EM 2024 - Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Spanien im Viertelfinale auffielen: Ein übles Drama, aber keine Schande
Update 06/07/2024 um 00:21 GMT+2 Uhr
Deutschland ist im Viertelfinale der Heim-EM an Spanien mit 1:2 (1:1, 0:1) nach Verlängerung gescheitert. Die Enttäuschung ist riesengroß, aber die Leistung der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann verdient großen Respekt. Erst ein Tor in der Schlussphase der Nachspielzeit von Mikel Merino sorgte für das bittere Aus der deutschen Nationalmannschaft. Drei Dinge, die auffielen.
Nagelsmann den Tränen nahe: "Heute war es nicht verdient"
Quelle: MagentaTV
Aus, vorbei - nach großem Kampf hat das Sommermärchen der deutschen Nationalmannschaft ein dramatisches und tragisches Ende genommen.
Der dreimalige Europameister verlor gegen den ewigen Angstgegner Spanien im Viertelfinale 1:2 nach Verlängerung und spielt im letzten Kapitel seiner Heim-EM keine Rolle mehr.
Das kämpferisch überragende Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann setzte der spielerischen Extraklasse des großen Turnierfavoriten in Stuttgart viel Mut und Leidenschaft entgegen, kam kurz vor dem Abpfiff zurück - und war am Ende doch geschlagen.
Zwar bremste die DFB-Elf besonders die spanischen Ballzauberer auf den Außenpositionen gut ein, dennoch erwies sich die Passmaschine des Gegners im Mittelfeld zunächst als stärker. Dem deutschen Spiel fehlten Sicherheit und Präzision, was Dani Olmo (51.) in aufgeheizter Stimmung mit dem ersten Tor bestrafte.
Florian Wirtz (89.) aber schlug mit 77 km/h zurück, die Fans flippten aus - bis der Ex-BVB-Profi Mikel Merino sie ins Herz traf (119.). Damit spielt Spanien, wo Deutschland allzu gerne gespielt hätte: im Halbfinale am Dienstag in München gegen Frankreich.
In der Nachspielzeit der Verlängerung sah Dani Carvajal noch Gelb-Rot (120.+6).
Drei Dinge, die uns in Stuttgart auffielen.
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Kroos bedient: "Im Moment überwiegt das Aus"
Quelle: MagentaTV
1. Ein Drama, aber keine Schande
Hängende Köpfe beim deutschen Team. Vor dem Spiel wäre es keine große Überraschung gewesen, Spanien war bis dato die beste Mannschaft des Turniers. Nach der Partie war das Bild dann doch etwas irritierend.
Das Siegtor von Merino in der Nachspielzeit kam aus dem Nichts. Weil Kimmich einmal nicht aufpasste und Olmo flanken ließ. Weil Rüdiger einmal zu weit wegstand. "Wir hatten ein großes Ziel, jetzt ist der Traum einfach geplatzt. Wir haben insgesamt ein gutes Turnier gespielt, aber so war es extrem bitter", resümierte Toni Kroos, der sein letztes Spiel der Karriere absolvierte. Auch der Routinier hatte alles gegeben.
Die DFB-Elf brauchte insgesamt ein bisschen, um die Regie zu übernehmen, aber hatte die Partie nach 60 Minuten voll im Griff und war danach die klar bessere Mannschaft. Mit den Fans in Stuttgart wurde eine Einheit gebildet, die Spanien regelrecht erdrückte. Dieses Selbstbewusstsein wuchs im Spielverlauf.
Nagelsmann hatte sich überraschend für Emre Can und Leroy Sané in der Startelf entschieden. Da das jedoch nicht funktionierte, wechselte er zur zweiten Hälfte erst Wirtz und Andrich, dann Füllkrug ein. Somit entstand die deutsche Mannschaft, die die neue spielerische Identität am stärksten verkörperte: Mutig nach vorne spielend, den Gegner nie zur Ruhe kommen lassend.
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Die deutsche Nationalmannschaft
Fotocredit: Imago
Es war die deutsche Mannschaft, die ihren Ruf als eines der besten Teams der Welt wieder hergestellt hat. Sympathisch war auch, dass niemand lautstark protestierte und einen Elfmeter forderte, als Cucurella den Schuss von Wirtz mit der Hand stoppte. Message: Wir brauchen diesen Elfmeter nicht!
