EM 2024 - Drei Dinge, die beim Eröffnungsspiel Deutschland gegen Schottland auffielen: Gastgeberland bebt vor Euphorie
Update 15/06/2024 um 01:48 GMT+2 Uhr
Deutschland hat mit einem furiosen Auftaktsieg bei der Heim-EM gegen Schottland gleich große Euphorie entfacht. Das DFB-Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann überzeugte auf ganzer Linie. Die deutsche Nationalmannschaft hat wieder eine spielerische Identität und bringt die individuellen Stärken zum Tragen. Routinier Toni Kroos ragt dabei noch heraus. Drei Dinge, die auffielen.
Füllkrug ordnet Auftaktsieg ein: "Die ganze Welt schaut auf einen"
Quelle: Eurosport
Der EM-Traumstart ist geglückt, die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem Rekord-Spektakel den Weg für ein neues Sommermärchen bereitet.
Völlig losgelöst durch die frühen Treffer von Florian Wirtz und Jamal Musiala besiegte die Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann ein harmloses Schottland 5:1 (3:0). Das Publikum in der Münchner Arena dankte es mit beinahe überschäumender Begeisterung.
Schon nach 20 Minuten waren alle möglichen Zweifel am schließlich höchsten Auftaktsieg der EM-Geschichte durch "Wusiala" wie weggeblasen: Wirtz (10.) und Musiala mit einem Treffer zum Genießen (18.) brachten die Mannschaft um den begnadeten Strippenzieher Toni Kroos früh in Führung.
Nach einem brutalen Foul im Strafraum an Ilkay Gündogan, für das Ryan Porteous die Rote Karte sah (44.), erhöhte Kai Havertz (45.+1). Der eingewechselte Niclas Füllkrug (68.) leitete den höchsten deutschen Sieg bei einer EM-Endrunde ein - daran änderte auch nichts mehr, dass Antonio Rüdiger ein kurioses Kopfball-Eigentor unterlief (87.). Den Schlusspunkt setzte der nachnominierte Emre Can (90.+3).
Drei Dinge, die uns auffielen.
1. EM-Explosion: Fußball-Deutschland bebt vor Euphorie
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne - die Show lieferten am Freitagabend in München in erster Linie die DFB-Torschützen Musiala, Wirtz, Havertz, Füllkrug und Can. Es war der Auftakt nach Maß, den sich alle in Fußball-Deutschland erhofft hatten.
Eigentlich war der Start ins Heim-Turnier sogar noch mehr, weil die Erwartungen weit übertroffen wurden. Die deutsche Mannschaft überzeugte nicht nur gegen Schottland, sie begeisterte, sie machte Spaß, ist sogar sympathisch. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann war auf den Punkt fokussiert, das Spiel klar, das System flüssig, so dass die individuellen Stärken optimal zum Tragen kamen.
Für jeden Zuschauer war das sofort ersichtlich - und deshalb dauerte es auch nicht lange, bis der Funke vom Feld auf die Tribünen und die Fan-Meilen übersprang. Nach drei großen Turnieren, die alles andere als erfolgreich verliefen, ist nun wieder so eine spielerische Identität greifbar: Sie ist mutig und frech, aber auch sachlich und solide. Das gefällt. "Oh, wie ist das schön!", wurde schon nach dem 2:0 in München angestimmt, die erste zarte La-Ola-Welle schwappte in Minute 34 durch.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/06/14/image-28fce803-c4c5-423e-8fee-cf5777381263.jpeg)
Die deutsche Mannschaft feiert mit den Fans den Auftaktsieg
Fotocredit: Getty Images
Kroos, "Henkelgott" von Real Madrid, wurde mit langezogenen "Toooni! Toooni"-Sprechchören gefeiert wie einst Messi bei Barcelona. "Genau diese Euphorie brauchen wir, um weit zu kommen", betonte Kapitän Ilkay Gündogan. Diese Gewissheit, dass Deutschland glänzen kann, der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft kann Wunder bewirken.
"Wir freuen uns, das ist ein überragender Auftakt zu dem, was wir am Ende haben wollen: Ein Sommermärchen", sagte Füllkrug im "ZDF". Der EM-Start hätte nicht besser laufen können. Nach Schlusspfiff schallte "Major Tom" aus den Boxen. Völlig losgelöst.
