Drei Dinge, die bei England gegen Italien auffielen: Harry Kane und Jude Bellingham überzeugen
VonThomas Gaber
Publiziert 18/10/2023 um 00:18 GMT+2 Uhr
Die englische Nationalmannschaft löst das EM-Ticket und gehört im nächsten Sommer in Deutschland zu den Favoriten auf den Titel. Warum? Weil sie Harry Kane und Jude Bellingham haben, die beim 3:1 (1:1)-Sieg gegen Italien ihre Extraklasse einmal mehr unter Beweis stellen. Um den letzten Europameister muss man sich dagegen Sorgen machen. Drei Dinge, die im Londoner Wembleystadion auffielen.
Deutsch-Lehrer bei der EM? Kane scherzt im Interview
Quelle: Perform
Mit dem fünften Sieg im sechsten Quali-Spiel ist England die Teilnahme an der EM 2024 in Deutschland nicht mehr zu nehmen. Harry Kane steuerte beim 3:1-Sieg gegen Italien seine Länderspieltore 60 und 61 (32./Elfmeter, 77.) bei, zudem traf Marcus Rashford (57.).
"Wir haben ein tolles Team, einen tollen Teamgeist - aber der Trainer hält uns am Boden", sagte Kevin Philipps bei "RTL Nitro". Bei den Engländern überzeugte neben Kane der Ex-Dortmunder Jude Bellingham.
Italien war durch Gianluca Scamacca in Führung gegangen (15.). Eine biedere Squadra Azzurra droht nach der WM 2022 das nächste große Turnier zu verpassen (Tabelle).
Drei Dinge, die im Londoner Wembleystadion auffielen.
1.) Diesen Kane braucht auch der FC Bayern
Im Verein lief es für Harry Kane vor der Länderspielpause nicht nach Wunsch. In den letzten beiden Spielen für den FC Bayern blieb Englands Kapitän ohne Tor, beim 3:0 gegen Freiburg war erstmals leichter Frust beim 100-Millionen-Euro-Einkauf erkennbar.
Die Luftveränderung in der Nationalmannschaft hat Kane offenbar gut getan. Der 31-Jährige brachte England durch sein Elfmetertor zurück ins Spiel und machte später den Deckel drauf, als von der Mittellinie startend den ersten Italiener abschüttelte, den zweiten einfach wegschob und dann vor Gianluigi Donnarumma cool blieb - ein Sahnetreffer.
Was Kane bei Bayern andeutete, setzte er gegen Italien perfekt um: Seine Bereitschaft, lange Wege zu gehen, um sich aktiv am Spielaufbau zu beteiligen. Mitunter ließ sich Kane bis in den Mittelkreis fallen, um sich dort die Bälle als "Aushilfssechser" abzuholen und dann auf die Flügel zu Rashford oder Phil Foden zu verteilen.
Auch die Verarbeitung von hohen Bällen in Strafraumnähe funktionierte gegen garstige italienische Verteidiger. Einen Kane in der Verfassung von Dienstagabend ist auch für den FC Bayern wieder goldwert.
2.) Bellingham setzt Galaform fort
Zehn Plfichtspiele, zehn Treffer, dazu drei Torvorlagen - seine erste Saison im Trikot von Real Madrid verläuft für Jude Bellingham wie im Traum. Längst wird der 20-Jährige in Spanien mit Zinédine Zidane verglichen.
Um seiner Genialität Einhalt zu gebieten, stellte Italien Bellingham stets zwei Gegenspieler auf die Füße. Giovanni Di Lorenzo, Davide Frattesi und Bryan Cristante teilten sich den Job auf, Bellinghams Kreise zu stören.
Das gelang den Gästen in der ersten halben Stunde planmäßig. Bellingham konnte keine Akzente setzen und verlor mehrere Bälle. Doch dann entwischte Bellingham seinen Bewachern das erste Mal und holte mit einem Lauf in die Tiefe gleich den Elfmeter zum 1:1 heraus.
Auch am 2:1 war der ehemalige Dortmunder entscheidend beteiligt, als er einen Pass von Foden noch in der eigenen Hälfte zu einem Tempo-Solo an zwei Italienern vorbei nutzte und letztlich Torschütze Rashford auf der linken Seite anspielte.
Bellingham gewann 62 Prozent seiner Zweikämpfe und kam auf 90 Prozent Passquote in der gegnerischen Hälfte. Er ist ein Grund dafür, dass England als Mitfavorit auf den EM-Titel gilt, weil er auch im Nationaltrikot konstant gute Leistungen abliefert.
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Jude Bellingham fährt mit England zur EM nach Deutschland
Fotocredit: Getty Images
3.) Was bleibt vom stolzen Italien?
Negative PR gab es schon vor dem Anpfiff im Lager des Eurpameisters von 2021: Im Zuge des Wettskandals schickte Nationaltrainer Luciano Spalletti Mittelfeldmann Sandro Tonali (23) und Stürmer Nicolò Zaniolo (24) nach Hause. Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide wegen Wetten und Glücksspiels auf illegalen Plattformen.
Nach einer schwierigen Anfangsphase gegen giftige Engländer keimte in der 15. Minute Hoffnung auf. Scamacca schloss einen starken Angriff mit seinem ersten Länderspieltor ab.
Viel mehr kam danach allerdings nicht mehr. Italien war permanent mit Verteidigen beschäftigt und hatte vor allem in den letzten 30 Minuten nichts mehr entgegenzusetzen. "In der ersten Halbzeit haben wir es noch ganz gut gemacht, aber es war schwer", sagte Abwehrmann Destiny Udogie.
Unabhängig vom Ausgang des Spiels gegen Nordmazedonien geht es für Italien im direkten Duell gegen die Ukraine am 20. November um die EM-Teilnahme. Sollte dies schief gehen, bliebe noch der Umweg über den Strohhalm namens Playoffs der Nations League.
Es fällt jedoch schwer, dieser Squadra Azzurra viel zuzutrauen - einer Mannschaft, die vor gerade mal zwei Jahren noch Europameister wurde. Der Generationenwechsel ist nicht wirklich geglückt. Schon bei der WM 2022 in Katar fehlte Italien, im Anschluss erlag Roberto Mancini dem Lockruf aus Saudi-Arabien.
Nachfolger Spalletti sind die Hände gebunden, es fehlt an der Qualität der Spieler. Das wurde gegen England mal wieder deutlich.
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