EM 2016 - Deutschland - Polen: Taktik-Check: So stoppt man Lewandowski & Milik

Bei der EM 2016 wartet auf Deutschland mit Polen (21:00 Uhr im Liveticker) der stärkste Gruppengegner. Angeführt von Robert Lewandowski vom FC Bayern München machte Polen dem DFB-Team schon in der Qualifikation ordentlich zu schaffen. Eurosport.de analysiert, wie das Team von Joachim Löw die polnische Doppelspitze aus Lewy und Arkadiusz Milik im Zaum halten kann.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Neues Spiel, neue Anforderungen. Nachdem die DFB-Elf sich im ersten Gruppenspiel mit den schnellen, dribbelstarken Außenstürmern der Ukraine auseinandersetzen musste, warten die großen Herausforderungen beim Gruppengipfel gegen Polen im Zentrum.
Die deutsche Abwehr steht vor der heutzutage selten gewordenen Aufgabe, ein klassisches Sturmduo zu verteidigen.

Neue Rolle für die Außenverteidiger

Polen spielt im 4-4-2, in dem Robert Lewandowski und Arkadiusz Milik die Doppelspitze bilden. Während Lewandowski klar in vorderster Front agiert, ist Milik sehr umtriebig und sucht immer wieder die Wege in den Raum hinter den gegnerischen Sechsern. Dort lässt er sich mit dem Rücken zum Tor anspielen und legt die Bälle auf die nachrückenden Mitspieler ab.
Gegen die Ukraine sollten die deutschen Außenverteidiger schon bei der Ballannahme Druck auf die gegnerischen Außenstürmer machen. Dementsprechend standen Jonas Hector und Benedikt Höwedes gegen den Ball breiter und höher als sonst. Gegen Polen dürfte dies nun anders aussehen. Da die Mannschaft von Adam Nawalka ständig versucht, den Ball vertikal in die Spitze zu spielen, sollten sowohl Hector als auch Höwedes möglichst nah bei den Innenverteidigern stehen.
Dies würde den Innenverteidigern erlauben, Milik oder Lewandowski in den Raum zwischen den Linien zu Folgen und sie bei der Ballannahme unter Druck zu setzen – Hector bzw. Höwedes müssten in diesen Szenen nur wenige Schritte nach innen machen, um die Schnittstelle zu schließen. Eine Rückkehr von Mats Hummels, der ein sehr gutes Timing beim Herausrücken aus der Kette hat, wäre also trotz guter Leistung von Shkodran Mustafi im ersten Spiel wichtig.

Zentrumskontrolle mit Schweinsteiger?

Neben der taktischen Detailanpassung der Rolle der Außenverteidiger ist auch eine größere Umstellung denkbar. So könnte Löw seinen Kaptiän von Beginn an bringen und so das Zentrum stärken. Bastian Schweinsteiger könnte in die Mannschaft rücken und als klarer Sechser vor der Abwehr hinter Toni Kroos und Sami Khedira agieren.
Deutschland würde dann im 4-3-3 statt im gegen die Ukraine gespielten 4-2-3-1 auflaufen. Einer der Offensivspieler – höchstwahrscheinlich Julian Draxler – müsste weichen, Mesut Özil und Thomas Müller kämen wie bei der WM 2014 über die Flügel. Die veränderte Aufteilung im Mittelfeldzentrum hätte gegen Polen einige Vorteile.
Mit drei Spielern vor der Abwehr lassen sich die Passwege in den von Milik und Lewandowski häufig angesteuerten Raum zwischen den Linien besser zustellen als mit einer herkömmlichen Doppelsechs. Polen würde so auf die Seiten gelenkt werden, wo die individuelle Qualität bei Weitem nicht so hoch ist wie in der Mitte, zudem lässt sich ein Spieler an der Außenlinie bestens von den Mitspielern isolieren und zu Ballverlusten drängen.
Läuft Deutschland im 4-3-3, das defensiv zu einem 4-1-4-1 wird, mit nur einer Spitze an, würde Polen höchstwahrscheinlich über die beiden Innenverteidiger aufbauen. Da diese jedoch alles andere als spielstark sind, dürfte der Aufbau äußerst schleppend verlaufen. Lässt sich Sechser Krychowiak fallen und bildet mit den Innenverteidigern eine Dreierkette – so praktizieren es die Polen gegen Gegner, die mit zwei Spielern anlaufen – bleibt nur ein zentraler Mittelfeldspieler übrig. Dieser wäre gegen die deutsche Überzahl im Zentrum praktisch aus dem Spiel.

Überrascht Löw mit einer Dreierkette?

Möglicherweise überrascht der Bundestrainer auch mit einer ganz anderen taktischen Variante. Mit einer Dreierkette hätte man stets Überzahl gegen Lewandowski und Milik, zudem ginge Löw der unangenehmen Entscheidung zwischen dem etatmäßigen Stammspieler Hummels und dem gut spielenden Vertreter Mustafi herum.
Mustafi wäre mit seiner ruhigen, unspektakulären Spielweise die ideale Besetzung für die Rolle zwischen Hummels und Boateng. Die beiden künftigen Vereinskollegen könnten sich bei Ballbesitz sehr breit aufstellen und gemeinsam mit Mustafi und Neuer die polnische Doppelspitze überspielen.
Da Polen gegen den Ball sehr mannorientiert agiert, müssten die vorgezogenen Außenspieler der Deutschen möglichst weit vorrücken, um ihre Gegenspieler nach mitzuziehen – Emre Can wäre hier eine passendere Lösung für die rechte Seite als der defensive Höwedes. Boateng und Hummels könnten so immer wieder vorbei an Lewandowski und Milik ins Mittelfeld dribbeln und gemeinsam mit Kroos und Schweinsteiger das Spiel gestalten.

Eurosport-Check

Polen ist ein individuell und kollektiv stärkerer Gegner als die Ukraine. Um die wirklich starke Doppelspitze Lewandowski-Milik in den Griff zu bekommen, muss Löw seine Mannschaft taktisch – und möglicherweise auch personell – etwas umstellen. Es gibt allerdings einige vielversprechende Varianten, um auch diese Herausforderung zu lösen und den Gruppensieg vorzeitig perfekt zu machen.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung