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EM - Bundestrainer Joachim Löw heiß auf das Duell gegen England: "Dafür ist man Trainer!"
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Publiziert 28/06/2021 um 23:22 GMT+2 Uhr
Showdown im Fußball-Tempel Wembley: Mit einem Sieg im Klassiker gegen England will Joachim Löw seinem goldenen Abschied näherkommen. Doch den Bundestrainer plagen vor dem EM-Achtelfinale einige Verletzungssorgen. Der Einsatz von drei Spielern ist ungewiss. Thomas Müller wird dagegen in die Startelf zurückkehren. Der Bayern-Star hofft in London auf einen "echten Leckerbissen".
Bundestrainer Joachim Löw
Fotocredit: Getty Images
Joachim Löw ließ sich nichts anmerken. Seine Vorfreude auf den Klassiker im Wembley-Stadion verbarg der Bundestrainer ebenso cool hinter seiner schwarzen Fliegerbrille wie den Ärger über den Knatsch mit der UEFA. Vor dem Aufbruch zu seiner womöglich letzten Dienstreise tippte er auf dem Rollfeld in Nürnberg in aller Seelenruhe eine Nachricht in sein Handy und winkte den Flughafenmitarbeitern zu. Ganz als würde er sagen wollen: Entspannt euch, wir kommen wieder!
Er "verschwende nicht eine Sekunde" an den Gedanken, dass das EM-Achtelfinale gegen England vor über 40.000 erwartungsfrohen Briten sein letztes Spiel als Bundestrainer sein könnte, sagte Löw.
Stattdessen gilt seine volle Konzentration dem Kracher in London. "Deutschland gegen England bei Turnieren, da spricht man Jahre drüber. Dafür ist man Trainer. Das ist ein Spiel, das alle elektrisiert und fesselt", schwärmte Löw nach der Ankunft und meinte: "Wir sind bis in die Haarspitzen motiviert!"
Doch ab 16:33 Uhr musste er auf dem Sonderflug KLJ 2364, den die deutsche Delegation in drei Bussen erreichte, noch ein paar wichtige Gespräche führen. Er wollte "die Spieler noch einmal an ihre Stärken erinnern", meinte Löw. Ob ihm aber auch alle zur Verfügung stehen, ist plötzlich wieder offen.
Löw bangt um Gündogan, Gosens und Rüdiger
Die Schädelprellung bei Ilkay Gündogan sei "nicht ganz so ohne", sagte Löw, zudem waren Antonio Rüdiger und Publikumsliebling Robin Gosens "ein bisschen" erkältet. "Wir müssen abwarten", sagte Löw, eine endgültige Entscheidung über ihren Einsatz wolle er erst am Dienstagvormittag treffen.
Am Abend (18:00 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) sollen seine Jungs die englische Fußball-Kathedrale stürmen - doch Löw warnte noch einmal eindringlich vor den Three Lions. "England kann seit 2018 gegen jede Mannschaft gewinnen", sagte er über den WM-Vierten, "sie sind defensiv sehr stabil und haben vorne Geschwindigkeit. Sie werden alles raushauen."
Diesem Feuereifer begegnet Löw mit demonstrativer Gelassenheit. Beim Abschlusstraining, das Gündogan nur teilweise bestritt und Lukas Klostermann verpasste, beobachtete er sein Team lässig an den Pfosten gelehnt. Dass er die Einheit auf UEFA-Geheiß im Adi-Dassler-Stadion von Herzogenaurach abhalten musste, hatte ihn verstimmt.
"Grundsätzlich wäre es gut gewesen", in Wembley zu trainieren, "absolut", sagte Löw pikiert. Die UEFA habe dies aber erst und nur unter Auflagen zur Schonung des ramponierten "heiligen" Rasens erlaubt, nachdem der DFB sich beschwert hatte: "Aber da wollten wir den Plan nicht mehr über den Haufen werfen."
Neuer mit klarer Ansage: "Wir wollen noch mal in London spielen"
So oder so - bei einem Sieg in London steht einer goldenen Abschiedsmission (fast) nichts mehr im Wege. Im Viertelfinale in Rom wäre Schweden oder die Ukraine ein machbarer Gegner, im Halbfinale erneut in Wembley käme es zum Duell mit Dänemark oder Tschechien.
"Wir haben ein Etappenziel erreicht, aber das ist nicht, was wir wollen. Wir geben uns mit der Achtelfinalteilnahme nicht zufrieden", sagte Kapitän Manuel Neuer und plante schon die Rückkehr: "Wir wollen noch mal in London spielen." Am 11. Juli findet dort auch das Finale statt.
Doch zunächst muss die hohe Hürde England übersprungen werden, auch wenn das DFB-Team in Wembley seit 1975 in sieben Spielen (sechs Siege) ungeschlagen ist. "Das sind zwei große Fußball-Nationen, das wird hoffentlich ein Leckerbissen", sagte Thomas Müller.
Löw: "Jetzt entscheidet jede Kleinigkeit"
Nach überstandenen Knieproblemen wird der Antreiber für Leroy Sané wieder in die Startelf rücken. "Er ist für uns Gold wert, er hebt uns auf ein höheres Niveau", sagte Gosens. Zudem dürfte Leon Goretzka für Gündogan seine Chance von Beginn an erhalten.
Löw brütete auf dem rund zweistündigen Flug vom Albrecht Dürer Airport an den letzten Details seines England-Plans, die Lösung ist aber gar nicht so kompliziert. In den vergangenen sieben Spielen bei EM oder WM geriet die DFB-Auswahl mit 0:1 in Rückstand. Gegen die defensivstarken Gastgeber (kein Gegentor in der Vorrunde) könnte dies schon ein entscheidender Rückschlag sein. "Jetzt entscheidet jede Kleinigkeit, da müssen wir hellwach sein. Eine stabile Defensive ist jetzt elementar wichtig", sagte Neuer.
Während die durch die jüngsten Duelle traumatisierten Engländer schon Elfmeterschießen üben, ist die Stimmung in der DFB-Auswahl gelöst. Dazu trug auch Rocker Peter Maffay bei, dessen musikalischen Besuch Neuer als "gelungene Abwechslung" empfand.
Er und seine Teamkollegen werden wegen der Corona-Lage im Stadion aber nur von bis zu 2000 in England lebenden Deutschen unterstützt. "Da sind die Engländer klar im Vorteil", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der Deutschland vor 25 Jahren in Wembley per Golden Goal zum bisher letzten EM-Titel geschossen hatte.
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(SID)
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