FA Cup: Manchester United und Louis van Gaal mit letzter Titelchance

In der Premier League strampelt sich Manchester United für die Champions-League-Qualifikation ab, im FA Cup besteht eine realistische Titelchance: Trainer Louis van Gaal und die "Red Devils" bekommen es im Halbfinale mit dem FC Everton zu tun. Weil zudem der FC Watford und Crystal Palace im Wettbewerb verblieben sind, gilt United als favorisiert. Kurioserweise vergrößert genau das die Fallhöhe.

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Es fing 1993 bei Ajax Amsterdam an, setzte sich 1998 beim FC Barcelona fort und kulminierte 2010 beim FC Bayern München: Der nationale Pokal und Louis van Gaal, dies war in der Vergangenheit eine von Zuneigung geprägte Liaison - egal, in welchem Land der kernige Fußballlehrer gerade fuhrwerkte.
Wenn am 21. Mai das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Borussia Dortmund steigt, hofft van Gaal darauf, keine Muße für einen legeren Fernsehabend mit seinem Ex-Klub zu besitzen. Am selben Tag findet das englische Endspiel statt, im FA Cup wird der Nachfolger des FC Arsenal gesucht, und mit Manchester United steht van Gaal kurz davor, aktiv an der Fahndung teilzuhaben. In der Vorschlussrunde geht's gegen den FC Everton (am Samstag ab 17:45 Uhr auf Eurosport1, im Eurosport Player und im Liveticker auf Eurosport.de).

Van Gaal: "Ich will hier Titel gewinnen"

Halbfinale also, der Höhe- und Schlusspunkt Wembley vor Augen: Solche Voraussetzungen tätscheln van Gaals Selbstverständnis, er wirkt ja immer recht prollig, vom Ego berauscht und in seinem Auftreten so autoritär wie ein Hauptfeldwebel. "Ich will hier Titel gewinnen", knurrt der Niederländer und beeilt sich, auf seine Vita zu verweisen.
Freilich neigen manche Kommentatoren eher zu letzterem Urteil, van Gaal wird bei United beharrlich mit Argwohn beäugt. In der Premier League sprang zunächst Platz vier heraus, aktuell sind die "Red Devils" farbloser Fünfter, vier Partien vor Saisonende wackelt die Champions-League-Qualifikation.

Wenger rehabilitierte der FA Cup

Meister wäre United auch mal wieder gern, aber diese Frage stellt sich momentan nicht; dazu fehlt es dem Kader an Klasse. Weil die Spiele zudem überproportional unansehnlich sind, ringt "Louis van Qual" um Reputation und gesicherte Arbeitsstelle, im Prinzip seit Tag eins. Allerdings kennt Trainer-Kollege Arsène Wenger das befreiende Gefühl eines FA-Cup-Sieges, 2014 und 2015 gewann er mit Arsenal, das rehabilitierte ihn nach mäßigen Liga-Leistungen.
Ein Anker für van Gaal?
"Manchester United spielt immer um Titel. Jetzt gibt es eine große Chance", betont Verteidiger Matteo Darmian. Stimmt wohl, denn Everton schlampte am Wochenende kräftig, 0:4 beim FC Liverpool. Kaum ergiebig ist also die Statistik, dass die "Toffees" bereits zum 26. Mal ins Pokal-Halbfinale einzogen - zumal es United zweimal öfter gelang.

Arsenal schon raus

Räumt van Gaal am 21. Mai tatsächlich die Trophäe ab, wäre es Manchesters erster FA-Cup-Erfolg seit 2004 und der zwölfte insgesamt, ebenso viele wie Rekordhalter Arsenal. Die Londoner können nichts mehr ausrichten, um ihre Vormachtstellung zu verankern; im Viertelfinale scheiterten sie am FC Watford (1:2), das nun auf Crystal Palace trifft.
Für United formiert sich dadurch ein Dilemma: Angesichts der verbliebenen Kontrahenten Everton (11. in der Liga), Watford (12.) und Crystal Palace (16.) wär's fast peinlich, wenn der FA Cup nicht ins Old Trafford wandert. Das vergrößert die Fallhöhe.
Aber gut, "Tulpengeneral" van Gaal liebt bekanntlich Herausforderungen...
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