EM 2016: Österreich bittet Ungarn zum Klassiker

Das Spiel zwischen Österreich und Ungarn bei der EM 2016 ist ein Nachbarschafts-Duell der ganz besonderen Art. Die Vorzeichen für den EURO-Auftakt der beiden Länder aus der einstigen Doppelmonarchie könnten aber kaum unterschiedlicher sein. Während Österreich sich mit souveräner Qualifikation zu einem Geheimfavorit aufschwang, kämpfte sich Ungarn erst durch die Play-offs nach Frankreich.

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Valentin Habsburg-Lothringen lässt die ganze Aufregung kalt. Wenn Österreich auf Ungarn trifft, wird der Ururenkel des letzten Kaisers von Österreich-Ungarn höchstens "zufällig" vor dem Fernseher sitzen. Im Gegensatz zum Adelsspross sind Fans und Spieler der beiden alten k&k-Monarchien vom traditionsreichsten Fußball-Klassiker des Kontinents aber stark elektrisiert.
"Es ist historisch. Ich glaube, beide Mannschaften haben im Weltfußball mit am meisten gegeneinander gespielt", sagte Ungarns deutscher Nationaltrainer Bernd Storck vor dem Länder-Derby am Dienstag (18.00 Uhr, im Liveticker auf Eurosport.de) in Bordeaux: "Wir sind nicht ängstlich, sondern selbstbewusst." Aber das sind die Österreicher auch. "Wir müssen abliefern", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi Marko Arnautovic: "Da geht es hart auf hart."
Mehr Tradition als das Duell Österreich gegen Ungarn geht kaum. Die Erzrivalen trafen bereits 136. Mal aufeinander, nur die Begegnung Argentinien gegen Uruguay fand häufiger statt. Österreich gegen Ungarn war zudem das erste Länderspiel überhaupt ohne britische Beteiligung (1902). Entlang der Donau erzählt man sich in diesen Tagen wieder den Witz: "Es spielen Österreich-Ungarn, schön, aber gegen wen?"

Österreich klarer Favorit

In Frankreich sind die Rollen klar verteilt - Ungarn ist einfach nur froh, dabei sein zu dürfen, von Österreich wird deutlich mehr erwartet. Die Euphorie ist riesig, aber: "Wir lassen uns nicht verrückt machen", sagt David Alaba, nachdem sich Rot-Weiß-Rot erstmals sportlich für eine EURO qualifiziert hat. "Wir wissen", ergänzte der Profi von Bayern München, "dass wir keine Erfahrung bei so einem Turnier haben, aber darüber machen wir uns keine Gedanken. Wir sind jetzt einfach sehr, sehr froh, dass es endlich losgeht und wir unsere Leistung auf den Platz bringen können."
Dass es eine spezielle Partie wird, daraus machen beide Lager keinen Hehl. Für György Garics wir das Spiel aber etwas ganz Besonderes: Der 32-Jährige wurde in Ungarn geboren, mit 14 ging er nach Wien, er besitzt sowohl die österreichische als auch die ungarische Staatsbürgerschaft.
"Es werden schon besondere Emotionen kommen. Ich habe noch nie die ungarische Hymne auf dem Rasen gehört", sagte der Profi von Darmstadt 98, der zudem den Krebstod seines Vaters vom vergangenen Donnerstag verarbeiten muss, und versprach: Die österreichische Hymne "singe ich auf jeden Fall mit. Wenn ich vielleicht auch bei der ungarischen mitsinge, kann mir das keiner übel nehmen."
Mehr als nur singen will Alaba. Er ist der große Star im Team von Marcel Koller und verkörpert die großen Hoffnungen der Fans. Für Österreich darf der 23-Jährige im Gegensatz zum FC Bayern auch im zentralen Mittelfeld ran.
"Ich habe schon gezeigt, dass ich mich da wohlfühle und meine Leistungen bringe. Sicher will ich mich auf dieser Position bei diesem Turnier beweisen und zeigen", sagt Alaba, der alleine wertvoller ist als das gesamte Team der Ungarn (45 zu 25 Millionen Euro). Doch auch ein Superstar wird gelegentlich nervös: "Jetzt beginnt das Kribbeln, die Anspannung steigt."
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