Wettskandal um Fagioli, Tonali und Zaniolo erschüttert den italienischen Fußball: Was man jetzt wissen muss

Der italienische Fußball wird vom schlimmsten Wettskandal seit fast 20 Jahren erschüttert. Mehreren Spieler werden beschuldigt, Sportwetten auf Fußball-Spiele abgeschlossen zu haben. Das hat auch Folgen für die italienische Nationalmannschaft. Aber um wen geht es und welche Konsequenzen drohen den Beschuldigten? Eurosport liefert die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Quelle: Perform

17 Jahre nach dem Zwangsabstieg von Juventus Turin wird der italienische Fußball wieder von einem Skandal erschüttert.
Die Staatsanwaltschaft durchsuchte Räumlichkeiten, zwei Spieler mussten sogar vor den EM-Qualifikationsspielen von der Squadra Azzurra abreisen.
Mehrere ehemalige Fußballgrößen wie Zlatan Ibrahimovic oder Andrea Barzagli äußerten sich zu der Thematik.
Eurosport beantwortet die drängendsten Fragen rund um den Skandal.

1. Was ist passiert?

Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit August gegen Nicolò Fagioli von Juventus Turin, Sandro Tonali von Newcastle United und Aston Villas Nicolò Zaniolo wegen eines Anfangsverdachts auf Sportwetten-Betrug. Die drei Spieler sollen auf illegalen Seiten Wetten abgeschlossen haben.
In der vergangenen Woche gestand Fagioli, dabei auch auf Fußballspiele gesetzt zu haben. Der Juventus-Profi lieferte Informationen, die dazu führten, dass die Ermittler am 12. Oktober Tonali und Zaniolo vernahmen. Der Newcastle-Profi soll Fagioli die fragliche Wett-App zugeschickt haben.
Tonali und Zaniolo befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch bei der italienischen Nationalmannschaft, wurden aber von Trainer Luciano Spalletti freigestellt, als die Vorwürfe bekannt wurden.
"Unabhängig von der Art der Ermittlungen" seien die Spieler "in dieser Situation nicht in der Verfassung für die kommenden Aufgaben", hieß es in der Mitteilung des italienischen Verbands FIGC.
Tonali soll zu einem Geständnis bereit sein, und hat zudem angekündigt, sich in Therapie zu begeben, um seiner Spielsucht Herr zu werden, heißt es in italienischen Medien.
Zaniolo leugnet den Vorwurf, auf Fußballspiele gewettet zu haben. Stattdessen will der England-Legionär online lediglich Black Jack und Poker gespielt haben.

2. Wie reagiert der italienische Verband?

Die FIGC nimmt eine aktive Rolle ein. In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft hat das eigene Ermittlungsbüro des Verbandes, das auch für das Verhängen von Sperren zu ständig ist, eigene Nachforschungen angestellt, in deren Rahmen es bereits zu einer Befragung Fagiolis gekommen ist.
In den kommenden Tagen sollen auch dessen Mitbeschuldigte von den Ermittlern des italienischen Fußball-Verbandes verhört werden. Bei einem Auftritt am Rande eines Sportfests in Trient war Gabriele Garavina, Präsident des FIGC, offensichtlich um Schadensbegrenzung bemüht.
Einerseits verurteilte er Glücksspiel grundsätzlich als "gesellschaftliche Plage", die ausgelöscht werden müsse. Garavina bezeichnete die Vorwürfe gegen die Spieler andererseits aber auch als "nicht vorherzusehen", während er die Arbeit der Verbandsorgane lobte.
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Quelle: Perform

3. Welche Konsequenzen drohen den Spielern?

Die strafrechtlichen Folgen für das Trio sind wohl eher überschaubar. Nach allem was bisher bekannt ist, droht den Spielern maximal eine Geldstrafe.
Anders ist die Lage aber, wenn es um die sportlichen Konsequenzen geht. Das Regelwerk in Italien untersagt den Spielern klar, auf Spiele zu wetten, die von der FIGC, dem Europäischen Fußball-Verband UEFA oder dem Fußball-Weltverband FIFA organisiert wurden.
Bei Verstößen gegen diese Regeln sind Sperren von mindestens drei Jahren vorgesehen. Die Strafe könnte sich sogar verlängert, wenn der Spieler auf Partien gewettet hat, in denen der eigene Verein involviert war.
Allerdings ist es auch möglich, das Strafmaß zu verringern, wenn der Beschuldigte mit den Ermittlern kooperiert. Kommt es im Strafverfahren zu einer Verständigung, kann die Sperre halbiert werden.
In den konkreten Fällen ist allerdings noch nicht klar, welche Strafen den einzelnen Spielern drohen. Während Fagioli durch seine Kooperation wohl eine beträchtliche Reduzierung seiner Strafe erreicht haben dürfte, könnte Tonali eine weitaus längere Sperre erhalten, die bei einer Verurteilung auch für die Premier League gelten würde.
Der englische Nationalstürmer Ivan Toney (FC Brentford) wurde im März dieses Jahres etwa wegen insgesamt 232 Verstöße gegen die Wettregeln des englischen Fußballverbands FA für acht Monate gesperrt. Zudem bekam er eine Geldstrafe in Höhe von 57.000 Euro aufgebrummt.
Bei Zaniolo ist die Situation komplizierter, da er die Vorwürfe bestreitet. Sollte seiner Version Glauben geschenkt werden, hätte sein Verhalten von italienischer Seite wohl keine sportlichen Konsequenzen.

4. Wurden Spiele manipuliert?

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Spiele von den Beschuldigten manipuliert wurden.

5. Hat der italienische Fußball ein größeres Problem?

Der ehehamlige Paparazzo und verurteilte Erpresser Fabrizio Corona war der erste, der über den Wettskandal berichtete.
Dabei deutete er an, dass es sich bei Fagioli, Tonali und Zaniolo nur um die Spitze des Eisberges handle. Zudem kündigte der 49-Jährige an, zeitnah weitere Namen zu veröffentlichen.
Bei der Aufklärung dürften indes die Chat-Verläufe des Trios eine große Rolle spielen. Ob weitere Spieler involviert sind, steht derzeit noch nicht fest.
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Quelle: Perform

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