EM: Italien begeistert bei der EURO und ist vor dem Halbfinal-Duell mit Spanien Topfavorit auf den Titel
Die italienische Nationalmannschaft hat sich im bisherigen Turnierverlauf zum absoluten Topfavoriten auf den EM-Titel aufgeschwungen. Dabei begeisterte die Squadra Azzurra nicht nur aufgrund ihrer typischen defensiven Abgezocktheit, sondern auch durch eher unübliche Attraktivität im Offensivspiel. Die neue Handschrift eines alten Maestros: Roberto Mancini.
Leonardo Bonucci - Italien
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Am 11. Juni eröffnete Italien die Europameisterschaft 2021 gegen die Türkei und setzte gleich ein erstes Ausrufezeichen. Durchaus überzeugend gewann man zuhause in Rom mit 3:0.
Gut einen Monat später sieht es ganz danach aus, als würde die Squadra Azzurra auch Teilnehmer des letzten Spiels dieses paneuropäischen Turniers sein. Dann allerdings in der englischen statt der italienischen Hauptstadt.
Italien, da sind die Experten einig, ist durch die bisher gezeigten Leistungen im Turnierverlauf der Topfavorit auf den Titel. Weder Gareth Southgates Engländer, noch Luis Enriques Spanier noch Kasper Hjulmands Dänen spielen derzeit auf dem Level, wie es der Titelträger von 1968 tut.
Die Gründe dafür sind vielschichtig, hauptverantwortlich darf sich jedoch Trainer Roberto Mancini fühlen, der den in den vergangenen Jahren immer tiefer eingeschlafenen Fußballriesen (viermaliger Weltmeister) zu neuem Leben erweckte - und ihm eine beängstigende Dominanz verlieh.
Mancini hat das italienische Spiel weiterentwickelt
Mancini übernahm im Mai 2018 von Interimstrainer Luigi Di Bagio, der den Platzhalter mimte, nachdem Gian Pedro Ventura als Verantwortlicher für das Verpassen der WM 2018 das Feld räumen musste. Der Start verlief mit einem 1:1 gegen Polen und einer Niederlage in Portugal eher bescheiden. Allerdings sollte die 0:1-Pleite vom 10. September 2018 in Lissabon die bisher einzige in der Amtszeit des 56-Jährigen bleiben.
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Holpriger Start: Mancini begann seine Amtszeit mit einem Unentschieden und einer Niederlage 2018
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Seit sage und schreibe 32 Spielen ist Italien ungeschlagen - die verbandsinterne Bestmarke, die die Südeuropäer zwischen 1935 und 1939 unter dem damaligen Nationalcoach Vittorio Pozzo aufstellten, damit längst geknackt.
Mancini hat Italien wieder groß gemacht, den traditionell eher defensiv geprägten Fußball weiterentwickelt und ihm eine attraktive, offensive Komponente hinzugefügt.
"Mancini hat erkannt, dass eine offensive Spielphilosophie der beste Weg ist, im modernen Fußball erfolgreich zu sein", beschreibt Carlofilippo Vardelli, Fußballexperte von Eurosport Italien in Rom die Gründe für den Höhenflug. Mancini habe den "Stolz einer ganzen Nation" zurückgebracht, nachdem die Italiener in den Playoffs gegen Schweden (0:1, 0:0) gescheitert waren und die WM 2018 in Russland verpassten. "Italien wollte reagieren und Mancini und seine Jungs tun das jetzt", so Vardelli weiter.
Dabei war die Skepsis in Italien zu Beginn groß. "Als er Nationaltrainer wurde, hatten die Italiener viele Zweifel", erläutert Vardelli und führt aus: "Mancini war bekannt dafür, Präsidenten davon überzeugen zu können, großartige Spieler zu kaufen. In der italienischen Nationalmannschaft gab es jedoch keinen Transfermarkt - und auch noch weniger großartige Spieler."
Mancini straft seine Kritiker lügen
Doch Mancini bewies seinen Kritikern, die mit jedem guten Ergebnis der Squadra Azzurra mehr verstummen, das Gegenteil. Die Coolness, mit der seine Mannschaft nicht nur gegen Belgien, die Nummer eins der FIFA-Weltrangliste, agierte, beeindruckte. Italien hält das Niveau seit Monaten hoch - und das ganz ohne die großen Weltstars in der Mannschaft.
"Klar haben wir gezweifelt. Wir haben zuletzt nur wenig Wettkampfpraxis sammeln können. In gewisser Weise haben wir nach der Vorrunde am Gate gewartet", beschreibt Vardelli die mediale Stimmungslage vor Turnierbeginn. "Nach den Siegen gegen Österreich und Belgien war uns aber klar, dass Mancini eine echte Mannschaft geformt hat. Er hat es geschafft, in die Köpfe der Spieler einzudringen, sie roboterhaft und aggressiv zu machen."
Spanien und auch England mögen von der Qualität der Einzelspieler her vor Mancinis Kollektiv stehen, als Mannschaft funktionieren sie aber nicht so reibungslos wie Italien. In ganz Europa hat man die Evolution der Squadra Azzurra zurück zum Fußballmonster staunend zur Kenntnis genommen, einzig in Italien selber will die ganz große Euphorie noch nicht ausbrechen.
"Der Titel ist sehr schwer zu erreichen", sagt Vardelli. "Wenn man bedenkt, wo wir vor vier Jahren standen, wäre dieses Halbfinale schon ein Erfolg." Wie auch immer es kommt, eines haben Mancinis Maschinen schon jetzt erreicht, wie Vardelli abschließend erzählt: "Sie haben eine ganze Nation neu für die Squadra Azzurra entfacht. Seit gut einem Monat sind wir alle hin und weg. Wenn die Nationalmannschaft so spielt, lebt das Land."
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