Nations League: Ivan Perisic erlebt Renaissance auf der großen Bühne - Ex-Bayern-Spieler mischt Frankreich auf
Update 21/03/2025 um 15:04 GMT+1 Uhr
Die kroatische Nationalmannschaft hat am Donnerstagabend einen überraschenden 2:0-Sieg über Vizeweltmeister Frankreich errungen. Ins Rampenlicht spielte sich dabei ein Altmeister, der längst vergessen schien. Ivan Perisic steuerte gegen die Startruppe rund um Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé ein Tor und eine Vorlage bei und fügte seiner Renaissance auf der großen Bühne ein weiteres Kapitel hinzu.
Ivan Perisic bejubelt seinen Treffer gegen Frankreich
Fotocredit: Getty Images
Am vergangenen Montag stieg im SAP Garden im Münchner Olympiapark ein Fest sondersgleichen.
Zu Ehren des im Januar 2024 verstorbenen Franz Beckenbauer veranstaltete der FC Bayern ein Legenden-Turnier, die bayerischen Ikonen Franck Ribéry und Arjen Robben schossen den Rekordmeister unter anderem gegen Borussia Dortmund und Real Madrid zum Titel - mit 41 Jahren.
Ein Auftritt von Ivan Perisic, seines Zeichens einer der Helden der Triple-Saison 2019/20, hätte angesichts der Vielzahl an Fußball-Rentnern wohl kaum jemanden verwundert.
Doch der Flügelstürmer hat andere Pläne. Mit seinen 36 Jahren erlebt der Kroate eine Renaissance seiner Karriere, der im Viertelfinal-Hinspiel der UEFA Nations League nun auch die französische Nationalmannschaft rund um Kylian Mbappé zum Opfer fiel.
Ivan Perisic wie einst Wayne Rooney
Nach 70 Minuten war Feierabend für Perisic, unter Applaus wurde er im Stadion Poljud, der Spielstätte seines Heimatvereins Hajduk Split, ausgewechselt.
Zuvor hatte der Altmeister ein kleines Feuerwerk auf dem Rasen abgefackelt. Die Führung durch Ante Budimir bereitete er durch eine punktgenaue Flanke in den Strafraum vor (26.), den Treffer zum 2:0-Endstand besorgte er mit einem phänomenalen Volley-Schuss aus der Drehung (45.+1).
Damit stellte er nicht nur Namen wie Randal Kolo Muani, Ousmane Dembélé oder gar Mbappé in den Schatten, sondern avancierte auch ganz nebenbei zum ersten Spieler seit Wayne Rooney im November 2015, dem in einem Spiel gegen Frankreich ein Tor und eine Vorlage gelangen.
Seine Darbietung ist jedoch keineswegs eine Eintagsfliege - seinen Höhenflug musste sich der zweimalige Deutsche Meister hart arbeiten.
Triple, Kreuzband und Ein-Euro-Gehalt
Vor etwa fünf Jahren strahlte sein Stern noch einmal ganz hell am Firmament. Als Vizeweltmeister heuerte Perisic im Sommer 2019 im Zuge einer einjährigen Leihe von Inter Mailand beim FC Bayern an und sollte in den darauffolgenden Monaten an einer ganz besonderen Geschichte feilen.
Entgegen aller Erwartungen stieg der ehemalige Dortmunder unter Hansi Flick vor allem in der Champions League zu einem Leistungsträger auf, traf beim Finalturnier in Lissabon sowohl gegen Chelsea (4:1) als auch Barcelona (8:2). Im Endspiel gegen Paris Saint-Germain wurde er für die letzten 20 Minuten eingewechselt und feierte mit dem Schlusspfiff das historische Triple.
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Ivan Perisic hat mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen
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Auf den Triumph folgte sein Abschied, wie so oft in seiner Karriere flog der unbesungene Held vom Balkan unter dem Radar. Perisic kehrte nach Mailand zurück, empfahl sich dort erneut mit soliden Leistungen und folgte im Juli 2022 schließlich dem Ruf seines Förderers Antonio Conte zu Tottenham Hotspur.
Dort zahlte er das Vertrauen mit insgesamt zwölf Vorlagen in 44 Spielen zurück, nur um ein Jahr später den absoluten Tiefpunkt zu erleben. Ein Kreuzbandriss warf den damals 34-Jährigen völlig aus der Bahn.
Vier Monate später wurde Perisic zurück in seine Heimat verliehen, Hajduk Split empfing seinen verlorenen Sohn mit offenen Armen. Beim "Ausklang seiner Karriere" - wie einige Medien seine Rückkehr bezeichneten - spielte er sogar für ein symbolisches Gehalt von nur einem Euro. Fußball-Romantik pur.
Eindhoven küsst Perisic wach
Ein Zerwürfnis mit Coach Gennaro Gattuso sorgte nur wenige Monate später für das Ende seines Vertrages. Seine Karriere sollte aber dennoch noch einmal richtig an Fahrt aufnehmen.
Die PSV Eindhoven sicherte sich die Dienste von Perisic, Trainer Peter Bosz sah in ihm weiterhin das Potenzial, das ihn einst so aufblühen ließ - und wurde dafür belohnt.
14 Startelf-Einsätze und neun Scorerpunkte in der Eredivisie sprechen für sich, seine absoluten Glanzmomente hob er sich aber für die ganz große Bühne auf. In der UEFA Champions League schoss er Juventus Turin mit zwei Toren in der Zwischenrunde aus dem Turnier.
Im Achtelfinale war gegen den FC Arsenal zwar Schluss (1:7/2:2), davon ausgebremst ist der kroatische Himmelsstürmer aber nicht. In der Liga versucht er gemeinsam mit der PSV den Rückstand von sechs Punkten auf Ajax Amsterdam zu tilgen, in der Nations League steht er seit Donnerstagabend mit Kroatien kurz vor dem Halbfinaleinzug.
Trotz seines Alters hat sich Perisic wieder einmal unverzichtbar gemacht. Und wer weiß - vielleicht erklingt schon bald die ein oder andere Hymne auf den unbesungenen Helden.
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