FC Bayern München - Mühevoller Sieg beim 1. FC Köln: Erfolge gegen das Knarzen im Gebälk
Publiziert 25/11/2023 um 11:50 GMT+1 Uhr
Ein Tor von Harry Kane verhalf den Bayern zu einem 1:0-Sieg beim 1. FC Köln. Wie der Rest der Münchner Startelf blieb auch der Engländer trotz seines Einsatzes in der EM-Qualifikation von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz. Trainer Thomas Tuchel musste seine Entscheidung, auf Wechsel zu verzichten, erklären. Zumal er tags zuvor noch die enorme Belastung im Fußball beklagt hatte.
Keine Wechsel trotz Belastungssorgen: Tuchel erklärt Taktik
Quelle: Perform
Thomas Tuchel trat gerade aus dem Kabinengang der Bayern, in der linken Hand seinen Rucksack, in der rechten das Handy. So verharrte der Chefcoach der Münchner für einige Sekunden auf der Stelle und warf zwischendurch immer mal einen Blick nach rechts.
Dorthin, wo Eric Maxim Choupo-Moting gerade zu einer bemerkenswerten Entscheidung seines Trainers Stellung bezog: Beim 1:0-Sieg des Rekordmeisters in Köln hatte Tuchel nicht ein Mal gewechselt. Obwohl er sich tags zuvor noch über die hohe Belastung speziell der Topspieler im Weltfußball beklagt hatte.
Persönlich hatte Choupo-Moting eine klare Meinung dazu, warum Offensivspieler wie Thomas Müller oder Mathys Tel in der verregneten Domstadt die kompletten 96 Minuten (inklusive Nachspielzeit) auf der Ersatzbank zubrachten.
Weil das Thema jedoch etwas heikel ist, nahm sich der 34-Jährige bei der Befragung erst mal etwas Bedenkzeit und sagte dann: "Was heißt, ob ich überrascht war? Ich stand auf dem Platz und will natürlich jede Sekunde auf dem Platz stehen. Aber klar ist auch, dass jeder spielen möchte."
Thomas Tuchel fehlt die "zündende Idee"
Etwas unangenehm war es Tuchel jedenfalls schon, auf die fragenden Blicke, die ihm zum Beispiel Müller beim Aufwärmen an der Eckfahne immer wieder zuwarf, nicht reagiert zu haben.
"Ich habe ein bisschen mit mir gehadert, hatte keine zündende Idee", erklärte er, warum er als erster Bayern-Trainer seit Louis van Gaal am 11. Dezember 2010 (beim 3:0 gegen St. Pauli) seine Startelf bis zum Abpfiff auf dem Rasen ließ.
Und dazu gab’s eine verbale Beruhigungspille für das vergeblich wartende Personal: "Ich habe den Jungs eben schon gesagt: Normalerweise kommt das nicht vor. Die sollen alle den Spirit beibehalten, den sie heute gezeigt haben, und es mir nicht übelnehmen."
Bei seiner kleinen Tirade am Donnerstag hatte Tuchel vor allem die Strapazen jener Spitzenkicker angemahnt, die regelmäßig auf höchstem Niveau in der Champions League und für ihre Nationalteams im Einsatz seien.
Baumgart von Tuchel-Aussage beeinflusst
"Sie sind mental müde, emotional müde, erschöpft, physisch müde", berichtete der 50-Jährige vor dem Abflug ins Rheinland. Wo der Kollege Steffen Baumgart den Zwischenruf aus München prompt aufnahm und sich zu einer unangemessen forschen Taktik hinreißen ließ.
"Wir wollten die Müdigkeit der Bayern ausnutzen, sie zu Fehlern zwingen. Das ist schiefgegangen", seufzte der Bank-Chef der abstiegsbedrohten Kölner und bekannte: "Die ersten 30 Minuten nehme ich komplett auf meine Kappe."
In dieser ersten halben Stunde fiel auch der einzige Treffer durch 18-Tore-Mann Harry Kane, der den FCB zumindest für eine Nacht vorbei an Leverkusen an die Ligaspitze schoss.
Weil bis zur 28. Minute aber zwei Mal Leroy Sané und ein Mal Choupo-Moting exzellente Torchancen ungenutzt ließen, mussten die Gäste aus dem Freistaat gegen zunehmend erschöpfte Kölner bis zum Ende dezent um den Sieg bangen.
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Thomas Müller
Fotocredit: Getty Images
Thomas Müllers besondere Rolle
"Die Zeit ging schnell vorbei, plötzlich war schon die 70. Minute", erzählte Tuchel staunend über den Verlauf des Abends. Deshalb blieb etwa Choupo-Moting, der wegen seiner Körpergröße und seiner Kopfballstärke den Vorzug vor Müller erhalten hatte, bis zum Schluss auf dem Feld.
Er wolle beim Stand von 1:0 bei einem Freistoß oder eine Ecke eben nicht noch ein Kopfballtor zum Ausgleich hinnehmen, verteidigte Tuchel seinen ungewöhnlichen Wechselverzicht. Und: "Ich wollte den Rhythmus nicht stören. Außerdem hat keiner angezeigt, dass er raus möchte."
Knarzen im Gebälk ist dabei Teil des Geschäfts. So ist Tuchel völlig bewusst, dass Müller mit seiner Rolle als Edelreservist nicht gerade überglücklich ist.
"Ich verstehe, dass Thomas bei uns eine besondere Rolle spielt, besondere Aufmerksamkeit bekommt", erwähnte der gebürtige Krumbacher am Freitagabend. Und mit dieser Erkenntnis war er auch gleich bei der Heim-EM und der Champions-League-Reform im nächsten Jahr.
Mentale Belastung wächst
"Das wird schon eine mentale Belastung, die an der Grenze ist. Durch die Reform können wir schon zwei bis vier Spiele zusätzlich haben“, warnte der Bayern-Coach und folgerte: "Das müssen wir sehr klug und aufmerksam bei der Kaderplanung sein."
Thomas Müllers Vertrag beispielsweise läuft im nächsten Jahr aus, der 34-Jährige würde gerne noch mindestens ein Jahr dranhängen. Ähnlich ist die Lage bei Keeper Manuel Neuer (37). Auch dessen Vertrag endet im nächsten Sommer.
Wie lange er noch weitermachen wolle, wurde Münchens erster Ballfänger in Köln gefragt. Und die augenzwinkernde Antwort lautete: "Mindestens so lange wie Thomas."
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