Pascal Groß macht Joshua Kimmich in der Nationalmannschaft Konkurrenz: England-Legionär trumpft im DFB-Dress auf
Pascal Groß feierte beim 3:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA zuletzt sein Startelf-Debüt für das DFB-Team. Der gebürtige Mannheimer, der jahrelang in England ein Schattendasein fristete, überzeugte an der Seite von Ilkay Gündogan sofort. Macht er Platzhirsch Joshua Kimmich nun dessen Platz streitig? Bundestrainer Julian Nagelsmann ließ zumindest aufhorchen.
Pascal Groß
Fotocredit: Getty Images
Pascal Groß steht sinnbildlich für eine enervierende Floskel, die immer dann hinter dem metaphorischen Ofen hervorgekramt wird, wenn sich irgendetwas besonders Abstraktes oder Witziges auf oder neben dem grünen Rasen ereignet. "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball."
Dabei wirkt Groß' Geschichte gar nicht sonderlich spektakulär. Neckarau- und Hoffenheim-Jugend, ein Jahr Karlsuher SC, dann der Wechsel zum FC Ingolstadt, bei dem er erstmals Bundesliga-Erfahrung sammelte. 2017 zog es den gebürtigen Mannheimer nach England, Groß heuerte beim damaligen Premier-League-Aufsteiger Brighton & Hove Albion an.
Der gelernte Mittelfeldmann, der bei den Seagulls regelmäßig auch in anderen Rollen zum Einsatz kam, überzeugt seither auf ganzer Linie. Mittlerweile stehen 222 Pflichtspiele (30 Tore, 39 Vorlagen) für den Klub aus dem Küstenort zu Buche. Während er auf der Insel seit vielen Jahren für seine Konstanz geschätzt wird, flog Groß in seiner Heimat lange unter dem Radar.
Zumindest bis vor wenigen Wochen. Anfang September nominierte Bundestrainer Hansi Flick den 32-Jährigen erstmals für die Nationalmannschaft, Leon Goretzka, gestandener Bayern- und DFB-Star musste hingegen zuhause bleiben. Sonderlich berauschend verlief Groß' Debüt im Dress des viermaligen Weltmeisters allerdings nicht. Der England-Legionär kam gegen Japan (1:4) beim Stand von 1:2 für Emre Can in die Partie und erlebte dementsprechend hintenraus zwei weitere Gegentore hautnah mit.
Groß ersetzt Kimmich - und überzeugt
Flick musste nach dem Debakel seinen Hut nehmen, Groß durfte bleiben. Auch Flick-Nachfolger Julian Nagelsmann scheint große Stücke auf den torgefährlichen Allrounder zu setzen. Bei seiner Bundestrainer-Premiere in den USA berief der ehemalige Bayern-Coach nicht etwa Rückkehrer Goretzka für den erkrankten Joshua Kimmich in die Startelf, sondern Groß.
Der zahlte das Vertrauen an der Seite von Kapitän Ilkay Gündogan in beeindruckender Manier zurück. Groß gewann gegen die US-Boys 100 Prozent seiner Zweikämpfe und setzte die meisten erfolgreichen Tacklings aller DFB-Spieler (3). Zudem wusste er auch in der Offensive zu gefallen, nur der Pfosten verhinderte in der elften Minute sein erstes Länderspieltor.
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Pascal Groß
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"Er hat das Leuchten in den Augen", lobte Nagelsmann im Nachgang: "Für ihn ist die Nationalmannschaft etwas ganz Besonderes. Er brennt." Insgesamt hätten sich "Pascal und Ilkay sehr schlau und sehr gut zwischen den Linien bewegt." Kurz gesagt: Groß fing Kimmichs Ausfall bestmöglich auf.
Grund genug – und so sind nun mal die medialen Mechanismen -, dass Groß gleich zum potenziellen Konkurrenten des Platzhirsches gemacht wird.
Kimmich-Konkurrent? "Nee"
Der bescheidene Groß will davon nichts wissen: "Nee", sagte er kurz und knapp, als er auf ein mögliches Duell zwischen ihm und Kimmich angesprohen wurde. Warum das Understatement? "Weil ich meine Rolle kenne", so Groß. Nagelsmann ließ allerdings im Vorfeld der Begegnung mit Mexiko (2:00 Uhr MESZ im Liveticker) aufhorchen.
Der 36 Jahre alte Übungsleiter verweigerte Kimmich eine Stammplatzgarantie. "Es gilt für alle Spieler – auch für Josh – das Leistungsprinzip", sagte Nagelsmann und schob nach: "Wenn Josh besser ist als die anderen, ist er gesetzt. Wenn Pascal (Groß, Anm. d. Red.) besser ist, ist er gesetzt. Am Ende möchte ich die Spieler auf dem Feld haben, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie für den jeweiligen Gegner am besten passen."
Die Position im zentralen Mittelfeld ist traditionell umkämpft, Groß ist im Gegensatz zum offensiver denkenden Kimmich prädestiniert dafür, als Gündogan-Bodyguard zu agieren. Dass Nagelsmann Kimmich auf die Bank verbannt, ist dennoch unwahrscheinlich. Kimmich galt während Nagelsmanns Zeit bei den Bayern als dessen verlängerter Arm auf dem Platz.
Groß kann auch Rechtsverteidiger
Doch wurde Groß' Flexibilität bereits skizziert. Denkbar, dass der Ex-Ingolstädter auf einer anderen Position zum Thema wird. Groß spielte bei Brighton bereits als Rechtsverteidiger. Zumindest auf dem Papier. Dabei interpretierte er die Rolle moderner, rückte immer wieder ins Zentrum, um eine Überzahl herzustellen. Ähnlich wie es DFB-Kollege Robin Gosens gegen die USA auf der anderen Seite gehandhabt hatte.
"Im Mittelfeld fühle ich mich sehr wohl, aber je nach Spielsystem auch rechts hinten", hatte Groß im Rahmen seines ersten Länderspiel-Lehrgangs im September zu verstehen gegeben.
Bei aller Ungewissheit in puncto Startelf ist jedenfalls eines klar: Mit Groß steht Nagelsmann nicht nur eine hochwertige Mittelfeld-Alternative zur Verfügung. Vom englischen Schatten ins EM-Rampenlicht scheint also keine Utopie zu sein. Es wäre eine Geschichte, die eben nur der Fußball schreibt ...
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Quelle: SID
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