Coronavirus | Joachim Löw und der DFB geben gutes Bild in der Krise ab

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch nahmen Joachim Löw, Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Fritz Keller zum ersten Mal nach Bekanntgabe der Verschiebung der EM Stellung. Bundestrainer Löw wirkte nachdenklich und gefasst und hatte bei seinen Aussagen weit mehr als nur das bloße Fußballgeschäft im Sinn. Ein starker Auftritt, der klar macht: Der DFB hat seine Vorbildfunktion begriffen.

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Natürlich waren alle beim DFB bestens vorbereitet auf den anstehenden Sommer mit der so wichtigen Europameisterschaft. Es sollte "ein tolles Fest werden", verriet Bundestrainer Joachim Löw auf einer Pressekonferenz, die in Zeiten des Coronavirus fast schon routiniert per Videoschalte abgehalten wurde.
Doch Normalität ist in dieser so unsicheren Zeit für die Gesellschaft und damit auch den Sport noch längst nicht eingekehrt. Wie auch? Der Bundestrainer wirkte schwer angefasst und wandte sich mit emotionalen Worten in seinem Anfangsstatement an seine Mitbürger:
Worte, die an solche eines Staatsoberhauptes erinnerten, jedoch von einem einfachen Fußballtrainer stammten, der die Verschiebung der EM ins Jahr 2021, die Absage der März-Länderspiele, sowie den europaweiten Spielstopp angesichts der aktuellen weltweiten Krisenlage komplett in den Hintergrund stellten.

Löw setzt ein starkes Zeichen

Stattdessen sah Löw das große Ganze und kritisierte offen wie nie die Mechanismen unserer Gesellschaft, die in den vergangenen Jahren von "Machtgier, Profit und Rekorden" geprägt gewesen sei:
Verheerende Brände in Australien oder Ebola in Afrika "haben uns nur am Rande berührt. Jetzt haben wir etwas, was die ganze Menschheit betrifft, und wir merken, was wirklich zählt: Freunde, Familie und Respekt füreinander."
Nicht jeder Fußballfunktionär oder Protagonist fand in diesen Tagen die richtigen Formulierungen. Löw tat es und setzte damit ein starkes Zeichen: Der DFB hat seine Vorbildfunktion begriffen. Endlich.

Löw und DFB geben gutes Bild in der Krise ab

In den vergangenen Jahren war es neben dem alles überlagernden Skandal rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 vor allem das Krisenmanagement, bei dem der DFB, besonders bei sportübergreifenden Themen, ein schlechtes Bild abgab und sich somit sein Image ramponierte.
An dieser Stelle sei auch an die Rassismusaffäre rund um den langjährigen Nationalspieler Mesut Özil oder die fragwürdige Vermarktung des deutschen Nationalteams als "Die Mannschaft", verbunden mit einer horrenden Anhebung der Ticketpreise erinnert. Der DFB mutete bisweilen abgehoben, fast weltfremd an.
Am Mittwoch jedoch war zumindest bei Löw davon nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die vergangenen Tage hätten ihn "sehr nachdenklich gestimmt": Das Virus, die Pandemie "hat uns alle überfahren". Das haben sie - und deshalb kommen Löws Worte auch nichts als ehrlich daher. Der Bundestrainer versteckte sich in der Krise nicht hinter irgendwelchen Floskeln und Verklausulierungen. Er sprach sich das Angestaute von der Seele.
Löw appellierte mit bewegenden Worten an alle, zu helfen, "wo es auch immer geht". Er selbst und Bierhoff gehen mit gutem Beispiel voran und haben dem DFB laut Keller bereits einen Gehaltsverzicht angeboten, die Nationalmannschaft spendet zudem 2,5 Millionen Euro für den guten Zweck.

Löw will Kontakt zu Spielern suchen

Den Kontakt zu seinen Spielern will Löw in den nächsten Tagen intensivieren. Die ausgefallenen Länderspiele in Madrid gegen Spanien und Nürnberg gegen Italien sollen nach aktuellem Stand im Juni nachgeholt werden, ein Publikumsausschluss sei dabei "eine Möglichkeit", meinte Keller, der ähnlich angeschlagen wirkte wie seine Mitstreiter Löw und Bierhoff. Löw fand bei aller Betroffenheit zumindest einen positiven sportlichen Aspekt. Bei der Entwicklung seiner Mannschaft habe er nun "ein bisschen mehr Zeit", dasselbe gelte für Spieler, die wie Leroy Sané oder Niklas Süle aus schweren Verletzungen kommen.
Bevor er sich aber wieder dem Fußball zuwende, werde er "selbstverständlich die Ansprache der Kanzlerin ansehen, ihr zuhören". Angela Merkel brachte es in ihrer zwölfminütigen Ansprache am Abend mit den Worten: "Es ist ernst. Nehmen sie es auch ernst" auf den Punkt.
Genauso, wie Löw es in dieser denkwürdigen Pressekonferenz tat.
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