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WM 2018: Brasilien will unter Erfolgstrainer Tite den sechsten Titel
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Publiziert 16/06/2018 um 19:00 GMT+2 Uhr
Vor zwei Jahren hätte niemand für möglich gehalten, dass Brasilien als Top-Favorit in die WM gehen würde. Doch Trainer Tite hat der Selecao mit Superstar Neymar ihr "jogo bonito" zurückgegeben. Vor ihrem WM-Auftaktspiel gegen die Schweiz (20:00 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) ist die Selecao wohl der Topfavorit schlechthin. Heute starten die Brasilianer gegen die Schweiz ihre Titelmission.
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Adenor Leonardo Bacchi war kein Liebling der Massen, eher ein überwiegend in Fachkreisen bekannter Name. Er hatte seine Erfolge vorzuweisen, das schon, aber diese Aufgabe schien doch erdrückend schwer, fast übermenschlich. Er sollte den brasilianischen Fußball retten. Zwei Jahre ist das her, inzwischen wird Tite, wie ihn alle nennen, verehrt wie ein Heiliger.
"Salvador" Tite hat geschafft, was nur wenigen Nationaltrainern in Brasilien je gelang. Der 57-Jährige verband ein stabiles Defensivkonstrukt mit dem so geliebten "jogo bonito", dem "schönen Spiel". Tite überzeugte selbst Superstar Neymar von der Notwendigkeit des Verteidigens, um ihm und seinen Mitstreitern aber gleichzeitig den Raum für ihr instinktgesteuertes und lustbetontes Offensivtreiben zu lassen.
Allein die jüngsten Bilder der wie Kinder herumalbernden Profis aus dem WM-Lager in Sotschi, die von Neymar angeführt ihren Kollegen Philippe Coutinho zum Geburtstag mit Eiern und Mehl garnierten, sprachen Bände. Brasilien hat nicht mehr ständig sein Trauma der Heim-WM 2014 und die 1:7-Demütigung gegen Deutschland im Kopf, die Leichtigkeit ist wieder eine Selbstverständlichkeit.
Trotzdem ist die Wunde noch nicht geschlossen. "Hexa Campeao", der sechste Titel, soll es, muss es sein. Erst dann werden die Dämonen von 2014 wirklich vertrieben.
Vor dem siegreichen WM-Härtetest in Deutschland im März sagte Tite dem "kicker":
Ebensowenig wie das gewonnene Olympiafinale in Rio de Janeiro konnte der Sieg im Testspiel gegen Deutschland die Schmach von Belo Horizonte tilgen konnte.
Das kann nur die WM, und als Tite im Juni 2016 übernahm, war gar nicht sicher, ob der fünfmalige Champion überhaupt dabei sein würde. Carlos Dunga, der auf Luis Felipe Scolari nach dem WM-Desaster gefolgt war, verschlimmerte die Lage noch. In der WM-Qualifikation stolperte die Selecao von einer Enttäuschung zur nächsten. Dunga, auch "o alemao" (der Deutsche) genannt, hatte der Mannschaft jegliche Finesse genommen, sie scheiterte bei der Copa America sogar in der Vorrunde. Der Deutsche war nicht mehr mehrheitsfähig.
Es kam der Mann, der gerne Maßanzüge trägt und gerade in Europa nur wenigen ein Begriff war. Tite hatte Corinthians, einen Klub der Massen aus Sao Paulo, 2012 zum Libertadores-Cup-Titel und geführt und auch das Finale der Klub-WM gewonnen. Damals mit einer Defensivtaktik, die er nach einem Bildungsjahr 2014 mit wagemutigeren Elementen anreicherte. Er kehrte zu Corinthians zurück und holte 2015 den Meistertitel mit dem besten Angriff und der besten Abwehr.
Nun wirkt auch die Selecao so stark und gefestigt wie lange nicht. In 21 Spielen unter Tite gab es eine Niederlage und nur fünf Gegentore, aber wie in den jüngsten Testspielen gegen Kroatien (2:0) und Österreich (3:0) ebenso offensive Schmankerl. Tite hätte bei den Wahlen im Oktober laut Umfragen schon jetzt Chancen auf den Präsidenten-Posten. Was wäre erst, wenn die "Hexa"-Jagd erfolgreich ausgeht?
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