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Frankfurt darf "verdammt stolz auf diese Truppe" sein

Frankfurt darf "verdammt stolz auf diese Truppe" sein

10/05/2019 um 11:22

Eintracht Frankfurt stand im Halbfinal-Rückspiel der Europa League vor dem schier Unmöglichen: der Einzug ins Endspiel in Baku auswärts beim FC Chelsea. Nach dem Tor von Luka Jovic war alles offen. Letztlich scheiterte das Team von Adi Hütter dramatisch im Elfmeterschießen, konnte aber stolz sein - auf den Auftritt an der Stamford Bridge und in der gesamten Saison. Drei Dinge, die auffielen.

1. Frankfurts nächster Fight

Im Halbfinal-Rückspiel der Europa League verlangte Chelsea dem Team von Adi Hütter von Beginn an alles ab. Ruben Loftus-Cheek brachte die Londoner in Front (28. Minute), zehn Frankfurter Feldspieler mussten sich als omnipräsente Allrounder geben, die defensiv und offensiv denken und handeln.

Danny da Costa, Makoto Hasebe, der überall zu finden war, und Ante Rebic waren defensiv gefragt, liefen unermüdlich in die eigene Hälfte, vor den eigenen Kasten, um die Bälle vom Tor fernzuhalten - eine ungewohnte Rolle, die alle mit Fleiß und Engagement erfüllten. "Wir haben wieder einen großen Fight hingelegt", sagte Keeper Kevin Trapp später zu DAZN.

Chelsea - Frankfurt

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Wieder einmal zeigte die Eintracht: Diese Mannschaft funktioniert ausschließlich über das Kollektiv. Jeder gibt alles, für jeden, egal wie. Diese Mentalität konnten die Hessen im Verlauf des Spiels für sich nutzen, sie wurden körperlich stärker und vor allem cleverer.

Dabei präsentierte Frankfurt zwei verschiedene Gesichter: In Halbzeit eins häufig tief in die eigene Hälfte gedrängt und mit viel Defensivarbeit gefordert, agierte der Bundesligist nach der Halbzeitpause frisch, frech, schnell und clever. Eintracht nahm das Spiel in die Hand, hatte mehr Ballbesitz und mehr Torchancen.

2. Gehirnwäsche zur Halbzeit

Diese neu gewonnene Effektivität münzte Luka Jovic früh in ein Tor um. In der 49. Minute stand es 1:1, sein zehnter Treffer in der laufenden Europa-League-Saison - Rekord. Nach 25 Minuten in der zweiten Halbzeit hatte die Eintracht sechs zu eins Torschüsse abgefeuert, nach 90 Minuten stand die Anzeige bei zwölf zu elf Torschüsse für die Gäste.

"Wir waren eigentlich die bessere Mannschaft", konstatierte Trapp, während Rechtsverteidiger da Costa bei RTL sagte:

"Wir haben wirklich alles reingehaut und Chelsea über 120 Minuten richtig gut Paroli geboten. "
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Trainer Hütter hatte es geschafft, seine Mannschaft zu pushen. Ähnlich wie bei den beiden Halbfinal-Rückspielen der Champions League hoffte Frankfurt zurecht auf das Wunder. Erst im Elfmeterschießen endete die Europa-Reise, nach einem dramatischen 3:4 und Fehlversuchen von Martin Hinteregger sowie Gonçalo Paciência

Zuvor war Aufgeben keine Option - und die Vorstellung gegen Benfica im Viertelfinale (2:0 nach 2:4 im Hinspiel) nur ein Vorgeschmack dessen, was die Eintracht an der Stamford Bridge bot. "Wir haben gesehen, was alles passiert, wenn man dran glaubt", sagte Trapp in Anlehnung der Champions-League-Partien. Ahnte er, was geschehen würde?

3. Eintracht ist der moralische Sieger

"Es war wirklich außergewöhnlich, was wir hier rausgehauen haben: welch eine Leidenschaft, eine unglaubliche Willensleistung. Da war alles dabei, was den Fußball ausmacht. Wir sind natürlich enttäuscht, aber können verdammt stolz auf diese Truppe sein."
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Während Chelseas Anhänger das Stadion nach Abpfiff nahezu fluchtartig verließen, feierten die Gästefans ihr Team frenetisch: Die tragische Figur des Abends, Hinteregger, der mit seinem verschossenen Elfmeter schließlich die Niederlage einleitete. Und Trapp, der vier Mal hinter sich greifen musste.

"Die Enttäuschung ist natürlich da, wenn man so knapp dran war, fast schon mit einem Bein im Finale", bekannte Hütter.

"Es sind viele Tränen geflossen, wir sind sehr, sehr traurig. Trotzdem muss man stolz sein auf die Haltung, die wir in der ganzen Europa-League-Saison gezeigt haben. Riesenkompliment an meine Mannschaft!"

Da Costas Schlusswort unter eine denkwürdige Tournee: "Letztlich hat's nicht gereicht, aber wir können den Platz erhobenen Hauptes verlassen."

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