EM 2024: Das ist Deutschlands Achtelfinalgegner Dänemark - Danish Dynamit nur ein Rohrkreprierer
VonThomas Gaber
Update 28/06/2024 um 22:59 GMT+2 Uhr
Ohne Sieg und mit nur zwei Toren ins Achtelfinale - die dänische Nationalmannschaft geht als Minimailistenteam der Europameisterschaft 2024 durch. Andererseits konnte bislang noch keine Nation Deutschlands Gegner am Samstag besiegen. Dänemark ist schwer zu knacken und definiert sich über eine laufintensive Spielweise. Der Europameister von 1992 ist jedoch alles andere als furchteinflößend.
Hjulmand lobt Deutschland: "Klasse Entscheidung von Nagelsmann"
Quelle: MagentaTV
Ein letzter Flankenball segelte von links in den Strafraum. Kasper Schmeichel pflückte die Kugel auf Höhe der Fünfmeterlinie runter und warf sich drauf. Ein paar Sekunden Zeitschinden durfte es schon sein, ja nichts mehr anbrennen lassen.
Wenig später pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab. Dänemark im Achtelfinale, Serbien raus. Ein maues 0:0 in München genügte den Dänen für die K.o.-Runde und ein Duell mit Gastgeber Deutschland (Sa., 21:00 Uhr im Liveticker).
Aufgrund der Gruppenkonstellation war vor dem Spiel klar, dass Dänemark sehr wahrscheinlich ein Unentschieden für den Verbleib im Turnier reichen würde. Entsprechend traten sie von Beginn an auf: Fokus auf die Defensive und Kompaktheit im Mittelfeld.
Die extrem biederen Serben hatten in 94 Minuten nicht eine echte Torchance, was viel über das Niveau der Partie aussagt. Rein spielerisch war es auch von Dänemark eine verdammt dünne Vorstellung.
Herzstück Christian Eriksen
Dabei ist im dänischen 3-4-1-2 das Mittelfeld mit Christian Eriksen, Pierre-Emil Hojbjerg und Morten Hjulmand durchaus für eine feine Klinge und Spielwitz bekannt. Eriksen ist das Herzstück der Mannschaft und wird von Trainer Kasper Hjulmand mit allen Freiheiten ausgestattet.
Während Hojbjerg und Hjulmand das Angriffspressing anschieben und Eriksen den Rücken freihalten, haben viele Offensivaktionen ihren Ursprung beim 32-Jährigen, der mit 133 Einsätzen seit dem Serbien-Spiel alleiniger Rekordnationalspieler Dänemarks ist.
Beim 1:1 gegen Slowenien gelang Eriksen ein Tor als Abschluss des wohl besten Angriffs der Dänen in diesem Turnier. Ansonsten mangelt es im Spiel nach vorne an Tempo, Kreativität - und schlicht an der Qualität.
Große Probleme im Angriffsspiel
Ein Flügelspiel findet bei Danish Dynamite so gut wie nicht statt. Joakim Maehle auf links und Pendant Alexander Bah sind eher defensiv orientiert, um aus der Dreierabwehrkette bei gegnerischen Ballbesitz einen Fünferriegel zu formen.
Die beiden Stürmer Rasmus Hojlund, für den Manchester United im Sommer 2023 amtliche 74 Millionen Euro hinblätterte, und der Wolfsburger Jonas Wind sind bislang nicht in Fahrt gekommen. Offensiv zündet Danish Dynamite so gar nicht.
Hojlund dient als bevorzugte Anspielstation aus dem Mittelfeld, hat aber Probleme, die Bälle festzumachen und reibt sich an seinen Gegenspielern auf. In drei Gruppenspielen gab er lediglich zwei Torschüsse ab.
"Rasmus arbeit viel, ist aber sehr einsam. Wir finden ihn dort, wo es gefährlich ist, einfach nicht genug. Wir müssen gegen Deutschland mehr Punch in die Offensive bekommen", forderte Coach Hjulmand.
Der Respekt des Gegners ist Dänemarks Angriffsduo dennoch sicher. "Hojlund ist unfassbar schnell, Wind ein sehr agiler Stürmer. Wir müssen auf der Hut sein", sagte Nico Schlotterbeck, der den gelbgesperrten Jonathan Tah in der deutschen Innenverteidigung ersetzen wird.
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Schlotterbeck freut sich für Sabitzer: "Überragender Mensch"
Quelle: Perform
Morten Hjulmand fehlt gelbgesperrt
Weil den Dänen die Durchschlagskraft in der Offensive fehlt, sind Fernschüsse ein zwangsläufig verwendetes Mittel. Gegen England klappte das vorzüglich, als Hjulmand den Ball aus 25 Meter Torentfernung ins aus Sicht des Schützen linke untere Eck ballerte.
Allerdings wird der 25-Jährige in Diensten von Sporting Lissabon im Achtelfinale wie Tah auf deutscher Seite wegen der zweiten Gelben Karte fehlen.
"Morten war extrem wichtig für uns. Wir müssen uns etwas ausdenken, aber wir sind sehr gut aufgestellt. Wir haben Alternativen", sagte Trainer Hjulmand. Eine davon: Brentford-Kapitän Christian Norgaard, Mathias Jensen und der Ex-Dortmunder Thomas Delaney kommen für den vakanten Posten infrage.
Es ist kaum davon auszugehen, dass die Dänen gegen den großen Favoriten Deutschland anders auftreten werden als in den drei Gruppenspielen. "Safety first" lautet die Devise. Auf seine drei Innenverteidiger Jannik Vestergaard, Andreas Christensen und Joachim Andersen konnte sich Trainer Hjulmand bislang verlassen.
Aufgrund ihrer Körpergröße (Christensen misst 1,87 Meter, Andersen 1,92 Meter und Vestergaard 1,99 Meter) sind die drei Abwehrrecken im Kopfball kaum zu überwinden, was Dänemark bei gegnerischen Standards eine gewisse Sicherheit gibt und sie bei eigenen ruhenden Bällen gefährlich macht.
Paradies für Musiala und Wirtz
Andererseits haben sie Schwierigkeiten gegen wendige, dribbelstarke Gegenspieler - ein Paradies für Jamal Musiala und Florian Wirtz.
Auf dem Papier sind die Dänen klarer Außenseiter, doch in dieser Rolle fühlen sie sich pudelwohl. "Wir freuen uns auf Deutschland. Ich war immer überzeugt davon, dass sie einer der Turnierfavoriten sind. Aber ich habe ein gutes Gefühl. Wenn wir gegen große Gegner spielen, sind wir immer da", sagte Trainer Hjulmand.
Insbesondere war das vor 32 Jahren der Fall. 1992 wurde Dänemark völlig überraschend Europameister - durch einen 2:0-Sieg im Finale gegen Deutschland.
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Quelle: MagentaTV
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