Drei Dinge, die beim Sieg von Deutschland gegen die Niederlande auffielen: Es gibt wieder eine Mannschaft

Deutschland hat nach dem 2:0-Sieg gegen Frankreich auch das Testspiel gegen die Niederlande 2:1 gewonnen. Die spielerische Identität, die Bundestrainer Julian Nagelsmann in kurzer Zeit geschaffen hat, zeichnet sich klar ab. Das DFB-Team wirkt grundsätzlich gut strukturiert, motiviert und bereit für die EM 2024. Eine Baustelle gibt es trotzdem noch. Drei Dinge, die auffielen.

Nagelsmann: "Haben deutsche Tugenden verkörpert"

Quelle: Perform

Deutschland schwebt völlig losgelöst Richtung EM 2024. Die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann schürte nach dem Coup in Frankreich durch das 2:1 (1:1) im Klassiker gegen den Erzrivalen Niederlande weitere Euphorie für das Heim-Turnier.
Bei der Party in Pink im neuen Auswärtstrikot drehten Maximilian Mittelstädt mit seinem Premieren-Traumtor (11.) und "Joker" Niclas Füllkrug (85.) nach dem Rückstand durch Joey Veerman (4.) die Begegnung.
80 Tage vor dem Eröffnungsspiel gegen Schottland wächst die vor wenigen Wochen kaum für möglich gehaltene Vorfreude.
Drei Dinge, die uns in Frankfurt auffielen.

1.) Ein Klima, das Stärken stärkt

Haarsträubender Fehlpass, Gegentor, Dämpfer nach drei Minuten: Der Auftakt der Partie gegen die Niederlande drückte jedoch nicht lange auf die Stimmung, weil die Reaktion, die darauf folgte, die einzig richtige war.
Kapitän Ilkay Gündogan zögerte nicht, sondern ging nach dem Fehler von Maximilian Mittelstädt direkt auf diesen zu, munterte ihn auf. Auch von den Teamkollegen gab es aufmunternde Worte. Tenor: Kann passieren, wir machen weiter. Nur sieben Minuten später erzielte besagter Mittelstädt den Ausgleich mit einem sehenswerten Distanzschuss - sein erstes Tor mit dem Adler auf der Brust. Jubel, Major Tom, völlig losgelöst. Ausgerechnet Mittelstädt.
"Das ist genau das, was ich sehen wollte", sagte Nagelsmann bei "RTL" und ergänzte: "Er ist ein super Spieler." Er hat in seiner Laufbahn gelernt, wie schnell es nach Rückschlägen wieder nach oben gehen kann. Für diese Reaktion nun brauchte es Stärke, Selbstvertrauen und Teamgeist. Dass es diese Attribute im DFB-Team wieder gibt, ist noch relativ neu.
"Ich bin stolz auf die Mannschaft. Das zeigt, dass die Mannschaft das Selbstvertrauen mitgenommen hat", kommentierte Toni Kroos. Die Mannschaft hält zusammen, die Spieler sind bereit, sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist eine durchaus wichtige Erkenntnis in Bezug auf die nahende EM.
Nach einem Gegentor gab es eben keinen Kollaps wie zuletzt so oft. Mittelstädt und sein Treffer stehen exemplarisch für vieles, was beim DFB in die richtigen Bahnen gelenkt wurde. Es herrscht wieder ein Klima, das Stärken stärkt. Die Aussichten sind heiter.

2.) Nagelsmann hat es einfach "genailt"

Dass Deutschland exzellente Qualität und außergewöhnliche Talente hat, wusste jeder. Was dabei lange herauskam? Flick-Fußball. Nagelsmann hat nun mit einigen beherzten Handgriffen eine spielerische Identität geformt, die passt. "Es tut sehr gut. Insgesamt waren die letzten zehn Tage super. Es ist ein sehr guter Spirit, das spürt man. Wir wollten das Spiel gegen die Niederlande unbedingt gewinnen", stellte Nagelsmann fest.
Er selbst hat geliefert, beziehungsweise "genailt". Den Nagel auf den Kopf getroffen. Rückkehrer Toni Kroos ist der Taktstock, der das Tempo bestimmt. Seine Rolle ist exakt die, für die er bei Real Madrid seit Jahren gefeiert wird. Was ihm dennoch fehlt, kompensiert Robert Andrich mit seinen Fähigkeiten.
Im 4-2-3-1 zeigen sich davor Gündogan, Wirtz, Musiala und Havertz ballsicher, flexibel und kreativ. Manuel Neuer wird die Nummer eins sein, davor wissen Tah und Rüdiger, was der Trainer von ihnen hält. Kimmich weiß, dass er als Rechtsverteidiger gebraucht wird und nimmt die Rolle an.
Das Spiel ist mit Ball geprägt von minimaler Breite, Tempo in Entscheidungen, Kombinationen mit wenig Kontakten, Variantenreichtum, guten Verbindungen und guter Raumbesetzung. Gemeinhin wird das mit dem Begriff "Spielfreude" wohl am besten zusammengefasst. Oder um es um modernen Fußball-Jargon zu formulieren: "Alle zocken."
Klar, es ist nicht alles Schwarz-Rot-Gold, was glänzt. Die zweite Hälfte gegen Holland war zwischenzeitlich eher dürftig. Es gibt beim Spiel gegen den Ball und beim finalen Pass im letzten Angriffsdrittel auch noch einige Schwächen. Doch die Basis ist nach wohltuenden Siegen gegen die großen Gegner Frankreich und die Niederlande gelegt, die Bank kann zusätzlichen Druck erzeugen.
"Es war ein ganz wichtiger Schritt, eine Befreiung für alle Beteiligten. Jetzt wissen sie, was sie können", lobte TV-Experte Lothar Matthäus bei "RTL". Deutschland ist nach wie vor ein großes Stück von der Weltspitze entfernt. Aber die EM kann trotzdem kommen.
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Toni Kroos war erneut Taktgeber im deutschen Spiel

Fotocredit: Getty Images

3.) Viel Klarheit, aber ein Wackelkandidat

Vieles im Kader, in der ersten Elf, ist klar. Eine Baustelle gibt es allerdings, denn in der zweiten Hälfte wurde sichtbar, woran es im deutschen Team hapert: Bei Havertz. In seiner Rolle als Mittelstürmer gegen eine "Kante" wie van Dijk blieb er unauffällig und wirkungslos. Torgefahr ging trotz unbestrittener Finesse am Ball von ihm kaum aus. In der 73. Minute wurde er ausgewechselt.
Am Ende standen 36 Ballkontakte, eine Zweikampfquote von 44 Prozent, null Torschüsse, null Torschussvorlagen. Füllkrug und auch Undav scharren indes mit den Hufen. Chris Führich ist ebenfalls in guter Form, ein Thomas Müller geht immer, Serge Gnabry half auch schon als "falsche Neun" aus.
Füllkrug untermauerte seine Ambitionen nach seiner Einwechslung für Havertz jedenfalls sogleich mit dem 2:1-Siegtreffer. "Er hat das sehr gut gemacht", lobte Nagelsmann. Der Bundestrainer wird sich seine Gedanken darüber machen, wer am 14. Juni gegen Schottland im ersten EM-Gruppenspiel wirklich startet. Zwei Testspiele und ein Trainingslager gibt es noch. Doch nach wie vor gilt: Keine Tore, keine Party.
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Neue Torhymne? Nagelsmann: "Schreie immer so laut"

Quelle: Perform

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