EM 2024 - Drei Dinge, die bei Spanien gegen Frankreich im Halbfinale auffielen: Ein Hauch von Messi von Lamine Yamal
Update 10/07/2024 um 08:25 GMT+2 Uhr
Die spanische Mannschaft setzt ihren Fabellauf bei der Europameisterschaft in Deutschland fort. Nach dem Sieg gegen das DFB-Team schaltet die Furia Roja im Halbfinale auch Vizeweltmeister Frankreich aus (2:1). Teenager Lamine Yamal schreibt Geschichte, Maskenmann Kylian Mbappé geht hingegen unter - und am Ende gewinnt der schöne Fußball. Drei Dinge, die in der Münchner Arena auffielen.
Yamal will EM-Titel: "Größtes Geburtstagsgeschenk"
Quelle: Eurosport
Spanien steht im Finale der Europameisterschaft. Die Mannschaft von Luis de la Fuente hat nach Gastgeber Deutschland auch Vizeweltmeister Frankreich ausgeschaltet und träumt vom ersten Titel seit der EM 2012.
Dabei mussten die Iberer wie bereits im Achtelfinale gegen Georgien einen Rückstand aufholen. Die Führung von Randal Kolo Muani (9.) glich Lamine Yamal mit dem vielleicht schönsten Treffer des Turniers aus (21.). Dani Olmo besorgte wenig später den 2:1-Siegtreffer (25.).
Die hoch veranlagten Spanier wurden trotz Personal-Rochaden ihrer Favoritenrolle gerecht. Frankreich um Kapitän Kylian Mbappé enttäuschte dagegen über weite Strecken.
Drei Dinge, die uns in München auffielen.
1. Yamals Tor für die Ewigkeit
Es ist keine neue Erkenntnis, aber Lamine Yamal ist und bleibt die Entdeckung dieser Europameisterschaft. Wobei Entdeckung für den Stammspieler des FC Barcelona ebenfalls nicht ganz zutrifft.
Schon vor seinem ersten EM-Auftritt gegen Kroatien waren alle Augen auf den jungen Flügelflitzer gerichtet. Im Halbfinale gegen Frankreich krönte er nun sein starkes erstes internationales Turnier.
Mit seinem Treffer in der 21. Minute zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich schoss sich der Spanier in die Geschichtsbücher. Yamal ist nun mit 16 Jahren und 362 Tagen der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten.
Wenig verwunderlich, dass Experten und Kommentatoren Lobeshymnen anstimmten. Christoph Kramer, Weltmeister von 2014 und Experte beim "ZDF", verglich Yamal und sein Tor schon mit einem der Größten seiner Zeit:
"Das ist ein bisschen Messi. Da brauchst du schon ganz viel Gefühl im linken Fuß. Er findet immer den richtigen Pass im richtigen Moment und mit der richtigen Schärfe. Das ist ein Wahnsinnspieler."
Immerhin begegnet sind sich Messi und Yamal bereits. In den Tagen vor dem Halbfinale postete Mounir Nasraoui , Lamines Vater, auf seiner Instagram-Seite ein Foto seines damals sechs Monate alten Sohnes und dem argentinischen Weltfußballer, welcher den Baby-Yamal badet.
Die Aufnahme entstand im Dezember 2007 für einen Wohltätigkeitskalender der spanischen Zeitung "Sport". Ganz unbescheiden schrieb Vater Mounir dazu: Der Anfang zweier Legenden.
Sein Sohn, gegen Frankreich zum Spieler des Spiels gewählt, wird am Samstag vor dem Finale in Berlin übrigens 17 Jahre alt. Sein größter Wunsch zum Geburtstag: "Gewinnen, gewinnen, gewinnen."
2. Frankreich kann Mbappés "Mismatches" nicht ausnutzen
Es war nicht das Turnier des Kylian Mbappé. Schon im ersten Gruppenspiel gegen Österreich brach sich der Superstar der "Équipe Tricolore" die Nase, anschließend kam er nie richtig in Tritt.
