Bundestrainer Julian Nagelsmann verärgert nach DFB-Niederlage gegen die Türkei: Wo nur ist die Leidenschaft?

Die deutsche Nationalmannschaft verliert am Samstagabend im Berliner Olympiastadion 2:3 (1:2) gegen die Türkei. Julian Nagelsmann richtet nach der Niederlage einen Appell an die Fußball-Nation. "Wir können jetzt schwarzmalen und alles schlecht sehen, damit werden wir aber nicht weiterkommen", sagte der Bundestrainer nach der Partie. Aber auch seinen Spielern gab er eine Botschaft mit auf den Weg.

Nagelsmann: "Können jetzt anfangen, alles schwarz zu malen ..."

Quelle: SID

Julian Nagelsmann hatte seinen Spielern bereits gehörig den Kopf gewaschen, als der Bus der Nationalmannschaft am Tag nach einer alarmierenden Niederlage im Regen am Olympiastadion vorfuhr.
38 Minuten lang ließen Thomas Müller, Mats Hummels und die anderen ein paar Hundert Fans im "Fußball-Erlebnispark" warten - die Besprechung des schlimmen 2:3 (1:2) gegen eine türkische B-Elf, so war zu hören, habe deutlich länger gedauert als geplant. Nagelsmann blieb dem PR-Termin mit ein paar Spielchen und Selfies fern.
Wenigstens der verärgerte Bundestrainer hatte bei seinem Berliner Appell gegen Schwarzmalerei und für EM-Optimismus jene Leidenschaft versprüht, die er einigen seiner Profis knallhart absprach. Kritik, ja, die sah er als angemessen an - Weltuntergangsfantasien allerdings trotz eines heftigen Rückschlags nicht.
"Wir können jetzt schwarzmalen und alles schlecht sehen, damit werden wir aber nicht weiterkommen", betonte Nagelsmann, während 50.000 türkische Fans in eine feurige Nacht tanzten. Bei "Bild-TV" warnte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am grauen Morgen danach: "Wir gefallen uns oft darin, in eine toxische Situation zu kommen. Wir müssen Stärken stärken."

Erneute Probleme in der Defensive

Stärken stärken? Wirklich? Müssten nicht vielmehr seit Langem offenkundige Schwächen beseitigt werden? Zwei Themen hatte Nagelsmann ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt - Emotionalität und stabiles Verteidigen. Von beidem war vor einer durchgehend pfeifenden Auswärtskulisse nichts zu sehen.
20 Gegentore kassierte die Nationalmannschaft in den zehn Spielen des Jahres. Das letzte zu null war im März gegen Peru, das letzte in einem Turnier bei der EM 2016. Auch das Phänomen, sich dem Gegner nicht mit allerletzter Gier entgegenzuwerfen, ist alles andere als neu - Joachim Löw und Hansi Flick können ein Liedchen davon singen.
Nagelsmann nervte, dass "einige Spieler nicht die hundertprozentige Überzeugung, den Willen" hatten. Wen er ansprach, übergab er der Interpretation. Seine übertriebene Eloge auf Linksverteidiger (ja, wirklich) Kai Havertz ließ durchblicken, dass zumindest der völlig überraschend umgeschulte Offensivspieler sich ausnehmen durfte.
Eine Stunde vor Spielbeginn war eine Aufstellung gedruckt worden, aus der eigentlich beim besten Willen keine Vierer-Abwehrkette zu bilden war. Dann sprach sich die taktische Sensation herum.

Nagelsmann lobt Havertz

"Weltklasse, sensationell", nannte Nagelsmann die Leistung des zuletzt kriselnden Arsenal-Profis Havertz anschließend. Die Versetzung biete dem 24-Jährigen "eine sehr, sehr große Chance, ein prägender Spieler dieser EM zu werden". Denn auf dessen angestammter Position vorne sei gegen Jamal Musiala oder Leroy Sane wenig zu holen.
Dieses gescheiterte Experiment ist also keineswegs beerdigt: Nagelsmann zieht durch. Tatsächlich war die Niederlage auch nicht zuvorderst Havertz anzulasten, der das frühe 1:0 erzielte, aber auch den umstrittenen Handelfmeter zum 2:3 verschuldete.
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Nagelsmann lobt Havertz: "Sensationell gut"

Quelle: SID

"Ich habe nie darüber nachgedacht, warum ein Weltklassespieler nicht auch mal auf einer anderen Position spielen kann", betonte Nagelsmann. Havertz hatte keinen klassischen Linksverteidiger gegeben, sondern in einer asymmetrischen Kette einen Schienenspieler mit Vorwärtsdrang. Nagelsmann nannte ihn einen "offensiven Joker".
Das System mit dem "Wirbelsturm" funktionierte 25 Minuten lang. "Wir saßen oben und waren begeistert", berichtete Neuendorf. "Dann wurde es unerklärlich." Oder auch nicht: Die Türkei ließ sich aufpeitschen, übernahm mit Härte und Selbstvertrauen die Kontrolle. Auch, weil Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan im deutschen Mittelfeld einfach nicht zusammenpassen.

Deutschland trifft am Dienstag auf Österreich

Die große EM-Euphorie war bis in die letzte Betontreppen-Ritze zu spüren - aber auf der falschen Seite. "Wir sind ernüchtert", sagte Müller, "das Schöne ist: Es ist nicht das letzte Spiel dieser Länderspielpause. Unser Blick geht Richtung Dienstag - wir versuchen, das Ding abzuschütteln."
Gegen die starken Österreicher mit ihrem Trainer Ralf Rangnick wird es in Wien allerdings kaum einfacher werden. "Die bringen extreme Emotionalität rein", mahnte Nagelsmann. Wieder: die Leidenschaft!
"Da müssen wir auf demselben Niveau sein, jeder einzelne Spieler", forderte der Bundestrainer: "Dann wird sich die größere Qualität durchsetzen." Ansonsten werden die vier Monate bis zum nächsten Länderspiel sehr, sehr lang.
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(SID)
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DFB-Reaktionen: "Niederlagen sind immer scheiße!"

Quelle: SID

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