Leon Goretzka und Joshua Kimmich glänzen in der Nationalmannschaft - Retro-Duo vom FC Bayern zeigt es den Zweiflern

Leon Goretzka erlebte im legendären San Siro ein traumhaftes Comeback. Der Profi vom FC Bayern München war maßgeblich am 2:1 (0:1)-Auswärtssieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien beteiligt - nicht nur aufgrund seines Treffers. Dabei schien die Karriere des 30-Jährigen auf das Abstellgleis geraten zu sein. Umso erstaunlicher nun die Renaissance - mithilfe seines kongenialen Partners.

Nagelsmann lobt Rückkehrer Goretzka: "Hat er sich verdient"

Quelle: Perform

Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Und mit geschlossenen Augen lässt sich der innere Triumph intensiver genießen als mit offenen.
Man konnte am Gesicht von Leon Goretzka absehen, wie sehr er den Moment, die Sekunden nach seinem Treffer zum 2:1 in Mailand gegen Italien genoss. Als ihn die Mitspieler in der DFB-Jubeltraube herzten und drückten, schloss der 30-Jähriger die Augen. Genuss pur. 
Besonders Joshua Kimmich, der die Ecke perfekt auf den kurzen Pfosten getreten hatte, feierte mit seinem Kumpel Goretzka, der perfekt in den Ball hineingelaufen war und den Kopfball ins lange Eck gesetzt hatte. Das Zusammenspiel eines Duos, das es in der deutschen Nationalelf seit 16 Monaten nicht mehr gegeben hatte.
Der 2:1-Siegtreffer von Goretzka in der 76. Minute war die Bohne auf dem Cappuccino in diesem Viertelfinal-Hinspiel der Nations League. Die Tür zur Mini-Endrunde im Juni, die der DFB dann ausrichten würde - in München und in Stuttgart - ist weit aufgestoßen.
Am Sonntag muss die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann in Dortmund nur noch durchgehen. Was soll mit dem wiedervereinten Duo Kimmich/Goretzka schon schiefgehen?

"Ich wäre auch nicht für die zweite Reihe geeignet"

Die Cinderella-Story von Bayern-Profi Goretzka hat eine Vorgeschichte: Vor eineinhalb Jahren war der Mittelfeldspieler von Nagelsmann aussortiert worden, musste schweren Herzens die Heim-EM 2024 aus der Ferne verfolgen.
Weil man ihn im Spätsommer auch in München aussortieren wollte, schien die Karriere des Leon Goretzka im Sturzflug. Er blieb, glaubte an sich und seine Qualitäten. Beharrlich kämpfte er sich von der Tribüne über die Ersatzbank zurück in die Startelf von Trainer Vincent Kompany zurück. Und wurde zum Leistungsträger, unverzichtbar.
Erstmals wieder nominiert, hatte Goretzka Anfang der Woche ein klärendes Gespräch mit dem Bundestrainer, das laut Nagelsmann "ganz sachlich" verlaufen sei.
Der ehemalige Bayern- und damit auch Goretzka-Coach: "Wir haben einen gemeinsamen Nenner gefunden, haben die Dinge, die ihn und die Dinge, die mich gestört haben, nochmal angesprochen. Es lag nicht an seinem Charakter. Es gibt Menschen, die besser für die erste Reihe geeignet sind und solche, die besser für die zweite Reihe geeignet sind. Ich wäre auch nicht für die zweite Reihe geeignet."
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Leon Goretzka bedankt sich bei Vorlagengeber Joshua Kimmich

Fotocredit: Getty Images

Goretzka: "sehr schöne, ganz runde Geschichte"

Nun zahlte Goretzka das ihm endlich wieder geschenkte Vertrauen zurück - ohne verbittert oder nachtragend zu sein, das Erlebnis Heim-EM verpasst zu haben. Auch Triumphgeheul lag ihm nach dem Abend von Mailand fern.
"Das ist natürlich eine sehr schöne, ganz runde Geschichte", sagte Goretzka in der "ARD" und gab einen Einblick in sein Seelenleben: "Man traut sich hin und wieder mal vor dem Spiel, sich so ein Szenario auszumalen. Das habe ich tatsächlich diesmal auch gemacht."
Wahrscheinlich mit geschlossenen Augen. Was passiert ist, ist passiert. Eine Narbe ist geblieben, die Wunde hat er nun selbst geschlossen.
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Feierte ein Traum-Comeback im DFB-Dress: Leon Goretzka

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"Natürlich war es nicht einfach", gestand Goretzka, "das wurde auch schon hinlänglich berichtet. Ich glaube, es kann sich jeder vorstellen, dass es nicht so schön war. Aber ich möchte lieber nach vorne gucken als zurück - und ich hoffe, dass es jetzt so weitergeht."
Gerade mal 28 Jahre hatte Goretzka auf dem noch sehr fitten Buckel, als er am 21. November 2023 sein Abschiedsländerspiel bestritt, ohne zu wissen, dass es sich um ein solches handelte. Die deutsche Nationalmannschaft, die nach Jahren der Irrungen, Wirrungen und Erfolglosigkeit ihren Weg suchte, verlor sich und das Testländerspiel in Wien gegen Österreich mit 0:2.
Goretzka & Co. wurden teilweise vorgeführt. Chancenlos, würdelos.

