Drei Dinge, die bei Ungarn - Deutschland in der Nations League auffielen: Ein "Winner" von Felix Nmecha ist zu wenig
Update 20/11/2024 um 09:06 GMT+1 Uhr
Die deutsche Nationalmannschaft hat zum Abschluss des Länderspieljahres einen 1:1 (0:0)-Unentschieden in Ungarn verbucht. Gegen Bosnien-Herzegowina hatte es zuletzt eine 7:0-Gala gegeben, der DFB-Auftritt in Budapest am Dienstag war eher fußballerische Schmalkost. Bundestrainer Julian Nagelsmann rotierte auf neuen Positionen. Alexander Nübel war der einzige Lichtblick. Drei Dinge, die auffielen.
Nagelsmann zum Elfmeter: "Da kann keiner mitkommen"
Quelle: Perform
Fader Abschluss eines berauschenden Jahres: Die deutsche Nationalmannschaft hat sich nach Monaten voller Begeisterung und Euphorie mit einer B-Elf im letzten Länderspiel 2024 zu einem 1:1 (0:0) in Ungarn gemüht.
Im Nations-League-Spiel in Budapest zwickte der zweite Anzug von Julian Nagelsmann, ohne Stars wie die eine Stunde lang geschonten Zauberfüße Jamal Musiala und Florian Wirtz fehlten trotz einer gewissen Dominanz der Glanz und die letzte Gier.
Kai Havertz traf nur den Pfosten (63.). Nach dem ersten Länderspieltor von Startelfdebütant Felix Nmecha (76.) kam Hoffnung auf den elften Sieg im 15. Spiel des EM-Jahres auf, doch der einstige Leipziger Dominik Szoboszlai (90.+9.) glich nach einem Handspiel von Robin Koch noch per Elfmeter aus.Der starke Torhüter Alexander Nübel hatte das Nachsehen.
Immerhin blieb es bei der einzigen Niederlage im Viertelfinale des so mitreißenden Heimturniers gegen Spanien (1:2 n.V.).
Drei Dinge, die uns in Budapest auffielen.
1.) Große Rotation = Große Langeweile
Eine Mannschaft, die so noch nie zusammengespielt hat, hatte Nagelsmann von Beginn an gebracht. Nun ja, dass dem so war, wurde schnell überdeutlich. Was gegen Bosnien noch Hunger auf mehr machte, war in Ungarn fußballerische Schmalkost.
Die Abläufe stimmten nicht, die Abstände auch nicht. Ins Gegenpressing, das gegen Bosnien so beeindruckend war, kamen die Deutschen gar nicht erst. Unnötige Ballverluste ohne Druck wechselten sich mit individuellen Fehlern ab, vorne fehlte Tiefe und Tempo, insgesamt war ohne Musiala und Wirtz zu wenig Wirbel in der Offensive.
Wie sehr die beiden Ausnahmekicker fehlten und gleichzeitig das deutsche Spiel bereits prägen, war eine wichtige Erkenntnis. Warum nicht zumindest der formstarke Tim Kleindienst in der Startelf stand, blieb dagegen ein Rätsel.
Weder Nmecha noch Nico Schlotterbeck oder Julian Brandt gelang es, entscheidende Akzente zu setzen. Auch von Leroy Sané und Serge Gnabry ging zu wenig aus. "Die Ungarn haben es uns schwer gemacht, sie waren aggressiv in den Zweikämpfen, vielleicht sogar etwas zu drüber", sagte Robert Andrich.
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Nagelsmann: "Gebe nicht mehr zu allem meinen Senf dazu"
Quelle: Perform
Es haperte und stockte an allen Ecken und Enden, das Gesicht von Nagelsmann war von Sorgenfalten geprägt, während sich einige Fans wohl an Auftritte unter Joachim Löw erinnert gefühlt haben. In dessen finaler Phase als Bundestrainer, wohlgemerkt.
Dass es durch die starke Rotation kein Feuerwerk geben konnte, war klar und wurde in Kauf genommen, aber dass der zuletzt herrschende Flow damit derart ins Stocken gerät, wollte Nagelsmann sicher nicht. Auch deshalb brachte er nach 60 Minuten mit "Wusiala" und Havertz frischen Wind.
Den brachten sie dann auch - und damit dann auch den entscheidenden Offensiv-Impuls. Und so wurde es für Abstauber-Torschütze Nmecha und Assistgeber Schlotterbeck doch noch ein angenehmer Abend.
"Ich freue mich, dass ich mein erstes Tor gemacht habe. Davon habe ich geträumt", schwärmte Nmecha im "ZDF". Der 1:1-Ausgleich in letzter Sekunde durch den verwandelten Handelfmeter von Szoboszlai war letztlich aber doch leistungsgerecht. "Ich will gar nicht so viel über das Spiel reden. Insgesamt muss man das große Ganze sehen. Es ist ein guter Weg", konstatierte Nagelsmann.
