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WM 2018 in Russland: Julian Draxler mit breiter Brust zur Endrunde

Liebesgrüße aus Moskau: Draxler "nicht mehr der kleine Jule"

13/06/2018 um 20:24Aktualisiert 13/06/2018 um 23:24

Julian Draxler fährt mit breiter Brust und großen Erwartungen zur WM, auch wenn er auf seiner Linksaußen-Position derzeit nur die Nummer zwei zu sein scheint. Doch Draxler hat sehr gute Argumente, um Bundestrainer Joachim Löw davon zu überzeugen, ihm in Russland eine Chance zu geben. Ganz nebenbei lernt Fußball-Deutschland Draxler derzeit von einer ganz neuen Seite kennen.

"Was wir erleben durften, hat uns begeistert." Die Worte stammen aus einem offenen Brief, den Julian Draxler vor einem Jahr an die russischen Fußball-Fans schrieb.

Der Mittelfeldspieler führte die DFB-Auswahl 2017 als Kapitän zum Gewinn des Confed Cups. Man freue sich auf die "Rückkehr im Sommer 2018", so Draxler weiter. Eine Hoffnung, die sich erfüllt hat. Bundestrainer Joachim Löw hat den 24-Jährigen in den WM-Kader berufen.

Die Liebesbeziehung zwischen Draxler und Russland und Moskau, wo die DFB-Elf residiert, kann also in eine neue Runde gehen.

Heißer Auftritt bei der Vogue

Überhaupt ist Draxler im Vorfeld der WM überraschend präsent, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Gastgeber-Land. Sein Oberkörper-frei-Auftritt auf dem Cover der russischen Ausgabe der Modezeitschrift "Vogue" sorgte für Aufsehen.

Der Nationalspieler posierte zusammen mit dem russischen Model Natalia Vodianova sowie den Fußball-Kollegen Dani Alves und Fedor Smolov.

Neben dem Foto-Shooting für die Vogue ließ Draxler, der seit Januar für das Starensemble von Paris Saint-Germain aufläuft, mit einem Interview aufhorchen, das er vor kurzem der "Bunten" gab. Hängen geblieben ist vor allem der Satz: "Ich gehe nie ohne Parfum auf den Platz." Die Aussage dürfte vor allem durch die Werbepartnerschaft mit einem namhaften Parfüm-Hersteller befeuert worden sein, zeigt aber: Draxler positioniert sich öffentlich neu.

Brisantes Duell mit Reus

Sportlich darf der ehemalige Schalker ebenfalls zufrieden sein, auch wenn er im direkten Duell mit Marco Reus um einen Platz im linken Mittelfeld derzeit eher wie der zweite Sieger aussieht. Klar ist aber auch: Draxler wird bei der WM seine Chance bekommen, zumal er theoretisch auch auf der Zehnerposition für Mesut Özil eingesetzt werden könnte.

In den bisherigen vier Länderspielen im Kalenderjahr setzte ihn Löw zweimal über 90 Minuten ein, gegen Brasilien (0:1) und Saudi-Arabien (2:1) spielt er sogar durch.

Die Tatsache, dass er in direkter Konkurrenz zu Reus steht, sieht er nicht unbedingt als Nachteil an. Sowohl er als auch Reus seien schließlich Akteure, die "Überraschungsmomente in ein Spiel" bringen könnten. "Der Bundestrainer wird froh sein, dass er diese beiden Alternativen hat."

"Bereit, eine Führungsrolle zu übernehmen"

Die Aussagen machen deutlich: Draxler geht mit großem Selbstvertrauen in die WM. Durch seine Rolle beim Confed Cup habe er sich "eine Menge Respekt erarbeitet bei den gestandenen Spielern". Das Turnier sei wichtig gewesen, "um den Trainern zu zeigen, dass ich bereit bin, eine Führungsrolle zu übernehmen."

Eine Entwicklung, die viel Zeit gebraucht hat, schließlich debütierte er bereits im Alter von 18 Jahren in der A-Nationalmannschaft. "Es hat fünf, sechs Jahre gedauert, bis man sagen kann, dass ich eine Rolle habe, die wichtig werden kann", erinnert sich Draxler und stellt klar:

"Ich bin nicht mehr der kleine Jule."

Löw kann bei der WM auf ihn bauen, das ist die Message - und wenn bei der Endrunde alles nach Plan läuft, dann könnte in Russland bald schon das nächste Cover mit Julian Draxler erscheinen...

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