EM: Löw vermiest sich den Abschied selbst - Drei Dinge, die bei England - Deutschland auffielen

Der Traum vom EM-Titel ist für Deutschland geplatzt. Im Achtelfinale gegen England gab es für die DFB-Elf eine enttäuschende 0:2 (0:0)-Pleite im Wembley-Stadion von London. Es war auch das letzte Spiel von Joachim Löw als Bundestrainer. Die Niederlage geht auch zu einem großen Teil auf sein Konto. Er stellte sein Team sehr vorsichtig ein und scheute das Risiko. Drei Dinge, die auffielen.

Joachim Löw

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Joachim Löw dankte um 18.51 Uhr Ortszeit ab. Drei Jahre nach dem historischen WM-Debakel war für die deutsche Nationalmannschaft durch das 0:2 (0:0) gegen England schon im EM-Achtelfinale Schluss.
Statt am 11. Juli im Fußball-Tempel Wembley durch das "goldene" Tor zu gehen, endete die Ära des "ewigen" Bundestrainers nach 15 Jahren im Amt in London mit einer herben Enttäuschung.
Raheem Sterling (75.) und Harry Kane (86.) trafen für England.
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Löw vermiest sich den Abgang selbst

Vor sieben Jahren wurde Joachim Löw in Rio Weltmeister. Am Dienstagabend schlug für ihn als Bundestrainer die letzte Stunde. Es war ein bitterer, enttäuschender Abschied, weil er ihn sich selbst vermieste. Es oblag ihm, sich diesen selbst zu gestalten - und er wählte die Sicherheitsvariante.
Manche nannten es am Dienstag auch "Angsthasenfußball". Es ist etwas paradox, denn er gab der Nationalelf in seiner langen Amtszeit so viele Offensivimpulse. Die Unsicherheiten bei der Abstimmung mit der Dreierkette waren auch gegen England nicht ausgeräumt. Die Zuordnung in der Defensive stimmte nicht, spielerisch gelang zu wenig. Möglich, dass er insgesamt zu wenig Zeit hatte, das Team vernünftig auf seine Idee vorzubereiten.
Doch letztlich war es eine reine Enttäuschung, dass so wenig Mut und Tempo zu Tage traten. "Es ist eine große Enttäuschung. Der Glaube an die Mannschaft war absolut da. Wir haben hart gearbeitet", betonte Löw in der "ARD". Die Voraussetzungen waren eigentlich bestens: Der große Bayern-Block ist eingespielt, dazu kommen mit Antonio Rüdiger, Timo Werner und Kai Havertz drei frische Champions-League-Sieger, Toni Kroos ist Weltklasse und mit Jamal Musiala befindet sich sogar ein Ausnahmetalent in den eigenen Reihen.
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Joachim Löw

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Dass damit nicht mehr als das Achtelfinale herausgesprungen ist, darf stark kritisiert werden. Flexibilität - wie sie die Franzosen gegen die Schweiz immerhin kurz gezeigt hatten - wäre wünschenswert und vielleicht auch spielentscheidend gewesen. So wurden eher die Nachteile des ausgewählten Systems sichtbar: Das Zentrum wurde zwar kontrolliert, die Engländer nach außen abgedrängt, doch vorne ging gar nichts.
Kein hohes Pressing, keine Überzahl, zu wenig Konter über den schnellen Timo Werner. Die zwei Großchancen, die es gab, wurden dann auch noch vergeben. "Die Enttäuschung ist riesengroß", seufzte Manuel Neuer. Es war ein Aus mit Ansage, weil auch dann von Löw keine frischen Ideen kamen. Seine Zeit beim DFB endet mit einer großen Enttäuschung. Das ist nicht schön. Eher traurig. Aber es ist richtig, dass mit Hansi Flick nun etwas Neues kommt.

2. Seltsame Wechsel

Der Matchplan von Löw sah es vor, möglichst lange die Null zu halten und die Engländer kommen zu lassen. Doch irgendwann wäre es auch an der Zeit gewesen, ein Statement durch mehr Offensive zu setzen. Dass Serge Gnabry in der 78. Minute beim Stand von 0:1 kommt, war okay.
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Kai Havertz (l.) hat mit Deutschland große Ziele

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Doch warum ließ er Jamal Musiala, der bekannt dafür ist, mit besonderen Bewegungen einen überraschenden Moment kreieren zu können, noch bis zur 90. Minute zappeln? Warum brachte er Leroy Sané erst in der 87. Minute und warum brachte er den eher defensiv starken Emre Can überhaupt noch?
Die Hilflosigkeit war bezeichnend für Löw an diesem Abend, der sich im Interview nur bedingt selbstkritisch zeigte. "Fehler macht doch jeder. Fehler werden immer gemacht. Ein Trainer stellt nach bestem Wissen und Gewissen auf und nach dem, was er im Training sieht", sagte er nur und trauerte den vergebenen Großchancen hinterher.
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Löw nimmt Spieler in die Pflicht: "Müssen erwachsener werden"

Quelle: Perform

Die Frage muss erlaubt sein: Wie wäre es, wenn seine Mannschaft in der Lage gewesen wäre, sich mehr Möglichkeiten herauszuspielen?

3. England war gut, aber nicht unschlagbar

Der Druck lag klar beim Gastgeber. Die englischen Fans erwarten viel von ihrer Mannschaft. Es war offensichtlich, dass die Three Lions Respekt vor Deutschland hattne und davor, Fehler zu machen. Es gab viele Sicherheitspässe, kaum Kreativität - stattdessen erledigte das Team von Trainer Gareth Southgate mit Priorität die Defensivarbeit.
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Thomas Müller und Deutschland scheitern an England

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Kalvin Phillips und Declan Rice spielten solide im zentralen, defensiven Mittelfeld - mehr nicht. Die im Vergleich zu den deutschen Stürmern körperlich überlegenen Innenverteidiger erledigten ihren Job. Das war's. Mit zunehmendem Spielverlauf und der wachsenden Erkenntnis, dass von Deutschland nicht viel mehr kam, stieg aber auch das Selbstvertrauen an. Hinzu kam Glück und ein einmal mehr gut aufgelegter Torwart Jordan Pickford.
Mit der Hereinnahme von Jack Grealish gelang Southgate in einem ausgeglichenen Spiel dann der entscheidende Coup. Er brachte frischen Wind rein, leitete das 1:0 mit ein und bereitete das 2:0 vor. "Die Engländer waren geiler", analysierte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger. Geiler vielleicht, besser definitiv nicht. Und sicher auch schlagbar. In einem Spiel, das durch Details entschieden wurde, haben die Engländer einfach mehr aus den sich bietenden Aktionen gemacht.
"Es war jede Menge Druck da. Das Konzept, Deutschland unter Druck zu setzen, ist gut aufgegangen. Wir haben zudem gut umgeschaltet", bilanzierte Harry Kane.
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Letzte Amtshandlung? Löw spült EM-Frust mit Cola weg

Quelle: Perform

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