EM 2016 - Deutschland gegen Polen: Bartosz Kapustka - Krakauer Wunderkind im Schaufenster
Jung, talentiert, ehrgeizig - Eurosport.de präsentiert im EuroScout-Blog die Zukunft des Fußballs. Heute dreht sich alles um Bartosz Kapustka von Cracovia Krakau, der bei den Polen die Position des Linksaußen bekleidet und beim EM-Duell gegen Deutschland am 16. Juni (ab 21:00 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) besonders im Fokus stehen wird.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Während die polnische Nationalmannschaft gegen Nordirland ihren ersten EM-Sieg der Geschichte einfuhr, überschlug sich die Twitter-Gemeinde. Ein Spieler in den Reihen der Osteuropäer hatte es den Social-Media-affinen Fußballfans ganz besonders angetan: Bartosz Kapustka.
Selbst England-Ikone Gary Lineker war voll des Lobes für die Darbietung des 19-Jährigen, der bislang höchstens Kennern der polnischen Liga ein Begriff gewesen sein dürfte. "Wir werden in den kommenden Jahren noch einiges von Kapustka zu sehen bekommen. Ein hochtalentierter 19-Jähriger", twitterte der WM-Torschützenkönig von 1986.
Kapustka wurde im Dezember 1996 in der südpolnischen Stadt Tarnow geboren. Bis 2009 spielte der schlanke Offensivspezialist bei seinem Heimatklub Tarnovia Tarnow, ehe er für zwei Jahre in die nahegelegene Metropole Krakau wechselte, wo er für Hutnik die Fußballschuhe schnürte.
Nach einem kurzen Engagement bei seinem Ex-Verein zog es Kapustka im Alter von 16 Jahren endgültig zurück nach Krakau. Dort schloss er sich der Jugendabteilung des polnischen Erstligisten Cracovia an.
Kometenhafter Aufstieg bei Cracovia
Nach nur wenigen Monaten wurde der Edeltechniker in die U17-Auswahl Polens berufen, für die er einen Einsatz verbuchen konnte. Sein Debüt bei den Profis feierte Kapustka im März 2014, nachdem er zuvor bereits etliche Male im Kader stand, zunächst jedoch die Bank hüten musste.
Endgültig etablieren konnte sich der Flügelflitzer dann in der darauffolgenden Spielzeit. 26 Pflichtspiele absolvierte er für Cracovia, in denen er drei Treffer sowie zwei Vorlagen beisteuern konnte. In der abgelaufenen Saison wurde Adam Nawalnik, Polens Nationaltrainer, auf den Ausnahmekönner aufmerksam, der mittlerweile 63 Ligaspiel-Einsätze auf die Uhr bringt.
Im September letzten Jahres nominierte Nawalnik den Youngster erstmals und setzte ihn im EM-Qualispiel gegen Gibraltar prompt ein. Für Jakub Blaszczykowski eingewechselt, markierte Kapustak beim 8:1-Erfolg über den Fußball-Zwerg gleich seinen ersten Länderspieltreffer.
Fast EM-Aus wegen Disco-Schlägerei
Zu seinem hervorragenden Auftritt gegen die Nordiren bei der EM in Frankreich wäre es beinahe nicht gekommen: Einige Monate vor dem prestigeträchtigen Turnier war das Top-Talent in eine Schlägerei vor einem Nachtclub verwickelt, wurde dabei verletzt und stand kurz vor einer Suspendierung.
Reumütig rief er Nawalka an, um sich zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten. "Mittlerweile überlege ich dreimal, bevor ich etwas tue, erklärte Kapustak im Anschluss. Er ergänzte:
EM als Sprungbrett
Bereits im Vorfeld der EM sollen einige europäische Spitzenklubs Interesse an dem Rohdiamanten signalisiert haben, dessen Marktwert sich laut "transfermarkt.de" auf 2,5 Millionen Euro beläuft. Galatasaray Istanbul hat bereits Anfang des Jahres bei Cracovia-Präsident Janusz Filipiak angeklopft, dabei jedoch auf Granit gebissen.
"Die Transfergerüchte rund um Bartosz sind kein Grund für mich, nachts schlecht zu schlafen, verriet Filipiak jüngst, und schob nach: "Wenn ein Verein bereit ist, lediglich 1,5- oder 2 Millionen Euro zu zahlen, würde ich dem Jungen raten, sich dagegen zu entscheiden. Das bedeutet nämlich, dass der potenzielle Interessent nicht zu den ganz Großen gehört. Er kann etwas Besseres bekommen".
Glaubt man dem niederländischen Magazin "Sport", dann hat Marc Overmas, derzeitiger Sportdirektor bei Ajax Amsterdam, Kontakt zu Kapustkas Beratern aufgenommen - und soll sich demnach in fortgeschrittenen Gesprächen mit Cracovia befinden. Dem Blatt zufolge hat auch Italiens Rekordmeister Juventus Turin seine Fühler nach dem Emporkömmling ausgestreckt.
Sollte Kapustka in Frankreich weiter für Furore sorgen und gegen die DFB-Auswahl eine ähnlich gute Leistung zeigen wie gegen Nordirland, wird sich die Frage nach einem möglichen Vereinswechsel in diesem Sommer kaum noch stellen.
Dann wird es lediglich darum gehen, bei welchem Klub wir die rasante Entwicklung des schnellen und passsicheren Polen weiterverfolgen dürfen.
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/06/image-ea4c9f95-f41e-4a1d-95f7-4af46e7639e1-68-310-310.jpeg)