FIFA-Boss Gianni Infantino gibt Investorenplan für WM nach massiver Kritik auf: "Hat zu Spaltung geführt"

Der Fußball-Weltverband FIFA hat nach massiver Kritik seine Investorenpläne aufgegeben. Das teilte Präsident Gianni Infantino in der Nacht zu Samstag in einem Statement mit. Zuvor hatten bereits die Kontinentalverbände UEFA, CONCACAF und AFC Widerstand gegen Infantinos Vorhaben, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen, angekündigt. Es drohte ein Machtkampf.

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Quelle: Perform

Aus den Worten Gianni Infantinos waren verletzter Stolz und Unverständnis herauszulesen. Er habe doch nur das Beste gewollt, und zwar für alle. Und wenn ihr das nicht wollt, kann ich euch auch nicht helfen.
Nach beispielloser Kritik beendete der FIFA-Präsident damit sein Vorhaben, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen. Die Erklärung, die Infantino tief in der europäischen Nacht versenden ließ, stoppte aber nur kurz die Eskalation: Die UEFA reagierte mit einem Schreiben, das einer Kriegserklärung gleichkam.
"Unser Ziel war und ist es stets, zu vereinen und Verbesserungen zu bewirken", versicherte Infantino treuherzig: "Nach sorgfältiger Abwägung aller Standpunkte ist deutlich geworden, dass das Projekt zu einer Spaltung geführt hat, die – ungeachtet des Ausmaßes der Unterstützung – nicht mehr im Sinne des ursprünglich verfolgten Ziels ist."
Zum Wohle des Fußballs habe der 56-jährige Schweizer die Weltmeisterschaften zumindest teilweise für Milliardensummen an private Finanzmächte verkaufen wollen. Und zum Wohle des Fußballs sehe er nun davon ab. Zumindest vorerst. So stellte es Infantino dar, gegen den sich in den rund 100 Stunden zuvor zuvorderst eine Front der Empörten formiert hatte.
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Gianni Infantino gibt seine WM-Investorenpläne vorerst auf

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Infantino gibt Idee noch nicht ganz auf

In den kommenden Tagen wolle Infantino "alle interessierten Parteien wieder zusammenbringen", schrieb er, "geleitet von unserem gemeinsamen Interesse am Fußball und mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am meisten benötigen."
Für Europas Kontinentalverband klang dies wie Hohn. In einer mit Bedacht formulierten Mitteilung griffen die UEFA und ihr Chef Aleksander Ceferin den zurückrudernden Infantino frontal an. Er haben "einen schäbigen und undurchsichtigen Deal" eingefädelt, hieß es. Dass dieser gescheitert sei, sei zwar "ein Sieg für den gesamtem Fußball. Aber das darf nicht das Ende sein."
Infantino habe seine Wahlversprechen von 2015 gebrochen, als er Transparenz angekündigt habe und die Verwendung der FIFA-Gelder zum Wohle des Fußballs: "Die aktuelle FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren. Wir können nicht länger so weitermachen." Deshalb werde die UEFA "unverzüglich" mit weltweiten Partnern einen "neuen Weg" erarbeiten.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf warf Infantino vor, "eigenmächtig, intransparent und unverantwortlich" gehandelt zu haben. Wie der englische Verband FA fordert auch der Deutsche Fußball-Bund eine Neuausrichtung. "Wir müssen dafür sorgen, dass bei der FIFA grundsätzlich eine andere Kultur einzieht", sagte Neuendorf auf SID-Anfrage.
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FIFA-Präsident Gianni Infantino (l. mit US-Präsident Donald Trump) steht unter massiver Kritik

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UEFA droht mit Boykott, AFC will Transparenz

Das Ausmaß der Rebellion, die er vor allem in den mächtigen Kontinental-Verbänden Europas und Asiens ausgelöst hat und die auch die Androhung eines Boykotts von Weltmeisterschaften beinhaltete, dürfte Infantino zutiefst beunruhigen. Auch wenn sich die ersten Kritiker zunächst in Ansätzen besänftigt gaben.
Man "begrüße" Infantinos Schritt, teilte Asiens Verband AFC mit, forderte für künftige Prozesse aber ein "rechtzeitiges, transparentes und konstruktives" Vorgehen. Die UEFA hatte angekündigt, erst dann befriedigt zu sein, wenn "dieser Vorschlag vollständig verworfen wird und verbindliche Zusicherungen gegeben werden, dass die FIFA ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für private Eigentümer öffnen wird".
Die harsche Reaktion von diversen Kontinenten zeigte eindrücklich, dass Infantino mit seinem klandestinen und ichbezogenen Handeln eine Rote Linie überschritten hatte.
Der Weltverband hatte am Dienstag mitgeteilt, dass dieser die Gründung der FIFA Forward Enterprise (FFE), einer Tochtergesellschaft, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln sollte, plane. Private Investoren hätten über diesen Weg Anteile an FIFA-Events erwerben können.

Infantino will sich im Amt bestätigen lassen

Im Klartext: Die Männer-WM, Filetstück der Fußballvermarktung und sportliches Weltkulturerbe, stand zum Verkauf. Das sollte einerseits auch kleinen Landesverbänden viele Millionen an Zusatzeinnahmen bringen. Andererseits hätte dies Infantino geholfen, seine Macht zu sichern. Durch den größeren Rückhalt der versorgten Verbände. Und womöglich durch den leitenden Posten in der FFE.
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Der Machtkampf zwischen UEFA-Chef Aleksander Ceferin und FIFA-Boss Gianni Infantino droht zu eskalieren

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Infantino will sich im kommenden Jahr in Marokko, wo er während der Eskalationstage auf "Staatsbesuch" weilte, im Amt bestätigen lassen.
Nach derzeitigem Reglement zum letzten Mal - 2031 wäre dann für ihn Schluss. Die Leitung der FFE wäre somit für Infantino eine Möglichkeit, als eine Art Schattenpräsident weiter an der Macht zu bleiben.

Ceferin kompromisslos gegen Infantino

Das zumindest vorerst am gewaltigen Widerstand großer Teile der Fußballwelt gescheiterte Projekt könnte nun die Machtverhältnisse verschieben.
Vor allem die UEFA zeigte erneut sehr entschiedene Handlungsbereitschaft - wie 2021 bei der "Niederschlagung" der Super-League-Rebellen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zeigte nun eine auffallend kompromisslose Haltung gegen den früheren UEFA-Generalsekretär Infantino.
Diesem bleibt nun die Erkenntnis, dass sein Spielraum Grenzen hat. Und die Rolle als missverstandener Wohltäter.
"Niemand verkauft den Fußball", hatte er beschwichtigt und "fehlerhafte Berichterstattung in den Medien" für eine anderweitige Wahrnehmung verantwortlich gemacht. Als Taktik wird dies womöglich nun nicht ausreichen.
(SID)
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Quelle: Perform


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