Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Kolumbien auffielen: DFB-Elf International nur noch zweitklassig
Publiziert 20/06/2023 um 23:50 GMT+2 Uhr
Die 0:2-Niederlage gegen Kolumbien ist der Tiefpunkt der Ära Hansi Flick. Der Bundestrainer gibt mit seinen Entscheidungen Rätsel auf und verwirrt seine Mannschaft immer mehr. Vom viel zitierten Prozess ist nichts zu sehen, das Team entwickelt sich zurück. Deutschland ist international im Moment höchstens zweitklassig, der Zustand ein Jahr vor der Heim-EM beängstigend.
Flick bringt Pleite auf den Punkt: "Ganz in die Hose gegangen"
Quelle: SID
Die deutsche Nationalmannschaft hat auch das letzte Spiel dieser Saison verloren. Gegen Kolumbien unterlag das Team von Bundestrainer Hansi Flick in Gelsenkirchen mit 0:2 (0:0).
Luiz Diaz vom FC Liverpool (54.). und Juan Cuadrado von Juventus Turin per Handelfmeter (82.) schossen den verdienten Sieg der Südamerikaner heraus.
Die DFB-Elf lieferte auch im dritten Spiel der Juni-Länderspiele eine enttäuschende, teilweise erschreckende Leistung ab und geht damit mit vielen Fragezeichen sowie Baustellen in die kommende EM-Saison. Auch der Druck auf Bundestrainer Hansi Flick wächst weiter.
Drei Dinge, die uns beim 0:2 der DFB-Elf gegen Kolumbien auffielen.
1.) International nur noch zweitklassig
Bundestrainer Hansi Flick hat sich im Rahmen der dreiteiligen Länderspiel-Testreihe zu einigen zweifelhaften Aussagen hinreißen lassen ("Kimmich-Jordan-Bryant"). Dazu gehörte auch seine Einschätzung nach dem Nations-League-Finale Spanien gegen Kroatien, dass die DFB-Elf "auf dem gleichen Niveau" spielen könne.
Die Partie gegen Kolumbien hat endgültig gezeigt, dass Deutschland aktuell nicht auf einem Level agiert mit Mannschaften wie Spanien, Frankreich oder Argentinien. Das DFB-Team bewegt sich im Dunstkreis von Mannschaften wie Kolumbien, das sich nicht mal für die WM in Katar qualifiziert hatte.
Der deutschen Nationalmannschaft fehlt es sowohl individuell als auch als Gruppe an Qualität. Es stehen zu viele Spieler im Kader und auf dem Platz, die international zumindest im Moment nur Mittelmaß darstellen (Wolf, Can, Goretzka, Sane, Henrichs usw.).
Dazu kommt, dass es in diesem Team keine funktionierenden Abläufe gibt, an denen sich neue oder formschwache Spieler festhalten könnten. Flick sorgt mit seinen ständigen Änderungen und Wechseln, wohlwollend noch Experimente genannt, für weitere Verunsicherung in seiner Mannschaft.
Von der Attitüde, diese Partie gegen Kolumbien als Pflichtspiel mit klarem Fokus und hundertprozentiger Leistungsbereitschaft anzugehen, war auf dem Rasen auch nicht viel zu sehen. Wie schon in den letzten Partien legten auch die Kolumbianer mehr Wille und Leidenschaft an den Tag. Auch der im TV-Interview danach überfordert wirkende Flick gab zu, dass es eine "andere Bereitschaft" seiner Mannschaft brauche. Die Kolumbianer seien aggressiver gewesen, hätten "ihren Körper reingestellt".
Dass es schon an diesen Grundtugenden mangelt, ist nur eine von vielen besorgniserregenden Erkenntnissen dieser Länderspielphase. "Es ist dramatisch", resümierte Leon Goretzka mit Recht.
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Bundestrainer Hansi Flick gerät immer mehr unter Druck
Fotocredit: Getty Images
2.) Prozess, Prozess - welcher Prozess?
Kein Wort hat Flick in den zurückliegenden Wochen häufiger genutzt als: Prozess. In einem solchen befinde sich seine Mannschaft noch. Bis zum Start der EM 2024 sei noch genügend Zeit. Es bleibt aber weiterhin offen, welcher Prozess das genau sein soll?
