Die torhungrigen Spanier, die in den letzten beiden Spielen gegen die Slowakei (5:0) und Kroatien (5:3 n.V.) insgesamt zehn Tore erzielen konnten, machten gegen die Schweiz schnell da weiter, wo sie am Montag aufgehört hatten.
Bereits nach acht Minuten fälschte Denis Zakaria – der den gelbgesperrten Granit Xhaka vertrat – einen Volleyschuss von Jordi Alba unhaltbar für seinen Vereinskollegen Yann Sommer ins Tor der Eidgenossen ab. Der Treffer wurde später zum Eigentor von Zakaria erklärt (8.).
Den Schweizern, die gegen die Franzosen furios nach 1:3-Rückstand zurückkamen, gelang lange nichts. Die Furia Roja zog das übliche Passspiel auf und konnte zwischenzeitlich Ballbesitzanteile um die 80 Prozent verbuchen. Hinzu kam, dass Breel Embolo in der 25. Minute durch den Augsburger Ruben Vargas ersetzt werden musste, da sich der Gladbacher bei einem Zweikampf an der Grundlinie eine Oberschenkelverletzung zugezogen hatte.
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Spielerische Highlights waren im ersten Durchgang rar gesät. Mehr als ein Freistoß von Koke - der aus 18 Metern knapp über die Latte flog (17.) - und zwei ungenaue Kopfbälle von Manuel Akanji (34.) und Silvan Widmer (39.) gab es nicht zu verzeichnen. Aufgrund der größeren Spielanteile ging die spanische Halbzeitführung aber in Ordnung.
Nach dem Seitenwechsel wurde die Begegnung etwas offener, ein Offensiv-Feuerwerk war es jedoch noch lange nicht. Gute zehn Minuten nach Wiederanpfiff hatte Pechvogel Zakaria den Ausgleich auf der Stirn, doch sein Kopfball nach einer Ecke ging hauchdünn am linken Pfosten vorbei (56.). Die Schweiz tat nun mehr für die Offensive – ganz im Gegensatz zum Team von Luis Enrique, das wie in Durchgang eins kaum eigene Abschlüsse kreieren konnte. So kam es, wie es kommen musste: Nachdem Steven Zuber aus spitzem Winkel noch an Unai Simon gescheitert war (64.), profitierte Xherdan Shaqiri von einem Abwehrfehler der Spanier.
Innenverteidiger Pau Torres und Aymeric Laporte gingen gemeinsam zum Ball, um einen Pass in die Spitze zu entschärfen. Das Spielgerät sprang jedoch in Flipper-Manier zu anlaufenden Remo Freuler, der schnell querspielte zu Shaqiri. Der Ersatz-Kapitän hatte leichtes Spiel und schob flach zum Ausgleich ein (68.).
Gerade als es schien, dass die Eidgenossen das Spiel drehen könnten, gab es den nächsten Dämpfer für die Nati: Nach einem Foul von Freuler am eingewechselten Gerard Moreno zückte der englische Unparteiische Michael Oliver die Rote Karte. Eine zwar sehr harte aber doch vertretbare Entscheidung. Der Schweizer hatte den Spanier mit Tempo und offener Sohle abgegrätscht, die Beine dabei jedoch leicht angewinkelt (77.).
Die Überzahl konnte der Favorit jedoch nicht zu seinen Gunsten nutzen, so ging es für beide Teams abermals in die Verlängerung.
In der Verlängerung ging den Schweizern dann aber die Luft aus, es spielte nur Spanien. Chancen gab es im Minutentakt. Allein in den ersten 15 Minuten vergaben Moreno (93.), Jordi Alba (95.), Dani Olmo (96.) und Mikel Oryazabal (101./103.) beste Gelegenheiten.
Auch nach dem abermaligen Seitenwechsel schaffte es die Furia Roja trotz Chancen durch Olmo (111. / 112.), Gerard (118.) und Rodri (120.+1) nicht, den entscheidenden Treffer zu markieren. Somit retteten sich die Schweizer – wie schon in der Runde zuvor - ins Elfmeterschießen.
Dort versagten den Akteuren der Nati dann aber doch die Nerven: Sowohl Fabian Schär als auch Akanji scheiterten an Unai Simon, Vargas setzte seinen Versuch über die Latte. Trotz zweier spanischer Fehlschüsse (Sergio Busquets an den Pfosten, Rodri scheitert an Sommer) verwandelte Oryarzabal den letzten Strafstoß und beförderte Spanien somit ins Halbfinale.

Die Stimmen:

Yann Sommer (Schweiz): "Ich hatte einen Flashback, als wir das Tor kassiert haben, weil es das gleiche war wie das, das wir hier vor drei Jahren gegen Schweden kassiert haben. Aber ich bin so stolz auf die Mannschaft, was wir hier erreicht haben, mit dem ganzen Land hinter uns."
Xherdan Shaqiri (Schweiz): "Ich bin wirklich stolz auf die Mannschaft. Das Elfmeterschießen ist ja so ein bisschen 50:50. Ich war nervös, als ich das Elfmeterschießen gesehen habe. Ich denke, uns hat heute einfach ein bisschen Glück gefehlt."
Unai Simon (Spanien): "Es war einfach Fußball. Wir sind verdiente Sieger."
Mikel Oryazabal (Spanien): "Ich durfte einfach nicht versagen, zum Glück ist der Ball reingegangen. Unterwegs geht einem so einiges durch den Kopf aber der Strafstoß war klar drin. Ich sagte Simón, dass es sein Tag werden würde und so kam es auch. Wenn wir weiter spielen wie heute, können wir das Turnier gewinnen."

Der Tweet zum Spiel:

Gladbach-Keeper Yann Sommer zeigte abermals eine überragende Leistung und parierte allein in der 30-minütigen Verlängerung acht hochkarätige Chancen. Im Elfmeterschießen konnte der Schlussmann zudem Rodris Strafstoß entschärfen – letztendlich reichte es aber dennoch nicht zum Weiterkommen.

Das fiel auf: Spanien erst kontrolliert, später defensiv wie offensiv fahrlässig

Die Spanier traten von Beginn an als die dominante Mannschaft auf, was vor allem an einer signifikanten Mittelfeldhoheit in Verbindung mit einer Passquote von 90 Prozent lag. Koke, Pedri und Busquets machten das Spiel mit ihren Pässen auf die Außen immer wieder breit. Gefährlich wurde die Furia Roja aber nur selten.
Im zweiten Durchgang steigerte sich die Schweiz dann deutlich, dennoch begünstigte ein individueller Abwehrfehler der Spanier den Ausgleich durch Shaqiri. Freulers Platzverweis eine gute Viertelstunde verschaffte den Iberern einen entscheidenden Vorteil für die Verlängerung. Dort spielten dann zwar nur die Südeuropäer, welche sich aber deutliche Kritik an der mangelnden Chancenverwertung vorwerfen lassen müssen. Auch im Shoot-Out war das Team von Luis Enrique keineswegs sattelfest, dennoch ist das Weiterkommen verdient.

Die Statistik: 3

Drei ihrer fünf Elfmeter vergaben die Schweizer – mindestens einer zu viel für ein Elfmeterschießen in einem EM-Turnier. Logische Folge: Das Aus im Viertelfinale, dennoch dürfen die Schweizer stolz auf ein gutes Turnier sein.
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