Drei Heimspiele beim letzten Aufgalopp: Joachim Löw kann sich auf seiner Abschiedstournee nochmal auf ein besonderes Bonbon freuen. Die UEFA beendete auf ihrer Sondersitzung am Freitag die Zitterpartie und bestätigte München als EM-Spielort. Dem Exekutivkomitee um Karl-Heinz Rummenigge und Rainer Koch reichte letztlich eine Zuschauergarantie mit Hintertür.
"Die Spiele in München bedeuten ein Signal, das über den Fußball hinausgeht", sagte DFB-Präsident Fritz Keller: "Daher freuen wir uns über die Bestätigung der UEFA und auf tolle Spiele bei der UEFA EURO 2020 in München - vielleicht sogar vor Publikum, wenn es die pandemische Entwicklung zulässt."
"Deutschland ist eine Fußballnation, wir alle sind froh, weiterhin zu den Gastgebern zu gehören", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Auch für die Planungen der Nationalmannschaft sei es "natürlich ein gutes Signal". So sehr man sich die Unterstützung von Zuschauern und "diesen Rückenwind" wünsche, "so genau wissen wir, dass die Gesundheit aller im Vordergrund stehen muss", sagte Bierhoff.
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Die bayrische Landesregierung stimmte 14.500 Zuschauern bei den Spielen in der Allianz Arena zu und schickte den Deutschen Fußball-Bund mit einer Art "Zuschauergarantie light" in den Tag der Entscheidung. Denn eine Einschränkung behalten sich die Behörden weiter vor.
Eine Anpassung "würde notwendig werden, falls die öffentliche Gesundheit aufgrund einer sehr nachteiligen Entwicklung" der Pandemie gefährdet sei, hieß es in einer vom DFB veröffentlichen Mitteilung.

EURO: Geisterspiele nicht vom Tisch

Gänzlich vom Tisch sind Geisterspiele somit noch nicht, auch wenn UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bereits schwärmt. "Ich freue mich sehr, dass wir die Zuschauer bei allen Spielen zu einem Fest des Nationalmannschaftsfußballs auf dem ganzen Kontinent begrüßen können." Löws letzte EM-Mission kann jedenfalls im eigenen Land Fahrt aufnehmen.
Die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sind allesamt in München angesetzt, außerdem findet in der bayerischen Landeshauptstadt ein Viertelfinale statt.

Allianz Arena in Europa- und Deutschland-Farben

Fotocredit: Getty Images

EM-Aus für Sevilla und Dublin

München konnte die UEFA als einziger der drei verbliebenen Wackelkandidaten überzeugen. Bilbao wurde durch Sevilla ersetzt, St. Petersburg und London übernehmen zusätzlich die Spiele von Dublin. Damit steigt die erste paneuropäische EM in elf Ländern.
Der DFB war mit "großer Zuversicht" in den Tag der Entscheidung gegangen. "Wir sind überzeugt davon, dass München ein Standort der UEFA EURO 2020 bleibt. In den vergangenen Tagen haben wir viel Zuspruch aus der Politik für unsere verantwortungsvollen Planungen erhalten", sagte Generalsekretär Friedrich Curtius auf SID-Anfrage. Auch die bayrische Landesregierung habe seit der Vertagung der Entscheidung am Montag ihre Unterstützung "noch einmal klar bekräftigt".
Nur die vollständige Zuschauergarantie fehlte eben - und die hatte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin eigentlich unmissverständlich gefordert. Jeder der zwölf Ausrichter müsse garantieren, "dass Fans zu den Spiele dürften", hatte der UEFA-Chef Mitte März gesagt: "Die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist vom Tisch." Es ist ein offenes Geheimnis, dass so die Einnahmen aus dem Ticketverkauf gerettet werden sollen.

EURO in München: Drei Zuschauer-Szenarien

Doch der DFB plante in enger Abstimmung mit der bayerischen Landesregierung und der Stadt München stets mit drei Szenarien. Als "realistisches" Leitszenario sehen die EM-Macher dabei zwar das Modell mit einer Auslastung von gut 20 Prozent und rund 14.500 Zuschauern, doch als Rettungsanker für eine negative Pandemie-Entwicklung ist eben auch ein Szenario mit null bis 7000 Zuschauer eingeplant.
Sofern die bayerische Infektionsschutzverordnung es erfordere, könne dieses Worst-Case Szenario auch kurzfristig umgesetzt werden, teilte die Stadt zuletzt mit. Genau diese Denkweise war der UEFA aber eigentlich ein Dorn im Auge. Bilbao und Dublin wurde eine derartige Herangehensweise zum Verhängnis, beide wurden offenbar gegen ihren Willen verbannt.
Die UEFA habe dies "einseitig" entschieden, teilte die baskische Regionalregierung mit. Beide wollen nun wohl auf Entschädigungszahlungen drängen, München und der DFB müssen darüber nicht nachdenken. Denn ihren größten Mitgliedsverband wollte die Europäische Fußball-Union dann doch im Boot behalten - und rang sich etwas verspätet doch noch zu einer Kompromisslösung durch.
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