1. Schiedsrichterinnen überzeugen beim Debüt

Es ist die 101. Minute. Spielstand 2:1 für den FC Liverpool gegen den FC Chelsea, als sich Tammy Abraham den Ball rechts an Adrian vorbeilegen will. Liverpools Keeper touchiert den Stürmer leicht am Fuß. Der Pfiff ertönt sofort - Schiedsrichterin Stéphanie Frappart zeigt auf den Elfmeterpunkt.
Europa Super Cup
Sieg im Elfmeterschießen: Liverpool schnappt sich auch UEFA Supercup
14/08/2019 AM 21:43
Eine fragwürdige, wenn nicht falsche Entscheidung, aber der VAR legt kein Veto ein. Jorginho tritt an und verwandelt eiskalt.
Abgesehen von dieser Aktion präsentierte sich das Schiedsrichterinnen-Gespann aus Frappart (Frankreich), Manuela Nicolosi (Frankreich) und Michelle O'Neill (Irland) bei ihrer Weltpremiere sehr souverän. Erstmals pfiff eine Frau ein bedeutendes europäisches Herren-Spiel. Und sie pfiff gut.

Stephanie Frappart

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Auch in strittigen Szenen bewahrten Frappart und ihr Team einen kühlen Kopf. Chelsea traf gleich zweimal (40./83.) nach vorangegangenem Abseits - beide Male waren die Linienrichterinnen zur Stelle, beide Tore wurden zurückgenommen. Bei diesen spielentscheidenden Aktionen handelten die Referees ruhig und bedacht.
Die Schiri-Damen wollten sich keine Fehler erlauben, das war bei ihrem Debüt ganz offensichtlich. Es war jedoch keine Verbissenheit oder Pedanterie zu erkennen. Sie erledigten ihren Job abgeklärt und unaufgeregt - wie UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti schon im Vorfeld ankündigte:
Frappart ist sehr, sehr gut. Sie weiß alles über Fußball und ist mental sehr stark. Sie ist bereit für dieses Spiel.
Ihre Qualitäten wiesen die Damen nach. Bis auf die kontroverse Strafstoß-Situationen war's eine Top-Leistung.

2. Pulisic zeigt, was er beim BVB gelernt hat

Chelsea-Neuzugang Christian Pulisic zeigte in seinem ersten Finale sofort seine Klasse. In der 25. Minute sorgte der Ex-BVB-Star im Strafraum mit einem gefährlichen Querpass für Wirbel, Oliver Giroud hätte eigentlich verwerten müssen, doch der Franzose verzog.
Kurz darauf klappte das Zusammenspiel besser: Pulisic steckte umringt von Gegenspielern den perfekten Pass in die Schnittstelle auf Giroud durch, der lässig zum 1:0 für Chelsea ins lange Eck traf (36.).

Christian Pulisic zeigt im Supercup seine Klasse.

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Danach war es wieder Pulisic, der Liverpool forderte. Nach einem Steilpass kam der Amerikaner seitlich in den Strafraum, ließ zwei Spieler in feinster Arjen-Robben-Manier stehen und schob die Kugel ins Eck. Eine starke Aktion, die aber abgepfiffen wurde - Pulisic stand im Abseits.
Der 20-Jährige ackerte weiter, fing aufmerksam Bälle ab und erarbeitete sich noch eine weitere Torchance (65.). Eine gelungene Endspiel-Premiere.

3. Liverpool offenbart zwei Gesichter

Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase wirkte Liverpool überrumpelt. Chelsea war dem Team von Jürgen Klopp in dieser Phase, die bis zur Halbzeitpause anhielt, offensiv wie defensiv überlegen. In der Verteidigung war Liverpool zu langsam, die Viererkette ließ sich zu oft von einfachen Lupfern in die Schnittstellen aus den Angeln heben.
Girouds Tor war bezeichnend. Vorlagengeber Pulisic bewegte sich komplett ungestört auf den Strafraum zu, der Schütze stand beim Zuspiel ebenfalls komplett frei.
Auch offensiv machte Liverpool lange nicht den Eindruck eines Champions-League-Siegers - die meisten Chancen erspielte sich Chelsea, in der ersten Hälfte und später in der Verlängerung, wo Frank Lampards Blues dem Sieg näher waren.

Sadio Mané bei Liverpool - Chelsea

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"Es war für beide Mannschaften ein schweres Spiel", rapportierte Klopp:
Die Jungs mussten den ganzen Abend kämpfen, und genau das haben sie getan.
Zwischenzeitlich steigerten sich seine Mannen und dominierten. Die Defensive stand stabiler, die Offensive agierte effektiver - prompt funktionierte die Kombinationsmaschinerie besser, was in Sadio Manés Doppelpack (48./95.) mündete.
Im Elfmeterschießen versagten Chelseas Abraham als Einzigem die Nerven. Liverpool siegte 5:4 (2:2, 1:1, 0:1), und Adrian, der den verletzten Alisson Becker vertrat, wurde mit seiner Parade zum Helden des Abends.
Festzuhalten aber blieb, dass in Istanbul nicht unbedingt die Besseren gewannen. Sondern die Glücklicheren.
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