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Belgien - Japan: Sieg nach 0:2! Rote Teufel ziehen den Kopf aus der Schlinge

Sieg nach 0:2! Belgiens Joker besiegen Japan: "Vielleicht hat es genau das gebraucht"

02/07/2018 um 23:14Aktualisiert 02/07/2018 um 23:28

Belgien steht nach einer Aufholjagd gegen Japan im Viertelfinale der WM 2018. Beim 3:2 (0:0) holten die Roten Teufel einen 0:2-Rückstand auf, Nacer Chadli traf in der Nachspielzeit zum Sieg (90.+4). Japan hatte Belgien durch Genki Haraguchi (48.) und Takashi Inui (52.) doppelt geschockt, ehe Jan Vertonghen (69.) und Marouane Fellaini (74.) binnen fünf Minuten ausglichen.

So lief das Spiel:

Überraschend frech und offensiv begannen die Japaner ihr Achtelfinale. Belgien wusste zunächst nichts damit anzufangen und brauchten lange, um sich darauf einzustellen, dass Japan die Passwege schon in der Hälfte des Gegners zustellte. Allerdings erspielten sich die Asiaten auch durch die frühen Ballgewinne kaum Torchancen.

Zu diesen kamen mit fortschreitender Spielzeit aber die Belgier, die zwischen der 30. und 40. Minute ein Powerplay aufzogen, das zwar viel Wucht und viele Abschlüsse produzierte, aber nur selten wirklich gefährlich wurde, weil zu wenig Bälle bis in den Sechzehner kamen.

So hatten kurz vor der Halbzeit dann doch noch die Japaner die dickste Chance, als Yuto Nagatomo auf links zu viel Platz hatte, in den Strafraum zog und sein Schuss noch von Yuya Osako abgefälscht wurde. Belgiens Keeper Thibaut Courtois ließ den Ball zunächst durch die Finger rutschen, drehte sich dann aber schnell genug um.

Nach der Pause nahm das Spiel direkt richtig Fahrt auf. Die agilen und beweglichen Japaner fingen einen weiteren Pass im Spielaufbau der Belgier ab und leiteten damit das 1:0 ein. Gaku Shibasaki passte steil auf Genki Haraguchi, der einen Stellungsfehler von Jan Vertonghen ausnutzte und dann auch Thibaut Courtois keine Chance ließ (48.).

Kurz danach legten die Japaner zum Schrecken der favorisierten Belgier nach: Shinji Kagawa hatte am Sechzehner zu viel Platz und konnte auf Takashi Inui ablegen, der genauso frei war und aus der Distanz auf 2:0 erhöhen konnte (52.).

Belgien, jetzt geschockt, fand nur langsam zurück ins Spiel. Helfen musste dabei sogar der Gegner. Nach einem Patzer von Keeper Eiji Kawashima köpfte Vertonghen aus spitzem Winkel und großer Distanz per Bogenlampe zum Anschlusstreffer ein (69.).

Genauso schnell, wie Japan seine Führung herausgespielt hatte, fiel dann der Ausgleich, wieder nach Kopfball durch den eingewechselten Marouane Fellaini (74.).

In der Schlussphase hatten beide Teams weitere Möglichkeiten, doch die dicken Szenen gab es erst in der Nachspielzeit. Erst rettete Courtois Axel Witsel in der letzten Minute vor einem Eigentor, dann wurde er zum Wegbereiter des belgischen Mini-Wunders.

Erst boxte der Torhüter einen Keisuke-Honda-Schuss aus 30 Metern zur Ecke, dann fing er die folgende Hereingabe ab, machte das Spiel schnell und leitete damit über Kevin De Bruyne und Thomas Meunier den entscheidenden Gegenzug zum 3:2 ein, den Nacer Chadli letztlich über die Linie grätschte (90.+4).

Nach den starken Japanern wartet jetzt Top-Favorit Brasilien (Fr., 20 Uhr im Liveticker) auf die Belgier.

Die Stimmen:

Roberto Martínez (Trainer Belgien): "Das war ein Test für das Team, für deren Charakter. Wir haben ihn bestanden. Wir sind weiter, das ist das Wichtigste."

Akira Nishino (Trainer Japan): "Es fühlt sich wie eine Tragödie an. Aber ich muss die Niederlage akzeptieren. Ich bin am Boden zerstört, einfach sehr enttäuscht. Wir haben gut gespielt, aber diese Spiel müssen wir gewinnen. Ich glaube, unser Team war stark genug dafür. Diesen Ausgang habe ich nicht erwartet nachdem wir 2:0 in Führung lagen."

Kevin De Bruyne (Belgien): "Die letzte Szene hat gezeigt, was die Mannschaft kann. Wir müssen unser Spiel machen, in einem Turnier gibt es immer schwierige Momente. Und wer Weltmeister werden will, muss alle Gegner schlagen."

Eden Hazard (Belgien): "Die Reaktion, die wir gezeigt haben, war großartig. Vielleicht hat es genau so ein Match gebraucht. Wir könnten auch raus sein, aber wir stehen jetzt im Viertelfinale und spielen gegen Brasilien."

Das fiel auf: Martínez wechselt den Sieg ein

Als Belgien mausetot wirkte, weckte Trainer Roberto Martínez seine Roten Teufel mit einem Doppelwechsel auf. In der 65. Minute kamen beim Stand von 0:2 Fellaini und Chadli für die schwachen Dries Mertens und Yannick Carrasco und drückten dem Spiel nicht zuletzt durch ihre Tore ihren Stempel auf.

Dass Fellaini fortan im Strafraum seinen Haarschopf in jede Flanke hielt und damit Gefahr heraufbeschwor, veränderte die Statik des Spiels. Chadli wiederum stabilisierte die linke Seite der Belgier defensiv und hatte in der vierten Minute der Nachspielzeit noch genügend Saft, um den entscheidenden Sprint anzuziehen.

Der Tweet des Spiels:

Der durchschnittliche Fan hatte sich nach den letzten Ergebnissen schließlich schon daran gewöhnt. Auch heute fehlte nicht viel.

Die Statistik: 18,6

Vertonghen erzielte sein Kopfballtor aus exakt 18,6 Metern Torentfernung - die größte Distanz für ein Kopfballtor bei einer WM seit detaillierter Datenerfassung 1966.

Die Match-Highlights bei YouTube:

Video - Unglaubliches Comeback von Belgien: Rote Teufel werfen Japan raus

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