2.) Nübel einziger Lichtblick
Die Länderspiele für Oliver Baumann und Nübel waren auch eine Gelegenheit, sich für weitere Einsätze zu empfehlen.
Fazit: Beide erledigten ihren Job solide. Nübel war in der "B-Elf" am Dienstag sogar der einzige richtige Lichtblick, als er in der ersten Halbzeit Chancen von András Schäfer (24.) und Zsolt Nagy (39.) und in der zweiten Halbzeit gegen Barnabás Varga (67.) gekonnt entschärfte. Stark!
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Nations League: Alexander Nübel hält stark - Ungarn vs. Deutschland
Fotocredit: Getty Images
"Er hat der Mannschaft geholfen", urteilte "ZDF"-Experte Per Mertesacker. Mit dem Ball wirkte Nübel zuweilen etwas überhastet/unsicher. Ausbaufähig! Auf der Torhüterposition drückt der Schuh in Abwesenheit des verletzten Stammkeepers Marc-André ter Stegen (Riss der Patellasehne) aber grundsätzlich nicht, das beruhigt dann doch etwas.
Im direkten Duell dürfte Baumann die Nase leicht vorne haben, der Hoffenheimer bekommt in dieser Saison ordentlich was auf den Kasten und ist voll im Rhythmus. Das strahlt er mit jeder Pore aus. Seine Bilanz von zwei Spielen ohne Gegentor dürfte ihm zusätzliches Selbstvertrauen geben.
"Ich habe eine Tendenz. Wir bewerten die beiden Spiele jetzt natürlich, am meisten wiegen aber die Leistungen in den Bundesliga-Spielen", kündigte Nagelsmann an.
3.) Die deutsche Fan-Seele bleibt sensibel
Das Länderspiel-Jahr ist beendet. Und letztlich bleibt ein positives Grundgefühl. Mit Blick auf die Entwicklung unter Nagelsmann war es ein sehr erfolgreiches Jahr für die DFB-Auswahl. Es gibt eine funktionierende A-Elf, die Teamgeist lebt und eine attraktive Spielidee verinnerlicht hat.
Musiala und Wirtz werden mit jedem Monat wichtiger und zum sympathischen Gesicht der Nationalmannschaft. In der Defensive gibt es eine klare Hierarchie, jeder kennt seine Rolle. Wer sie nicht akzeptieren möchte, wird nicht eingeladen.
Kommunikativ wirkt die neue Klarheit erfrischend. "Ich bin unglaublich zufrieden. So ein extremes Wir-Gefühl habe ich noch nirgendwo gefühlt. Das ist einmalig", stellte Nagelsmann nochmal extra heraus. Die Fans identifizieren sich mit der deutschen Fußball-Elite, die diesem Begriff auch endlich gerecht wird. Den Adler auf der Brust zu tragen, ist wieder eine Ehre und die Weltspitze ganz offensichtlich nicht mehr so endlos weit weg, wie sie es noch vor einem Jahr war.
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Deutschland ging in Ungarn zwischenzeitlich in Führung
Fotocredit: Getty Images
Das Duell mit Spanien, das Aus im Viertelfinale der Heim-EM, hat zwar gezeigt, dass hart weitergearbeitet werden muss, um die Lücke zu schließen. Dennoch war Deutschland in der Lage, dem großen Favoriten als einziges Team richtig Paroli zu bieten.
Das 7:0 gegen Bosnien war Spaß pur, der Gruppensieg in der Nations League ein wichtiges Ausrufezeichen. "Das Remis hat das Ende des Jahres etwas getrübt, aber wir können mit dem Jahr 2024 sehr zufrieden sein und wollen daran anknüpfen", blickte Andrich voraus.
Trotzdem bleibt die deutsche Fan-Seele sensibel. Klar, sportlich war die Partie gegen Ungarn von geringem Wert. Doch die eher dürftige Vorstellung der nicht harmonierenden "B-Elf" entfachte die Euphorie auch nicht weiter.
Die Begeisterung auf hohem Level zu halten ist eine Herausforderung und daran zu arbeiten, ist der nächste Schritt für Nagelsmann in der Arbeit mit dem Team. Nicht nur die ersten 15 Spieler, sondern auch die zweiten 15 sollten in der Lage sein, seine Philosophie energetisch auf den Platz zu bringen.
Der eingeschlagene Weg ist aber der richtige, dieser Winter wird ruhig für den DFB, das Länderspieljahr 2025, das mit dem Viertelfinale der Nations League am 20./23. März beginnt (Auslosung am Freitag), kann kommen!
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Nagelsmann zieht Bilanz: "Glaube, dass da viel entstehen kann"
Quelle: Perform
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