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Kroatiens Domagoj Vida im Porträt: Schräger Typ, guter Junge

Wilder Vida: Schräger Typ, guter Junge
Von SID

15/07/2018 um 13:00

Die russischen Zuschauer pfeifen ihn aus, seine Frisur ist ein wenig daneben, doch Domagoj Vida, einst bei Bayer Leverkusen für untauglich befunden, gilt als die gute Seele der Kroaten. Vida hat sich auf seine eigene Art und Weise trotz großer Kritik in die Nationalmannschaft Kroatiens gekämpft, mit der er jetzt im WM-Finale in Russland um den Titel kämpft. Doch er macht sich nicht nur Freunde.

Seine Zeit bei Bayer Leverkusen war kurz. Ja, Domagoj Vida war mal bei Bayer Leverkusen. Vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2012. Viel gespielt hat er nicht. Einmal nur in der Bundesliga, immerhin achtmal in der Europa League. Jupp Heynckes war damals sein Trainer - von ihm ist überliefert, dass er über Vida sagte, er sei "ein guter Junge", auch "ein guter Spieler", aber, nun ja, technisch etwas limitiert. An dieser generellen Einschätzung hat sich kaum etwas geändert.

Vida (29) braucht offensichtlich nicht viel, um glücklich zu sein. Seine Prioritäten sind eindeutig. "Auf eine einsame Insel würde ich meine Freundin, einen Ball und Bier mitnehmen", hat er mal scherzhaft gesagt. Geändert hat sich daran nur eines: Die erwähnte Freundin, eine ehemalige "Miss Kroatien" namens Ivana, ist mittlerweile seine Frau. Beide haben einen Sohn, David, der wohl auch nach dem Finale gerne so ausgelassen über den Rasen hüpfen würde wie nach dem Halbfinalsieg gegen England.

Vida macht sich bei der WM nicht nur Freunde

Vida sieht nicht unbedingt aus wie ein guter Junge. Sein eigenwilliger blonder Haarzopf verbunden mit seinem etwas tumb wirkenden Lächeln verleiht ihm das Aussehen eines Türstehers, der keinen Spaß versteht. Auf dem Platz geht er humorlos bis rustikal zu Werke, er schont weder sich noch Gegenspieler. Bei den Russen hat er es sich verscherzt, weil er zwei Mal seine Sympathien für die Ukraine kundtat. Gegen England wurde er dafür vom russischen Publikum permanent ausgepfiffen.

Nach dem Viertelfinal-Sieg gegen Russland, bei dem er einen Treffer zum 2:2 und einen im Elfmeterschießen beigesteuert hatte, war ein Video von Vida aufgetaucht, in dem er "Ruhm der Ukraine" gerufen hatte, den Slogan der revolutionären Bewegung, die 2014 den von Russland unterstützten Präsidenten Wiktor Janukowitsch gestürzt hatte. Nach einer Verwarnung durch die FIFA tauchte ein weiteres Video auf, in dem Vida erneut "Ehre für die Ukraine" rief und außerdem: "Belgrad brennt". Am Samstag teilte die FIFA mit, dass Vida dafür nicht weiter belangt werde.

Der ebenfalls im Video zu sehende kroatische Scout Ognjen Vuckojevic wurde danach als eine Art Bauernopfer nach Hause geschickt, Vida versicherte zugleich:

"Das war definitiv kein politisches Statement, sondern ein einfaches Dankeschön für die ganze Unterstützung aus der Ukraine, wo Vukojevic und ich einige Jahre verbracht haben." Noch im Video klärte er auf: "Ich grüße die Kneipe Beograd (Belgrad) in Kiew, da waren wir häufig."

Danach sang er das Lied: "Die Kneipe ist mein Schicksal."

Vidas Schicksal ist eher das, was in Kneipen ausgeschenkt wird. Seine Vorliebe für Bier ist gut dokumentiert, im September 2012, als er für Dinamo Zagreb spielte, hat ihn sein damaliger Trainer Ante Cacic, Vorgänger von Zlatko Dalic als Nationaltrainer, bei einer Auswärtsfahrt hochkant aus dem Bus geschmissen, weil Vida noch vor Überqueren der Stadtgrenze eine Bierdose aufgerissen hatte. Zudem gab es eine Geldstrafe: 100.00 Euro. Und doch gilt, was schon Jupp Heynckes erkannte: Er ist ein guter Junge.

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