EM 2024: Drei Dinge, die beim Sieg gegen Belgien auffielen: Frankreich ist das Real Madrid der Europameisterschaft
VonThomas Gaber
Update 02/07/2024 um 08:24 GMT+2 Uhr
Frankreich ist auf dem Weg, sein viertes Finale der letzten fünf großen Turnieren zu erreichen. Dabei beschränkte sich das Starensemble der Equipe Tricolore auch beim 1:0-Sieg im EM-Achtelfinale gegen Belgien auf das Wesentliche und spielte erneut Langweiler-Fußball. Doch genau das macht die Franzosen so gefährlich. Für Belgien endet dagegen endgültig eine Ära. Drei Dinge, die auffielen.
De Bruyne blafft Reporter an: "Was ist eine goldene Generation?"
Quelle: Perform
Murmeltiertag für die französische Nationalmannschaft. Zum zweiten Mal spielte der Europameister von 1984 und 2000 bei dieser EM in Düsseldorf. Zum zweiten Mal an einem Montag. Zum zweiten Mal endete die Partie 1:0 - zum zweiten Mal durch ein Eigentor des Gegners.
Der Unglücksrabe aus Sicht der Belgier im Achtelfinale hieß Jan Vertonghen, der einen harmlosen Schuss von Randal Kolo Muani zum Sieg der Franzosen ins eigene Netz abfälschte (85.).
Auch in der vierten Begegnung erzielte Frankreich kein eigenes Tor aus dem Spiel heraus, der Traum vom dritten EM-Titel lebt dennoch weiter für Kylian Mbappé und Co.
Der Minimalistenfußball ist nicht schön, aber erfolgreich.
Drei Dinge, die auffielen.
1.) Frankreich ist das Real Madrid der EM
1:0, 0:0, 1:1, 1:0 - die Spiele der Franzosen bei diesem Turnier sind alles andere als spektakulär. Dabei könnte man von einer Mannschaft, in der Mbappé, Antoine Griezmann, Marcus Thuram, Kingsley Coman und Ousmane Dembélé kicken, durchaus feinen Offensivfußball erwarten.
Nationaltrainer Didier Deschamps verfolgt aber einen anderen Ansatz: Safety first mit Spiel- und Ballkontrolle, gepaart mit dem Urvertrauen, dass die Superstars da vorne schon irgendwann einen reinmachen.
Bislang ging der Plan auf, auch wenn Frankreich aus dem Spiel heraus immer noch kein eigenes Tor geschossen hat. Viertelfinaleinzug durch zwei Eigentore und einen Elfmeter von Mbappé - mehr Minimalismus geht kaum.
Mitunter spielen die Franzosen Schlafwagen-Fußball. "Wenig Ideen, wenig Bewegung, wenig Tempo, wenig Tiefe", sagte "ZDF"-Experte Christoph Kramer über die Angriffsbemühungen von Les Bleus.
Deschamps nimmt es gelassen. "Es war ein gutes Spiel von uns gegen einen starken Gegner. Wir waren die bessere Mannschaft, hatten mehr vom Spiel und haben verdient gewonnen", sagte der Coach, der seit 2012 im Amt ist und Frankreich bei großen Turnieren bereits dreimal ins Finale führte.
Ein viertes soll nun folgen und man muss diese Franzosen weiterhin ganz oben auf der Liste der Favoriten ansiedeln. Die Defensive erstickt gegnerische Angriffe meist im Keim und kommt doch mal einer durch, packt der überragende Linksverteidiger Theo Hernandez das lange Grätschenbein aus.
Frankreichs EM-Auftritte ähneln denen von Real Madrid in der abglaufenen Champions-League-Saison. Die Königlichen gewann auf dem Weg ins Finale nur zwei K.o.-Spiele, darunter das Last-Minute-Drama gegen den FC Bayern. Selbst im Endspiel gegen Borussia Dortmund konnte es sich Real erlauben, die komplette erste Halbzeit nur zu reagieren.
Frankreich tut wenig, um seine Fans zu begeistern. Aber genau das macht sie so gefährlich.
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Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps herzt Randal Kolo Muani nach dem Sieg gegen Belgien
Fotocredit: Getty Images
2.) Mbappé zündet (noch) gar nicht
Einer der Gründe für die Zurückhaltung der Franzosen ist die körperliche Verfassung ihres Kapitäns. Der Umgang mit seiner gebrochenen Nase macht Kylian Mbappé sichtlich zu schaffen, die Gesichtsmaske hatte er vor dem Belgien-Spiel als "Horror" bezeichnet.
Im Achtelfinale ging Mbappé zwei Kopfballduellen aus dem Weg, Zweikampfhärte vermeidet er. Einmal zündete er den Turbo, als er von links an zwei Gegenspielern vorbei nach innen zog und den Ball knapp über die Querlatte drosch.
Ansonsten ist wenig zu sehen von seiner gewohnten Explosivität. Mbappé ist selten im Strafraum präsent, hält sich stattdessen auffällig zurück.
Es kann eigentlich nur besser werden - für die Nase und damit auch für Mbappés Leistung. Bis zum Viertelfinale hat der Superstars weitere fünf Tage Zeit, sich an das lästige Ding im Gesicht zu gewöhnen.
Frankreich hat mit einem halben Mbappé das Viertelfinale erreicht. Möglich, dass dort schon der dreiviertelte Kylian zu sehen sein wird. Alles keine guten Nachrichten für die Konkurrenz.
3.) Ciao, "Goldene Generation"
Belgien, der ewige Geheimfavorit. Auch wenn Spieler wie Eden Hazard nicht mehr dabei sind, wurde den Roten Teufeln auch diesmal wieder viel zugetraut.
Doch erneut endet ein Turnier mit einer herben Enttäuschung. Die Auftaktniederlage gegen die Slowakei (0:1) warf die Belgier etwas aus der Bahn, gegen die Ukraine zitterte man sich gerade so ins Achtelfinale.
Trainer Domenico Tedesco legte sich mit den Medien an und schimpfte über die "unglaublichen Zustände" der Anreise zum Ukraine-Spiel, als der Mannschaftsbus mit ordentlich Verspätung am Stadion eintraf.
Seiner Mannschaft verpasste Tedesco gegen Frankreich ein flaches 4-4-2 mit De Bruyne auf der Sechserposition, Doku und Yannick Carrasco auf den Flügeln sowie Romelu Lukaku und Lois Opdena als Doppelspitze. Doch die Kluft zwischen dem Offensivquartett und dem Rest der Mannschaft war riesengroß. Nach 70 Minuten hieß es nach Torschüssen 2:15 aus Sicht der Belgier.
Die Ära der "Goldenen Generation" ist endgültig vorbei. Für Rekordtorschütze Lukaku (85 Treffer) und Rekordspieler Jan Vertonghen (156 Einsätze) war es wohl das letzte Turnier und auch De Bruyne kam nach dem Achtelfinal-Aus ins Grübeln. "Ich gehe jetzt in die Sommerpause, erhole mich von allem und dann werde ich eine Entscheidung treffen", sagte der 33-Jährige.
Die belgische Nationalmannschaft muss sich neu aufstellen. Die nächste Generation ist jetzt an der Reihe, mit Jeremy Doku absolvierte ein kommender Weltstar sein Turnier-Debüt.
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