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WM 2018 in Russland - Von der Hühnerfarm ins WM-Finale: Perišić bringt Kroatien zum Träumen

Von der Hühnerfarm ins WM-Finale: Perišić bringt Kroatien zum Träumen

12/07/2018 um 11:23Aktualisiert 12/07/2018 um 16:28

Ivan Perišić bereitete mit seinem Ausgleichstor gegen England den Boden für den historischen Finaleinzug der Kroaten. Der 29-Jährige ackerte, flankte, köpfte, bereitete vor, schoss, traf und riss mit seiner Energie die ganze Mannschaft mit. Perišić war der Matchwinner für die "Vatreni", die Feurigen. Die Karriere des Linksaußen verlief aber alles andere als geradlinig, Perišić' Weg war steinig.

Es begann alles 1995 bei HNK Hajduk Split. Der junge Ivan Perišić hatte Talent und durchlief alle Jugendabteilungen des Klubs. Dann kam der Knick. Split wollte Perišić, im Unterschied zu so vielen Talenten, nicht verkaufen, sondern 2006 ins eigene Profiteam integrieren, das zu der Zeit von Zoran Vulic trainiert wurde.

Das Problem mit der Hühnerfarm

Es kam anders. Der Hajduk-Zögling wechselte, so berichtet der "Guardian", mit 17 Jahren für 360.000 Euro nach Frankreich zum FC Sochaux - ein Transfer, der aus familiärer Not geboren war, wie Vater Ante Perišić gegenüber der kroatischen Tageszeitung "Slobodna Dalmacija" erklärte:

"Nach Sochaux zu gehen war damals das Beste für die Familie. Ich wollte, dass sie wegkommen von mir und meinem Leiden."

Perišić betrieb damals eine Hühnerfarm in Kroatien, auf der auch Ivan immer wieder aushalf. Der Betrieb stand kurz vor dem Bankrott, es waren wirtschaftlich schwere Zeiten für die Familie. Durch den Wechsel des Sohnes nach Sochaux, der ihm den ersten Profivertrag bescherte, lösten die Perišićs ihre finanziellen Sorgen. Die ganze Situation damals sei seine Schuld gewesen, bekannte Ante Perišić. Für Ivan begann das Abenteuer Sochaux wenig erfreulich, es reichte nur für den B-Kader.

"Hauptsache Kroatien gewinnt"

Über eine Leihe nach Belgien zum KSV Roeselare schaffte Perišić den Sprung zum FC Brügge, wo er sich 2011 zum Torschützenkönig der belgischen Liga aufschwang und erstmals in die kroatische Nationalmannschaft berufen wurde. Der Durchbruch war geschafft. Über Borussia Dortmund und den VfL Wolfsburg ging die Reise weiter, bis der Mittelfeldspieler 2015 zu Inter Mailand kam. Aus dem 360.000-Euro-Talent war ein 19-Millionen-Euro-Star geworden.

Perišić 2010 im Trikot des FC Brügge

Perišić 2010 im Trikot des FC BrüggeImago

Für den aktuellen Nationaltrainer Zlatko Dalić ist Perišić unverzichtbar. Der 29-Jährige stand in allen sechs WM-Spielen auf dem Platz, schoss zwei Tore und bereitet ein weiteres vor. Beidfüßig, offensiv variabel einsetzbar und laufstark - der Perišić-Faktor ist einer der Gründe für den Einzug ins erste WM-Endspiel der kroatischen Fußballgeschichte. Seine Rolle will er aber nicht überbewerten. "Was ich immer gesagt habe: Es ist egal, wer trifft. Hauptsache Kroatien gewinnt", betont Perišić.

Revanche gegen Frankreich

Für Perišić schließt sich mit Frankreich ein wenig der Kreis, nicht nur aufgrund seiner Zeit in Sochaux. 1998 scheiterte Kroatien mit der legendären Generation um Davor Šuker, Robert Prosinečki und Zvonimir Boban im WM-Halbfinale an den Franzosen. Perišić war damals noch ein Kind, erinnert sich aber genau:

"Ich war neun Jahre alt und zu Hause in meinem Heimatort. Ich habe das Nationaltrikot getragen, um die Mannschaft zu unterstützen."

Nun ist er selbst einer der Helden und hat die Chance zur Revanche. Frankreich habe zwar "eine exzellente Mannschaft und einen exzellenten Trainer", dem Selbstvertrauen Kroatiens tut das allerdings keinen Abbruch. Oder wie Perišić es formuliert: "Sie sind gut, aber wir sind es auch."

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