Ein Treffer aus dem Spiel heraus sollte ihm nicht gelingen, einzig nach einem Strafstoß gegen Polen (1:1) durfte der künftige Madrilene jubeln.
Es war offensichtlich, dass sich Mbappé mit seiner Gesichtsmaske, die er nach dem Nasenbeinbruch tragen musste, eingeschränkt fühlte. Der sonst so trickreiche und vor allem wieselflinke Angreifer wirkte zuletzt wie ein Schatten seiner selbst.
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Auch gegen Spanien nicht in Top-Form: Kylian Mbappé.
Fotocredit: Getty Images
Gegen Spanien startete er dagegen ohne Maske - und bereitete prompt den Führungstreffer von Kolo Muani sehenswert vor. Mertesacker konstatierte anschließend: "Peripheres Sehen ist alles. Er wirkt heute deutlich befreiter."
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der 25-jährige Kapitän der Franzosen anschließend abtauchte. Dabei verteidigte auf seiner linken Offensivseite zunächst der inzwischen 38-jährige Jesús Navas anstelle des gesperrten Stammspielers Dani Carvajal. Im zweiten Durchgang rückte der 34-jährige Nacho auf dessen Position.
Gegen beide Spanier hätte Mbappé eigentlich riesige Tempo-Vorteile haben müssen. Diese konnte er jedoch nur in besagter 9. Spielminute nutzen. Viel zu häufig wurde der Kapitän von seinen Mitspielern geradezu verschmäht, insgesamt hatte er nur wenig Zugriff zum Spiel.
Kam Mbappé dann doch einmal aussichtsreich in Position, vergab er wie in der 86. Minute, als er deutlich über den spanischen Kasten zielte. Für Mertesacker zeigte diese Situation, "was er für ein Turnier gespielt hat". Die letzte Konsequenz habe Mbappé gefehlt. Auch deshalb, so der Weltmeister von 2014, sei Frankreich "heute verdient ausgeschieden".
3. Attraktivität siegt über Langeweile
Schon vor dem Viertelfinale gegen Deutschland waren sich die Experten sicher: Die DFB-Mannschaft hat den wohl schwierigsten Gegner im Turnierverlauf erwischt.
Spanien ist seit dem ersten Gruppenspiel im sogenannten "Flow", gewann alle ihre Partien und zeigte bislang kaum eine Schwäche. Einzig gegen Deutschland wackelte die Furia Roja für einen Moment - dann aber schlug die Offensivpower zu.
Auch gegen Frankreich musste die Elf von Luis de la Fuente Schreckmomente überstehen. Durch die frühe Führung von Kolo Muani ließ sich das Team allerdings kaum verunsichern. Im Gegenteil: Spanien legte nun erst richtig los.
Die Offensivakteure Yamal und Olmo drehten das Spiel. Für "ZDF"-Experte Per Mertesacker machten die beiden Torschützen gegen den Vizeweltmeister von 2022 den "Unterschied" aus. Und auch sonst schwärmte der frühere Innenverteidiger: "Die Qualität im letzten Drittel ist wirklich atemberaubend."
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Dani Olmo war gegen Frankreich erneut einer der besten Spanier.
Fotocredit: Getty Images
So atemberaubend, dass auch die Defensive der Mannschaft von Didier Deschamps, die bislang nur einen Gegentreffer überhaupt kassiert hatte, nun in gerade einmal fünf Minuten gleich doppelt so viele Tore hinnehmen musste.
Im zweiten Durchgang ließ der offensive Druck der Iberer zwar nach, mit der Führung im Rücken war von purer Mauer-Taktik allerdings wenig zu spüren. Oder wie die Kramer und Mertesacker im "ZDF" ausführten: "Es hat alles Sinn und Verstand."
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Spanien jubelt über den Einzug ins EM-Finale
Fotocredit: Getty Images
Am Ende ist es auch ein Gewinn für Fußballfans in ganz Europa, dass sich Spanien durchsetzen konnte und nun im Finale steht. Oder wie Kramer es nannte: "Der schöne Fußball hat gewonnen."
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Mbappé nach Niederlage sauer: "Eine Enttäuschung"
Quelle: Perform
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