Warum Goretzka vor der EM seinen Platz verlor

Im Nachhinein ein Augenöffner für Bundestrainer Nagelsmann, der nach seinem vierten DFB-Einsatz an der Seitenlinie Klarheit hatte und über den Winter eine Zeitenwende einleitete.
Spielmacher Toni Kroos überzeugte er mit Blick auf die Heim-EM von einer Rückkehr in die Nationalelf. Goretzka, im Spätsommer seiner Karriere, war raus und wurde ein Opfer der Neuausrichtung - trotz der Versetzung von Joshua Kimmich auf die Rechtsverteidiger-Position.
Neben Kroos gehörten die Mittelfeldspieler Robert Andrich und Pascal Groß, ironischerweise beide älter als Goretzka, zu den Kandidaten, mit denen Nagelsmann seine Hierarchie auffrischte.
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In Italien wieder vereint: Leon Goretzka und Bundestrainer Julian Nagelsmann

Fotocredit: Getty Images

Warum Nagelsmann Goretzka dankbar ist

Alles Historie. Goretzka ist zurück, mit seinem 15. Tor im 58. Länderspiel.
"Ich muss zugeben, bei der Nationalhymne hat es mich mehr gepackt, als ich vorher gedacht habe", sagte ein glücklicher Goretzka, "aber so soll es sein und ich bin sehr glücklich, heute hier gespielt zu haben."
Für Nagelsmann war er der Mann des Spiels, der "vor allem in der zweiten Halbzeit ein herausragend gutes Spiel" machte. Aufgrund der Umstellung in der Pause auf eine Dreierkette nach vorne geschoben von der Sechser-Position in die Rolle eines Zehners.
"Defensiv hat er viele 50-50-Situationen weggegrätscht, er ist richtig oft in der Box gewesen. Für mich ist er der MVP des Spiels, er hat den größten Einfluss gehabt, hinten und vorne. Ich bin sehr froh, dass er so gut zurückgekommen ist."
Auf der Pressekonferenz fügte Nagelsmann hinzu: "Hat er sich verdient." Weil er "ein Top-Charakter" und "ein herzensguter Mensch" sei und "damals bei Bayern sehr für mich gekämpft hat, was ich sehr gut fand".
Was der 37-Jährige meinte: Als Nagelsmann vom Führungsduo Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic im März 2023 trotz der Möglichkeit, noch drei Titel gewinnen zu können, vorschnell entlassen wurde, waren es zwei Spieler, die öffentlich ihren Unmut über die Entscheidung kundtaten: Goretzka und Kimmich.

Nagelsmann lobt Flankenkönig Kimmich

Der Kapitän bekam nach seinem 98. Länderspiel ein Extra-Lob vom Bundestrainer: "Ich lieb' das, wie er immer an die Grenze geht und jedes Spiel gewinnen will. Obwohl er ja auch bei Bayern ein paar Spiele auf dem Buckel hat. Er ist unermüdlich, gibt immer Gas, seine Einstellung ist beeindruckend. Ich glaube nicht, dass es in Europa jemanden gibt, der aus dem Stand solche brutal scharfen und präzisen Flanken schlägt."
Auch den Ausgleich durch Joker Tim Kleindienst hatte Kimmich mit einer Halbfeld-Flanke vorbereitet. Nagelsmanns Fazit: "Einfach ein super Spieler, der als Rechtsverteidiger wieder einen sehr großen Einfluss gehabt hat, dass wir das Spiel gewonnen haben."
Was Nagelsmann über Goretzka sagte, trifft auch auf Kimmich zu: "Das war natürlich keine leichte Zeit bei Bayern", so Nagelsmann, "er ist damit gut umgegangen und hat wieder seine Leistung gebracht."
Trainer Thomas Tuchel war es, der im Sommer 2023 beide Mittelfeldspieler gerne verabschiedet hätte. Beide litten unter der fehlenden Nähe und Herzlichkeit Tuchels. Beide blieben.

Erster Auswärtssieg in Italien seit 1986

Und sind nun aufgrund ihrer Beharrlichkeit Vorbilder. Es sei "generell ratsam im Leben, nicht alles immer sofort hinzuwerfen", wenn es nicht laufe, so Nagelsmann. Es lohne sich, "dranzubleiben und mal Täler zu durchschreiten. Das hat Leon bewiesen, das können junge Spieler lernen. Zudem war es der cleverste Move von ihm, sich aus den Diskussionen herauszuhalten, dass er sich nicht ständig geäußert und alles kommentiert hat, weil es das dann nicht besser macht."
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"Komplett dominant gespielt": Amiri lobt Comeback-Qualitäten

Quelle: Perform

Goretzka ließ Taten - und nun das Tor sprechen. Zum ersten Auswärtssieg eines DFB-Teams in Italien seit Februar 1986, einem 2:1 in Avellino.
Dank Goretzkas Sturschädel und seiner Kopfballstärke. Dank Kimmichs Flanken. "Leon hat sich in der Halbzeit noch beschwert, dass ich immer 20 Zentimeter zu hoch flanke bei ihm", meinte Kimmich lachend, "dann hat zum Glück der letzte gepasst."
Erstmals spielte die Nationalelf in den klassisch gehaltenen Retro-Trikots angesichts des 125-jährigen Bestehens des Verbandes. Und gewann dank des Retro-Duos Kimmich/Goretzka.
Der eine hat seinen Vertrag bei Bayern kürzlich bis 2029 verlängert. Goretzka ist noch bis 2026 gebunden. Nur bis 2026?

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Nagelsmann: "Versuchen auch das zweite Spiel zu gewinnen"

Quelle: Perform


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