EM: Englands Elfmeterschützen Saka, Sancho und Rashford nach Finale gegen Italien rassistisch beleidigt

Englands Elfmeter-Fehlschützen Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka sind in den sozialen Medien nach dem verlorenen EM-Finale gegen Italien von einer Minderheit kleingeistiger Fußballfans rassistisch beleidigt worden. So fanden sich etwa unter dem jüngsten Instagrampost des 19-jährigen Saka umgehend Dutzende Kommentare, deren Inhalt übelste Beleidigungen und Verwünschungen waren.

Buyako Saka wird getröstet

Fotocredit: Getty Images

Die Metropolitan Police nahm Ermittlungen auf und kündigte an, die Beleidigungen würden "nicht toleriert" werden. Der englische Verband FA zeigte sich "angewidert" vom Rassismus im Netz und betonte, diese Art Fans seien "nicht willkommen". Zudem wurde die Regierung aufgefordert, endlich die nötigen Gesetze zu verabschieden, um mit Beleidigungen im Netz Schluss machen zu können.
Sehr deutlich in der Überzahl waren allerdings aufbauende Kurznachrichten an den jungen Flügelstürmer, der ein gutes Turnier gespielt hatte. "Kopf hoch, Kumpel, du bist so jung, niemand macht dir einen Vorwurf. Du bist ein Riesentalent", schrieb ein User und setzte ein Herz dahinter.
Neben Saka hatten auch Marcus Rashford und Jadon Sancho verschossen, der von Borussia Dortmund zu Manchester United wechselt.
Beide hatte Teammanager Gareth Southgate in der 120. Minute als vermeintlich sichere Schützen eigens eingewechselt.

Premierminister Johnson verurteilt Beleidigungen

Englands Premierminister Boris Johnson hat die rassistischen Beleidigungen gegen die Elfmeter-Fehlschützen Sancho, Rashford und Saka scharf verurteilt. "Diese englische Mannschaft verdient es, als Helden gewürdigt und nicht, in den sozialen Medien rassistisch beleidigt zu werden", schrieb Johnson bei Twitter:
"Diejenigen, die für diese entsetzlichen Beleidigungen verantwortlich sind, sollten sich schämen." Die UEFA forderte ebenso wie der englische Verband FA die "schärfsten möglichen Strafen".

Das Königshaus steht Englands Elfer-Pechvögeln bei

Unterstützung erhielten sie nach der dramatischen Finalniederlage gegen Italien aus höchsten Kreisen. "Ich bin angewidert von den rassistischen Beschimpfungen, die nach dem Spiel gegen die englischen Spieler gerichtet wurden", twitterte Prinz William.
Das Verhalten einiger Fans, schrieb der 39-Jährige weiter, sei "völlig inakzeptabel" und müsse "jetzt aufhören".
Der Zwischenfall zeigt einmal mehr gnadenlos auf, dass der Kampf gegen Rassismus im Fußball noch lange nicht gewonnen ist - und speziell das Fußball-Mutterland große Probleme in dieser Hinsicht hat.
Die Engländer selbst taten sich bei dieser EM wieder als Vorkämpfer hervor, vor jeder Partie setzten sie mit dem "Kniefall" ein Zeichen gegen Diskriminierung sowie Rassismus und für mehr Toleranz. Dabei gab es gerade zu Turnierbeginn vereinzelte Buh-Rufe, erst im späteren Verlauf erhielten sie dafür donnernden Applaus.
Als dann drei junge Spieler im wohl schwersten Moment Verantwortung übernahmen, traten aber eben doch wieder einige Unverbesserliche in den sozialen Medien hervor.
"Dass einige von ihnen beschimpft wurden, ist unverzeihlich. Einiges davon ist aus dem Ausland gekommen, das hat man uns gesagt, aber einiges ist aus diesem Land gekommen", monierte Southgate. Auch der Coach selbst musste teils herbe Kritik für seine Auswahl der Elfmeterschützen einstecken.

Einwechselspieler müssen schießen

Die extra für den Showdown eingewechselten Sancho und Rashford, der schon nach dem Europa-League-Finale im Mai rassistisch beleidigt wurde, vergaben. Statt den erfahrenen Raheem Sterling oder Jack Grealish trat der 19-jährige Saka zum entscheidenden fünften Versuch an und scheiterte. "Saka ist ein Teenager, der noch nie einen Elfmeter geschossen hatte - warum also wurde er jetzt dazu aufgefordert?", kritisierte der "Telegraph".
Die Metropolitan Police nahm wegen der rassistischen Beleidigungen bereits Ermittlungen auf, bereits Anfang Mai hatte die Premier League wegen derartiger Vorfälle einen viertägigen Social-Media-Boykott initiiert.
"Social-Media-Unternehmen müssen aufstehen und Verantwortung übernehmen und Maßnahmen ergreifen", forderte der englische Verband FA nun: "Wir könnten nicht deutlicher sein, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, in der Anhängerschaft der Mannschaft nicht willkommen ist."
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(SID)
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Quelle: Perform

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