Die Ungarn wollten als krasser Außenseiter – wie schon bei der EM 2016 als man sich 3:3 trennte - den Favoriten und amtierenden Europameister aus Portugal ärgern. Dabei halfen den "Hausherren" die knapp 67.000 Zuschauer im ausverkauften Ferenc-Puskás-Stadion zu Budapest, die von Beginn an für lautstarke Unterstützung sorgten.
Portugal ließ sich davon aber nicht beeindrucken, übernahm früh die Spielkontrolle und gab nach etwas mehr als vier Minuten den ersten Warnschuss auf das Tor von Leipzig-Keeper Péter Gulácsi ab. Der 31-Jährige konnte Diogo Jotas satten Linksschuss aus 16 Metern jedoch parieren (5.).
Portugal setzte Ungarn, das leidenschaftlich verteidigte, unter Dauerdruck. Dennoch biss sich das Team von Fernando Santos zeitweise die Zähne am Team von Marco Rossi aus. Ungarn verteidigte mit elf Mann und machte die Räume eng.
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In der 27. Spielminute holte sich Cristiano Ronaldo im Gegenpressing den Ball zurück und steckte schnell auf Bernardo Silva durch. Ungarn-Kapitän und Bundesliga-Legionär Willi Orban war zur Stelle und spitzelte das Leder in einer risikoreichen Aktion im eigenen Strafraum fair mit der Hacke weg (27.).
Die erste Torannäherung der Hausherren gab es knapp zehn Minuten vor der Pause zu sehen, als Ádám Szalai einen Freistoß von Roland Sallai per Kopf direkt in die Arme von Rui Patrício köpfte (36.). Kurz darauf wurde Innenverteidiger Rúben Dias für ein rüdes Foul an Ex-Bremer László Kleinheisler von Schiedsrichter Cüneyt Cakir verwarnt (38.).
Vor der Halbzeit nahm die Partie noch einmal Fahrt auf: Erst parierte Gulácsi glänzend einen Schuss von Bernardo Silva aus der Drehung (40.), dann vergab Ronaldo freistehend aus fünf Metern und jagte den Ball über den Querbalken (43.). Die Ungarn retteten sich mit einem blauen Auge in die Kabine.
Kurz nach dem Seitenwechsel war es Routinier Pepe, der nach einer Ecke Gulácsi auf den Prüfstand stellte. Wieder war der ungarische Schlussmann aber zur Stelle, indem er nach rechts abtauchte und den Kopfball aus der Ecke fischte (47.).
Portugal hatte zwar die besseren Chancen, doch die Ungarn arbeiteten sich nach und nach – unter Anfeuerungen von den Rängen - in die Partie. In der Offensive gelang aber weiterhin wenig. Szalai (50.) und Sallai (57.) versuchten es jeweils aus der Distanz, doch die Schüsse kamen zu zentral und waren kein Problem für Rui Patrício.
Wesentlich schwerer war dagegen der Distanzversuch von Bruno Fernandes zu halten, doch abermals machte sich Ungarns Keeper lang und verhinderte den Rückstand (68.). Dennoch reagierte Santos auf die mangelnde Durchschlagskraft der eigenen Offensive und wechselte in der 71. Minute mit Rafa Silva von Benfica Lissabon den Sieg ein. Daran änderte auch ein Abseits-Treffer von Szabolcs Schön nichts, der mit seinem vermeintlichen 1:0 in der 80. Minute das Stadion kurzzeitig explodieren ließ.
13 Minuten nach der Einwechselung landete ein abgefälschtes Zuspiel vom angesprochenen Rafa bei Raphael Guerreiro, dessen Schuss von Orban unhaltbar ins eigene Tor abgefälscht wurde (84.). Ungarn war endlich geknackt.
Dann überschlugen sich die Ereignisse. Nur kurz nach der Führung brachte Orban Top-Joker Rafa im Strafraum durch ein Ziehen am rechten Arm zu Fall. Cakir zeigte auf den Punkt, Ronaldo trat an und nagelte den Ball in die rechte Ecke zum 2:0 für den Favoriten (86.).
Den Schlusspunkt setzte abermals Portugals Superstar. Nach einem doppelten Doppelpass mit Rafa umkurvte CR7 Gulácsi und schob zum 3:0-Endstand ein (90.+2).

Die Stimmen zum Spiel:

Peter Gulacsi (Ungarn): "Mit etwas Glück hätten wir sogar einen Punkt holen können. Das wäre eine tolle Sache gewesen. Wir werden es am Samstag noch einmal versuchen."
Szabolcs Schön (Ungarn): "Mein Kindheitstraum, vor 65.000 Zuschauern an der EM teilnehmen zu können, wurde wahr."

Der Tweet zum Spiel:

Premiere bei der EM: Das Budapester Ferenc-Puskás-Stadion war ausverkauft! Knapp 67.000 Fans sorgten für die wohl atemberaubendste Fußball-Atmosphäre seit Beginn der Pandemie. Sowohl im Stadion, als auch auf dem Weg dorthin.

Das fiel auf: Rafa belebt Portugals Offensive, Ungarns Wille ist zu wenig

Ungarn stand wie erwartet dauerhaft in der eigenen Hälfte, verteidigte im Kollektiv und machte gut die Räume eng. Portugal ließ den Ball laufen und eroberte diesen bei Ballverlusten stets durch schnelles Gegenpressing zurück.
Auch die Offensiv-Abteilung des Außenseiters konnte nicht für Entlastung sorgen und wirkte einfallslos. Weder der Mainzer Szalai noch der Freiburger Sallai konnten die wenigen Bälle nach vorne fest machen. Zudem fehlte es an nachrückender Unterstützung aus dem Mittelfeld. Einzig und allein Gulácsi und der mangelnden Präzision Ronaldos war es zu verdanken, dass die deutlich überlegenen Portugiesen nicht mit einer Führung in die Halbzeit gingen.
Angesichts der großen Spielanteile waren die sich daraus ergebenden Chancen allerdings zu wenig, was auch am teilweise statischen Spiel der Portugiesen lag. Zu selten konnte der amtierende Europameister die nötige Tiefe und somit auch Variabilität erzeugen. Diese kam dann mit der Einwechselung Rafa Silvas zurück. Der Joker von Benfica Lissabon bereitete das 1:0 vor, holte den Elfmeter zum 2:0 heraus und servierte in der Nachspielzeit für Ronaldos zweiten Treffer.

Die Statistik: 3

Ein später Doppelschlag binnen drei Minuten bescherte dem Titelverteidiger, nach durchwachsener Leistung, einen erfolgreichen Start in das Turnier.
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