2. Taktisch einwandfrei: Der Matchplan geht auf
Okay, es bleibt das Geheimnis des schottischen Trainers Steve Clark, warum er eine Formation wählte, die Passgeber Kroos in der Schaltzentrale Raum ohne Ende gab. Klar, er weiß logischerweise auch, wie er sich freilaufen muss, um an seine Bälle zu kommen. Doch die Schotten machten es gerade ihm besonders leicht, zu verlagern und vertikal zu spielen.
Das 1:0 war ein perfekter Spielzug mit langem Pass auf Kimmich und dem Abschluss des heransprintenden Wirtz. Fein anzuschauen! Aus einer grundsoliden Abwehr heraus mit Tah und Rüdiger, über die "Kante" Andrich und Feingeist Kroos, hin zu den dynamischen Filigrantechnikern in der Offensive lieferte Deutschland taktisch geradezu eine zerstörerische Qualität, die für den weiteren Turnierverlauf viel verspricht.
Schottland wurde überrollt, war nach der Roten Karte für Porteous ohnehin nur noch auf Schadensbegrenzung aus. Nagelsmann schaffte es, die Intensität seiner Männer auf den Punkt zu bringen, im Vergleich zu den Testspielen gegen die Ukraine und Griechenland wirkte es wie eine Steigerung um 500 Prozent. Mit Ball war viel mehr Tiefe im Spiel, es gab mehr Ebenen - und das Spiel zwischen den Linien, lief sowohl bei Gündogan als auch bei Witz, Musiala und Havertz hervorragend.
"Wir hatten viel Aggressivität im Gegenpressing und waren sehr konzentriert", lobte Nagelsmann. Auch auf die Überzahl reagierte dieser mit Geschick. Schottland formierte sich im 5-3-1, Deutschland machte das Spiel über die Außenverteidiger extrem breit. Zudem kamen mit Füllkrug und Müller zwei belebende Kräfte für die Offensive. Auch wenn der Gegner sehr schwach war, taktisch war das eine Glanzleistung.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/06/15/3987935-80934408-2560-1440.jpg)
Havertz schwärmt: "Von erster Minute an Gänsehaut"
Quelle: Perform
3. Kroos macht alle(s) besser
Als sechsfacher CL-Sieger geht er mit der Attitüde eines echten Gewinners auf den Platz. Er strahlt Ruhe aus, Sicherheit und Selbstvertrauen. Er ist genau das, was Nagelsmann in ihm gesehen hat und rechtfertigte dessen Plan, das Team um ihn herum zu bauen.
Toni Kroos ist die zentrale Figur in der deutschen Nationalmannschaft und füllt diese Rolle mit 34 Jahren komplett aus. 102 Pässe spielte er insgesamt in 80 Minuten.
Seine Erfolgsquote lag bei 99 Prozent! Er lebte vor, worauf es ankommt - und seine Kollegen zogen mit. Die Passquote der kompletten Mannschaft war beachtlich, sie lag am Ende bei 94 Prozent.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/06/14/image-4a97ed73-0642-491a-aa0d-b29be0998116.jpeg)
Toni Kroos (r.) steuerte das deutsche Spiel gegen Schottland
Fotocredit: Getty Images
Kroos stach dennoch etwas heraus. Was ihn bei der Heim-EM zusätzlich beflügeln kann, ist die Tatsache, dass das Turnier in Deutschland stattfindet. International steht sein Status auf "Legende", hierzulande jagt er selbst diesem immer noch etwas hinterher.
Dass er eben noch nie der "Querpass-Toni" war, möchte er gerne mit dem EM-Titel beweisen. Die Rückendeckung der Fans ist ihm dabei sicher, sie feierten ihn bereits mit Sprechchören. Auch das gab es so noch nicht und belegt, wie wertvoll Kroos für die Mannschaft ist.
Das könnte Dich auch interessieren: Pressestimmen zum EM-Start: "Deutschland macht Europa Angst"
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/06/14/3987767-80931048-2560-1440.gif)
Fußball-Hochburg München! Fans vor EM-Auftakt in Feierlaune
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung