Bayer-Trainer Peter Bosz ließ nach dem 2:2 gegen Kellerkind Mainz fast keinen Stein mehr auf dem anderen und wechselte seine Anfangself im Vergleich zum Ligaspiel auf insgesamt sieben Positionen. So feierten gegen formstarke Berner etwa die beiden Winter-Neuzugänge Demarai Gray (Leicester City) und Jeremie Frimpong (Celtic Glasgow) ihr Startelf-Debüt für die Werkself.
Doch die Partie nahm für Bayer bereits nach drei Minuten den denkbar ungünstigsten Verlauf: Bei einer Ecke von Michel Aebischer befand sich die Leverkusener Deckung noch im kollektiven Tiefschlaf, Christian Fassnacht nutzte seine Freiheiten zu einer punktgenauen Direktabnahme in die linke Ecke (3.).
Das Problem: Aus ihrem kollektiven Tiefschlaf wachte die defensiv phasenweise komplett unorganisierte Werkself in den ersten 45 Minuten nicht mehr auf. Beim 2:0 durch Jordan Siebatcheu war es wieder eine Ecke, bei der die Gäste alles andere als gut aussahen. Jonathan Tah segelte unter Aebischers Hereingabe hindurch und ermöglichte damit Siebatcheu aus fünf Metern leichtes Spiel - ein präziser Kopfball in die rechte Ecke, 2:0 für Bern (19.).
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Leverkusen stabilisierte sich im weiteren Verlauf der ersten Hälfte zumindest ein wenig, musste kurz vor der Pause aber dennoch das dritte Gegentor schlucken. Aleksandar Dragovic lud Angreifer Meschack Elia mit einer missglückten Klärungsaktion ein, der Berner Stürmer blieb frei vor Niklas Lomb, der den verletzten Lukas Hradecky im Bayer-Tor vertrat, cool und schob trocken zum 3:0 ein (44.).
Die Halbzeitansprache von Trainer Bosz schien bei der Werkself gewirkt zu haben, denn nach der Pause zeigte die beste Offensive der Europa-League-Gruppenphase ein komplett anderes Gesicht.
Patrik Schick verkürzte nach gefühlvoller Flanke von Frimpong zunächst per Kopf auf 1:3 (49.), um nur Minuten später erneut zuzuschlagen. Einen Kopfball von Jonathan Tah wehrte Berns Schlussmann Fabian von Ballmoos genau vor Schick ab, der aus kurzer Distanz dankend abstaubte (52.).
Leverkusen blieb in der Folge weiter am Drücker und spielte offensiv wie entfesselt, ehe in der 68. Minute der mittlerweile verdiente Ausgleichstreffer fiel. Florian Wirtz schickte den kurz zuvor eingewechselten Moussa Diaby mit einem Traumpass aus dem Fußgelenk auf die Reise. Der schnelle Franzose enteilte seinen Verfolgern und lupfte den Ball über den herauseilenden von Ballmoos hinweg zum 3:3 in die Maschen (68.).
Doch passend zur Leverkusener Achterbahnfahrt in Bern sollte der Schlusspunkt hinter einen wilden Schlagabtausch erst noch kommen. Einen Distanzschuss des früheren Bayern-Profis Maurizio Gaudino lenkte Lomb an den Pfosten, von wo der Ball über den Rücken des Bayer-Schlussmannes vor den Füßen von Siebatcheu landete. Der goldrichtig stehende Young-Boys-Angreifer markierte aus vier Metern das 4:3 (89.), auf das die Leverkusener keine Antwort mehr fanden.

Die Stimmen zum Spiel:

Peter Bosz (Trainer Bayer Leverkusen): "Unsere Leistung in der ersten Halbzeit kann ich mir nicht erklären. Wir hatten keinen Zugriff und haben zwei Standards amateurhaft verteidigt. Unsere Ausgangsposition fürs Rückspiel ist deutlich: Wir müssen das Spiel gewinnen, sonst nichts."
Jonathan Tah (Bayer Leverkusen): "Wir haben es in der ersten Halbzeit nicht gut gemacht, in der zweiten Halbzeit haben wir Mentalität gezeigt und dass wir eine Mannschaft sind. Dass wir zum Ende noch verlieren, ist enttäuschend. Das Rückspiel wird nicht einfach, aber wir spielen zu Hause."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Bayer ohne Balance

Vor allem im ersten Durchgang ließ Bayer 04 Leverkusen jegliche Balance im eigenen Spiel vermissen. Die mit einem vorwiegend offensiv denkenden Dreiermittelfeld um Kerim Demirbay, Florian Wirtz und Nadiem Amiri gestartete Werkself wurde nach eigenen Ballverlusten immer wieder komplett entblößt.
Bei Berner Kontern wurde die bemitleidenswerte letzte Bayer-Abwehrreihe regelmäßig von den hoch aufgerückten Teamkollegen im Stich gelassen und sahen sich immer wieder in Unterzahl gegen die schnell das Mittelfeld überbrückenden Hausherren. Mit der Umstellung auf eine Dreierkette zur Halbzeit sorgte Bosz für etwas mehr Stabilität und Zugriff im Zentrum.

Die Statistik: 33

Wären an diesem Abend im Stadion Wankdorf Zuschauer zugelassen gewesen, dann wären diese bei diesem Spektakel sicher voll auf ihre Kosten gekommen. Beide Mannschaften legten keinen allzu großen Wert auf konsequente Abwehrarbeit und gaben zusammengenommen 33 Torschüsse ab (Leverkusen 17, Bern 16).
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