Es gibt nicht vieles auf der Welt, das schnelllebiger ist als das Fußball-Geschäft. Da wirst du als 19- oder 20-Jähriger nach deinem Wechsel in eine andere Liga fünf Spiele lang kritisch beäugt, um dich dann mit der Meinung einiger Fans und Journalisten als Fehleinkauf abstempeln lassen zu müssen. Ein Glück, dass dieses Urteil nicht in Stein gemeißelt, sondern lediglich in Ton geritzt ist. Jederzeit umkehrbar, immer mit der Möglichkeit versehen, seine Kritiker eines Besseren zu belehren.

Ähnliches ist auch Divock Origi widerfahren. Der 20-Jährige reiht sich ein, in eine Liste belgischer Top-Talente, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen und unserem kleinen Nachbarland einen festen Platz unter den stets fluktuierenden Top-5 der FIFA-Weltrangliste eingebracht haben.

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Schaut man sich den Kader der belgischen Nationalmannschaft einmal an, so wird sehr schnell deutlich, dass die großen Klubs der Premier League in der jüngsten Vergangenheit ein Faible für junge, aufstrebende Spieler aus dem nur elf Millionen Einwohner zählenden Königreich entwickelt haben. Die prominentesten Namen der "Roten Teufel", wie beispielsweise Eden Hazard, Kevin de Bruyne oder Thibaut Courtois verdienen ihr Geld allesamt auf der Insel.

Fußballer, die neben einem belgischen Pass, mit einer gewissen fußballerischen Begabung ausgestattet sind, werden - so scheint es - automatisch mit den großen englischen Vereinen in Verbindung gebracht.

Startschwierigkeiten in der neuen Heimat

Und so kam es wenig überraschend, dass der FC Liverpool sich die Dienste Origis bereits nach der WM 2014 für rund 13 Millionen Euro sicherte. Mit nur 19 Jahren kam der Mittelstürmer in Brasilien in jedem der fünf Spiele zum Einsatz und erzielte im zweiten Gruppenspiel gegen Russland sogar den Treffer zum entscheidenden 1:0. Zunächst "parkten" die Engländer ihre Neuerwerbung bei dem Klub, der sie ausbildete: Dem OSC Lille. Dort hatte sich das Juwel in der Saison 2013/14 zum Stammspieler gemausert und mit fünf Saisontoren auf sich aufmerksam gemacht.

In der Folgesaison traf Origi in 44 Pflichtspieleinsätzen neun Mal ins Schwarze und wechselte im Anschluss - sprich im Juli 2015 - endgültig zu den "Reds". Und dort begann (zunächst) das eigentliche Dilemma des Jungstars.

Unter Trainer Brendan Rodgers kam der 1,86 große Offensivmann in acht Liga-Spielen lediglich einmal zum Einsatz. Bei der 1:3-Niederlage gegen den Erzrivalen Manchester United durfte Origi sich für 16 Minuten auf der linken Außenbahn präsentieren - seine Anfangszeit verlief weitaus weniger verheißungsvoll als seine Vorschusslorbeeren angekündigt hatten.

Origi und Liverpool, vielleicht ein Missverständnis, welches es schnell aufzulösen galt? Die Konkurrenz auf seiner Position mit Daniel Sturridge, Christian Benteke, Danny Ings und Roberto Firmino eine Nummer zu groß?

Neuer Trainer + Personalnot = Spielzeit

Wie so häufig im Fußball kam der Wendepunkt für den 14-fachen Nationalspieler mit dem Wechsel des Trainers: Rodgers musste Anfang Oktober letzten Jahres gehen und Jürgen Klopp kam, als großer Heilsbringer gefeiert, an die Anfield Road.

Bei Klopps Debüt spielte Origi gleich über die volle Distanz, was erstens daraus resultierte, dass der ehemalige Dortmund-Trainer bekanntlich auf vielversprechende Talente setzt, zweitens aber der großen Verletztenmisere des LFC zu diesem Zeitpunkt geschuldet war. So plagte Sturridge sich im Saisonverlauf immer wieder mit Blessuren herum, Benteke hatte mit Ladehemmungen zu kämpfen und für Ings, der sich in Rodgers’ letztem Spiel einen Kreuzbandriss zuzog, hatte sich seine erste Spielzeit an der Merseyside schon zu Beginn erledigt. Klopp gingen die Alternativen aus und Origi wurde plötzlich Spielzeit eingeräumt. Aus der Not geboren. Des einen Freud, des anderen Leid.

Eine ereignisreiche Woche

Die vergangene Woche stand dann ganz im Zeichen des Torjägers: Überraschend erhielt Origi im Hinspiel des Europa-League-Viertelfinals in Dortmund den Vorzug gegenüber Sturridge. Seinen Startelf-Einsatz rechtfertigte er mit dem zwischenzeitlichen Führungstreffer, der sich im Nachhinein noch als maßgeblich herausstellen könnte.

Nur drei Tage später steuerte er beim deutlichen 4:1-Erfolg seiner Mannschaft über Stoke City einen Doppelpack bei. "Er (Jürgen Klopp, Anm. d. Red.) hat immer an mich und die Mannschaft geglaubt", erklärte Origi im Anschluss an die Partie. Dass er in Begriff ist, sein vorhandenes Potential mehr und mehr auszuschöpfen, ist eng mit der Philosophie des Ex-BVB-Coaches verknüpft.

Somit dürfte Origi auch im Rückspiel gegen die Borussia vor heimischer Kulisse (ab 21:05 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) wieder seine Chance bekommen und versuchen, die Defensivreihe der Westfalen vor Probleme zu stellen. Klopps goldenes Händchen für ambitionierte Jung-Profis könnte sich also einmal mehr bewähren.

Natürlich sind die letzten beiden Spiele nur eine Momentaufnahme und dürfen nicht als Maßstab für eine komplette Saison betrachtet werden. Aber: der Belgier hat die nötigen Voraussetzungen, der es bedarf, um auf höchstem Niveau zu bestehen, einen Trainer, der ihn fördert und die Chance, sich bei seinem zweiten großen Turnier, der Europameisterschaft in Frankreich, weiter ins Rampenlicht zu spielen. Es wäre in diesem schnelllebigen Geschäft kein Wunder. Mal Fehleinkauf, mal Publikumsliebling.

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