Ohne Kapitän Giorgio Chiellini ging Topfavorit Italien in das Achtelfinale mit Österreich. Der Routinier laboriert immer noch an einer Oberschenkelverletzung und wurde nicht rechtzeitig fit. Ansonsten hatte Italiens Mannschaft nicht viel mit jener B-Elf zu tun, die Wales im letzten Gruppenspiel mit 1:0 schlug. Ganze sieben Änderungen nahm Roberto Mancini vor. Bei Österreich setzte Trainer Franco Foda auf Startelf, die im letzten Gruppenspiel die Ukraine mit 1:0 bezwingen konnte.
Im ersten K.o.-Spiel für Team Austria bei einem großen Turnier zeigten sich Alaba und Co. sehr mutig von Beginn an. Vor allem Marcel Sabitzer machte über die linke Seite viel Betrieb. So entwickelte sich eine interessante Begegnung, in der Italien die erste große Chance hatte: Nicolo Barella scheiterte mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze an Daniel Bachmann (17.).
Im weiteren Verlauf nahm Italien das Heft immer mehr in die Hand, hatte Pech, dass Ciro Immobile nur das linke Lattenkreuz traf (32.). Österreich spielte munter mit, konnte in der Offensive jedoch kaum Akzente setzen, auch die wenigen Konter wurden nicht sauber zu Ende gespielt. Doch der Außenseiter ließ unterm Strich wenig zu und verdiente sich so einige Pluspunkte.
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Die erste Chance im zweiten Durchgang gehörte Österreich: David Alaba setzt einen Freistoß knapp über den rechten Winkel (52.). Italien tat sich in der zweiten Halbzeit sehr schwer und wirkte zunehmend genervt. Österreich spielte die Konterchancen nun besser aus und bejubelte plötzlich gar das 1:0 (65.). Doch Marko Arnautovic stand eine Fußbreite im Abseits.
Im weiteren Verlauf fand die Squadra Azzurra immer weniger Mittel, um gegen mutige Österreicher zum Abschluss zu kommen. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, Österreich suchte im weiteren Verlauf immer häufiger den Weg nach vorne. So waren Alaba und Co. der Führung in der zweiten Hälfte sogar näher als der Favorit. Die Alpenrepublik hatte sich das 0:0 nach der regulären Spielzeit mehr als verdient.
In der Verlängerung schlug Italien dann eiskalt zu: Der kurz zuvor eingewechselte Federico Chiesa nahm eine Hereingabe gekonnt an und zog unnachahmlich ab – 1:0 (95.). Der Favorit hatte danach die Ruhe weg und agierte aus einer kontrollieren Spielweise. Quasi mit dem Pausenpfiff traf Matteo Pessina zum 2:0, die Entscheidung in einem hochinteressanten und spannenden Spiel (105.).
Selbst nach dem 0:2-Rückstand hatte Österreich noch Gelegenheit auf den Anschluss. Louis Schaub (106.) und Sabitzer (111.) vergaben jedoch. Besser machte es Sasa Kalajdzic: Der Stuttgarter brachte seine Nation mit einem starken Kopfball nochmals auf 1:2 heran (114.) und sorgte für abermalige Spannung in diesem Achtelfinale.
Dieser Anschlusstreffer sollte jedoch nicht mehr reichen. Italien ließ lange auf sich warten, ehe Mancini mit Chiesa und Pessina die beiden Torschützen einwechselte und somit den Sieg herbeiführte.
Im Viertelfinale kommenden Freitag trifft Italien nun auf den Sieger der Paarung Belgien gegen Portugal. Anpfiff ist um 21:00 Uhr.

Stimmen zum Spiel

Sasa Kalajdzic (Österreich): "Ich glaube, das ist nicht nur für mich einer der grausamsten Fußballspiele meiner Karriere, sondern in der Geschichte von Österreich. Ich glaube, das ist absolut bitter und unverdient. Eigentlich hätten wir das Spiel sogar gewonnen, wenn Marko (Arnautovic, Anm. d. Red.) nicht mit dem Zeh im Abseits gestanden wäre. Das ist halt bitter und dann bekommen wir unnötig ein Tor. Dann sind wir nur noch hinterhergelaufen und die haben uns nur noch ausgekontert. Wir waren mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar besser. Es war toller Fußball über 120 Minuten und jeder einzelne Österreicher kann stolz sein auf diese Mannschaft."
Roberto Mancini (Trainer Italien): "Wir haben es nach Hause gebracht, weil wir es uns verdient haben. Wir haben das Gegentor nach einer Ecke bekommen, das muss nicht sein. Schon in der ersten Hälfte hätten wir mehr machen können. In der zweiten Hälfte haben wir physisch nachgelassen, aber wir haben es gewollt und wir haben es uns verdient."

Das fiel auf: Österreich macht seine Hausaufgaben

Hut ab, Austria! Alaba und Co. waren taktisch sehr gut auf die Italiener eingestellt. Die Österreicher zeigten sich mutig, spielten clever mit und nervten den Favoriten mit fortschreitender Spieldauer. Im zweiten Durchgang war Österreich sogar näher an der Führung. Mit diesem Auftritt im ersten K.o.-Spiel bei einem großen Turnier machte die Mannschaft von Franco Foda eine ganze Nation stolz. Defensiv bärenstark und hellwach, im Mittelfeld immer am Mann. Lediglich offensiv fehlte das nötige Glück.

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Dieser legendäre Satz von Per Mertesacker aus 2014 spricht Bände. Italien tat sich überraschend schwer gegen ein leidenschaftliches Österreich. Durchaus kann man hier Parallelen zum deutschen Achtelfinalsieg bei der WM 2014 gegen Algerien ziehen. Man kommt nicht immer reibungslos durch ein großes Turnier, Selbstläufer gibt es nicht mehr.

Die Statistik: 32:0

Wer soll diese italienische Mannschaft stoppen? Im Achtelfinale gegen Österreich hat die Squadra Azzurra mehrere Rekorde aufgestellt. Seit knapp 1.150 Minuten (ohne die Verlängerung) ist Italien nun ohne Gegentor. Damit haben Donnarumma und Co. den Rekord der Legenden um Dino Zoff aus dem Jahre 1974 eingestellt. Doch nicht nur das. Italien ist nun seit 31 Spielen ungeschlagen – ebenfalls neuer Verbandsrekord –, hat die letzten zwölf Spiele gewonnen und kommt dabei auf ein Torverhältnis von 32:0 (ohne Verlängerung).
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(SID)

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