Länderspieldebüt und nannte CR7 seinen "Meister".
Für Juventus gab Kean im November 2016 gegen Delfino Pescara sein Profi-Debüt. Sein erstes Serie-A-Tor erzielte er am letzten Spieltag der Saison 2016/17 beim 2:1-Sieg beim FC Bologna - stilecht in der Nachspielzeit.

Abstieg mit Hellas Verona

Um Spielpraxis sammeln zu können, verlieh Juventus den Angreifer 2017/18 an Hellas Verona, wo Kean in 19 Spielen vier Treffer erzielte, ehe ihn eine langwierige Adduktorenverletzung fast vier Monate außer Gefecht setzte. Hellas stieg ab.
In der laufenden Spielzeit kommt Kean für Juventus auf gerade mal 182 Einsatzminuten in allen Wettbewerben - kein Wunder angesichts der namhaften Konkurrenz (Cristiano Ronaldo, Mario Mandzukic, Paulo Dybala, Federico Bernardeschi).
Bei seinem einzigen Startelfeinsatz steuerte er jedoch kürzlich beim 4:1 gegen Udinese Calcio zwei Treffer und eine Torvorlage bei.
Das reichte Mancini offenbar, um Kean erstmals für Italien zu nominieren und auch gleich gegen Finnland aufzustellen. Toreschießen war schließlich zuletzt das große Manko der italienischen Nationalmannschaft - in den neun Spielen vor Finnland kam man auf gerade mal acht Tore.

Zweitjüngster Torschütze für Italien

Mancinis Zug ging auf: Mit seinen 19 Jahren avancierte Kean zum zweitjüngsten Torschützen der Italiener nach Bruno Nicole (18 Jahre, 1958).
Geht es nach Kean, war das nur der Anfang einer großen Karriere in der Squadra Azzurra. "Es war ein wundervoller Abend, aber ich weiß, dass ich noch viele Rekorde brechen kann, und ich will sie brechen", verkündete er vollmundig.
Nächste Gelegenheit dazu hat er Dienstagabend, wenn Italien in der EM-Qualifikation auf Liechtenstein (20:45 Uhr im Livescoring) trifft.

Große Erwartungen

Dass er spielt, ist so gut wie gewiss. Mancini will aber keinen allzu großen Druck aufbauen.
"Seine Aussichten sind großartig, aber lasst uns nicht vergessen, dass wir von einem 19 Jahre alten Jungen reden", sagte der Nationaltrainer vor dem zweiten EM-Quali-Spiel. Der Erwartungsdruck ist nämlich bereits immens, das mahnende Beispiel Mario Balotelli sollte dabei allen bewusst sein:
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