Kommentar zum DFB-Versagen im Moment der Basketball-Weltmeister: Große Helden, kleine Männer
Deutschland wird sensationell Basketball-Weltmeister. In die heiße Phase des WM-Finals gegen Serbien (83:77) platzt jedoch der Deutsche Fußball-Bund mit der Entlassung von Bundestrainer Hansi Flick - schlechter kann das Timing nicht sein. Es ist ein weiterer Tiefpunkt der deutschen Fußballgeschichte. Von großen Helden und kleinen Männern - ein Kommentar von Eurosport-Redakteur Florian Bogner.
Highlights: Schröder hievt Deutschland in den Basketball-Olymp
Quelle: MagentaTV
Es war der ultimative Thriller in Manila. Die Nation fieberte mal wieder vor dem Fernseher mit, ein WM-Finale, schweißnasse Hände, Jubelschreie. Um 16:39 Uhr stand fest: Deutschland ist Weltmeister.
Angeführt vom saucoolen Bundestrainer Gordie Herbert wuchs die Basketball-Nationalmannschaft über sich hinaus. Egal ob Australien, Slowenien, Lettland, USA oder Serbien - dieses Team war unstoppable, schrieb Geschichte, machte sich unsterblich.
Dennis Schröder, Franz und Moritz Wagner, Daniel Theis, Andreas Obst, Johannes Voigtmann, Isaac Bonga, Maodo Lo, Johannes Thiemann, Niels Giffey, Justus Hollatz und David Kramer - Namen, die man auswendig lernen sollte. Neue Helden für das Land. Große Männer, nicht nur körperlich.
Ganz klein ist dagegen derzeit der DFB. Der nominell größte Fußball-Nationalverband der Welt hatte am Sonntag nichts Besseres zu tun, als in die Schlussphase des WM-Finals hinein die Entlassung des Fußball-Bundestrainers Hansi Flick zu vermelden. Der entsprechende Tweet zur Demission Flicks wurde um 16:40 Uhr veröffentlicht. Katastrophales Timing.
DFB verkommt zur Lachnummer
So richtig der Schritt war - der unsensible Zeitpunkt der Verkündung war der nächste Fehltritt eines Verbands, der mehr und mehr zur Lachnummer verkommt.
Zumindest ist die Abwärtsspirale seit 2018 beispiellos: WM-Vorrunden-Debakel in Russland, (sportlicher) Abstieg aus der Nations League, 0:6 in Spanien, blutleere EM, WM-Vorrunden-Debakel in Katar, nun das 1:4 gegen Japan - sportlich gab's seit dem Confed-Cup-Titel 2017 nichts als Schatten.
Der katastrophale EM-Test gegen Japan kam nun einem Offenbarungseid gleich. Wer zuvor die Doku über das WM-Versagen gesehen hatte, weiß ungefähr, wie es um das Innenleben der Mannschaft bestellt ist. Wer dann Antonio Rüdiger beim 1:3 seine Arbeit verweigern sah, hatte keine weiteren Fragen mehr.
Außer Altherren-Kommentaren nichts Sinnstiftendes
Die Entlassung Flicks ist entsprechend richtig und wichtig. Das Problem: Für einen Neuanfang fehlt die Zeit und vor allem auch die personelle Perspektive in der Führung.
Die DFB-Taskforce jedenfalls, das reine Männergremium bestehend aus DFB-Präsident Bernd Neuendorf, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, dem Bayern-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge, Interims-Sportdirektor Rudi Völler, Ex-Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn, Ex-DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und dem Ex-RB-Leipzig-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, bot bislang außer Altherren-Kommentaren nichts, aber auch gar nichts Sinnstiftendes an.
Für den Test gegen WM-Finalist Frankreich nominierte der Verband nun Neu-Sportdirektor Hannes Wolf, U20-Co-Trainer Sandro Wagner und den ewigen Rudi Völler als Interimslösung auf der Trainerbank. Es ist die DFB-Resterampe.
Als Fan der Nationalmannschaft kann man nur hoffen, dass sich the artist formerly known as "Die Mannschaft" am Dienstag keine sieben Stück fängt. Das würde allerdings zum derzeit desolaten Zustand des deutschen Fußballs passen.
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