Eine strittige und eigentlich nicht nachzuvollziehende Entscheidung des Schiedsrichters Anthony Taylor war es ohnehin. "Wir haben die Herzen wieder gewonnen", stellte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger fest und lieferte damit die wichtigste Erkenntnis des Turniers aus deutscher Sicht.
"Es ist traurig, dass es vorbei ist. Wir haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl in ganz Deutschland gespürt, das war schon lange nicht mehr so", erkannte Niclas Füllkrug.
Es können künftig natürlich noch Dinge verbessert werden, die Präzision im letzten Drittel ist ausbaufähig. Aber die Stimmung hat sich ins Positive gedreht, die Vorfreude auf die WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko wird kommen. Deutschland hat wieder ein Team.
2. Die deutsche Moral war titelreif
Sie ist der Kern des Erfolgs. Wenn die Moral stimmt, geht vieles oft von selbst: Glück wird erzwungen, der Gegner schrumpft, das Tor kommt.
Wie die komplette Bank beim Ausgleich von Wirtz kurz vor Ende der regulären Spielzeit mitgejubelt hat, ist nur ein Beispiel dafür, wie im deutschen Team jeder für den anderen kämpfte. Wie haben wir das vermisst nach drei verkorksten Turnieren!
Diese Mannschaft hat sich schnell gefunden und es spricht auch für Nagelsmann, dass er bei der Auswahl sowohl auf sportliche Qualität als auch auf den Charakter geschaut hat. Wer passt zu wem? Wer akzeptiert seine Rolle, auch wenn sie nur die eines Ersatzspielers ist? Jetzt kennt jeder die Antwort.
Zudem waren Nagelsmann selbst und sein Trainerteam in der Lage, in Ansprachen Energie zu übertragen. Mit ihm in die Zukunft zu gehen, fühlt sich sehr gut an. Bei einem Turnier braucht es nicht nur die erste Elf, sondern vor allem den Push von der Bank.
Gegen Spanien wurde es ganz deutlich, wie groß der Druck mit der Hereinnahme von Witz und Füllkrug wurde. Alle Deutschen wollten fighten, beißen, zocken. In solch einem Klima blüht dann auch Musiala, der im ersten Abschnitt noch weitgehend unsichtbar war, wieder auf.
Und das ist es, worauf es bei einem Turnier ankommt: Die richtige Dynamik entwickeln, sich unterstützen, wachsen. Auch wenn der Traum geplatzt ist, die Moral der deutschen Mannschaft war definitiv titelreif.
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Julian Nagelsmann (r.) tröstet Joshua Kimmich
Fotocredit: Getty Images
3. Spanien bekommt Schuss vor den Bug
Es gab viele kritische Phasen zu überstehen für den großen Favoriten. Defizite wurden klar aufgedeckt. Die DFB-Elf drängte Spanien an den Rand einer Niederlage, weil sie sie mit eigenen Mitteln schlugen. Sie holten sich den Ball, kombinierten schnell und erspielten sich Chancen.
Die Spanier bemühten sich, sich nicht auseinanderziehen zu lassen, den Defensivblock kompakt zu halten. Doch Mitte der zweiten Halbzeit ließ die Kraft nach und die Anfälligkeit wuchs.
Dennoch ist Trainer Luis de la Fuente mit seiner Mannschaft schon einen Schritt weiter als Nagelsmann mit Deutschland. Das Team, gespickt mit jungen Ausnahmetalenten wie Yamal und Williams, lässt sich von Rückschlägen nicht umwerfen.
Es war für die Spanier der erste richtige Dämpfer im Turnier. Ein Schuss vor den Bug. Dass sie diesen verkraftet haben und am Ende ins Halbfinale eingezogen sind, wird ihr Selbstvertrauen weiter stärken. Auch solche Erlebnisse gehören auf dem Weg zum Titelgewinn dazu.
"Wir haben eine tolle Mannschaft und haben bis zum Ende gekämpft. Es ist eine Geschichte, die wir alle schreiben müssen", sagte der Leipziger Dani Olmo.
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"Wer will das bewerten?" Nagelsmann plädiert für Regeländerung
Quelle: Perform
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