Also was will Flick von seiner Mannschaft sehen? Für welchen Fußball soll die deutsche Nationalmannschaft stehen? Welche offensiven oder defensiven Muster funktionieren unabhängig vom Personal?
Auch wenn es nach der am Ende dümpelnden Ära von Joachim Löw kaum vorstellbar erschien, die Mannschaft hat sich in den vergangenen zwei Jahren zurückentwickelt - und Flick trägt daran die Hauptschuld.
Warum Flick in diesem von ihm selbst so hoch gehängten Spiel mit seinen personellen Entscheidungen so viel Angriffsfläche geboten hat, bleibt ein Rätsel. Warum verzichtet er auf seinen eigentlichen Lieblingsschüler Joshua Kimmich? Warum spielt Emre Can nicht als defensiver Sechser, sondern als zentraler Innenverteidiger der Dreierkette? Warum Leon Goretzka und Jamal Musiala auf Doppelsechs? Warum verzichtet er erneut auf den Mittelstürmer Niclas Füllkrug?
Flick hat auf all diese Fragen keine Antworten und seine Mannschaft wirkt auf dem Platz völlig hilflos. Entlarvend, dass Flick nach Abpfiff bei "RTL" meinte: "Wir wollten was ausprobieren, das ging aber in die Hose."
Im Spiel nach vorne war meistens nur der lange Ball ein Mittel - oder eine Einzelaktion von Musiala. Und wenn sich die DFB-Elf mal flach über links nach vorne spielte, fehlte im Zentrum ein Abnehmer für die Hereingabe, über rechts ging sowieso nichts.
In der Defensive agierte das Team eine Stunde lang extrem abwartend, man ließ die Kolumbianer relativ ungestört kombinieren und kam gegen die technisch guten Südamerikaner nur schwer zu guten Balleroberungen.
Erst nach dem Rückstand kam etwas Leben in die Mannschaft, Flick beerdigte einmal mehr die Dreierkette nach gut einer Stunde und muss sich auch die Frage gefallen lassen, welche Rolle diese Formation in seinem Prozess spielen sollte.
Denn eigentlich sollten in einem Prozess verschiedene Ansätze in der Entwicklung aufeinander aufbauen. Beim DFB-Team haben Flicks Entscheidungen aber auch die letzten funktionierenden Muster zerstört.
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Auch Jamal Musiala konnte gegen Kolumbien nichts ausrichten
Fotocredit: Getty Images
3.) Ein Gündogan ersetzt keine Struktur
Es war wohl die letzte Hoffnung des Bundestrainers: Man stelle Ilkay Gündogan auf seine Lieblingsposition, die er auch bei Manchester City auf Weltklasse-Niveau ausfüllt und der Rest darum herum entsteht dann von alleine.
Aber ganz so einfach geht es dann doch nicht. Besonders nicht in der Phase, in der sich diese deutsche Nationalmannschaft gerade befindet. Da braucht es mehr als einen vor Selbstvertrauen strotzenden Triple-Sieger.
Denn auch der Kapitän ging in dieser Partie mit seiner Mannschaft unter. Gündogan muss sich nach Wochen überragender Spiele mit City völlig verloren gekommen sein, in dieser komplett verunsicherten und planlosen DFB-Elf.
In 79 Minuten Einsatzzeit kam Gündogan nur auf 40 Ballkontakte. Ein deutliches Zeichen, dass das Spiel an ihm vorbei lief. Und auch ein klarer Beweis, dass es der Mannschaft an einer funktionierenden Struktur fehlt, in der Gündogan seine Klasse einbringen kann.
Das ist die Hauptaufgabe für die kommenden Länderspiele: Flick muss der Mannschaft endlich eine klare Struktur verordnen, in der die wenigen Weltklassespieler wie Gündogan ihre Fähigkeiten optimal einbringen und andere Spieler besser machen können. Im Moment ist es anders rum: in dieser Mannschaft werden Spieler schlechter.
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Quelle: Perform
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