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WM 2018 - Wahnsinn! Toni Kroos rettet Deutschland in letzter Sekunde gegen Schweden

Wahnsinn! Kroos rettet Deutschland in letzter Sekunde gegen Schweden

24/06/2018 um 01:41

Toni Kroos hat Deutschland gegen Schweden in allerletzter Sekunde einen Sieg beschert. In Unterzahl verwandelte er einen Freistoß in der Nachspielzeit (90.+5). Zuvor hatte Ola Toivonen (32.) die Schweden in Führung gebracht. Nach der Pause glich Marco Reus (48.) aus. Jérôme Boateng musste in der 82. Minute mit Gelb-Rot vom Platz.

So lief das Spiel:

Die Mannschaft setzte die vorgegebene Marschroute in den ersten Minuten eindrucksvoll um. Power-Fußball mit Ideenreichtum und Willen - das frühe Tor blieb allerdings aus. Bereits in der 3. Minute hatte Julian Draxler die Chance aus aussichtsreicher Position, Schweden-Kapitän Andreas Granqvist rettete in höchster Not.

Deutschland blieb dran, drängte die Skandinavier tief in die eigene Hälfte - von Schweden war bis zur 12. Minute nichts zu sehen. Dann unterlief Hummels-Ersatz Antonio Rüdiger ein dicker Fauxpas im Aufbauspiel. Er spielte den Ball in schwedische Füße, die Elf von Janne Andersson konterte über Ex-Hamburger Marcus Berg, der in Manuel Neuer seinen Meister fand.

Nach dieser Situation fand das DFB-Team nicht mehr zurück zu alter Stärke. Der verletzungsbedingte Ausfall von Sebastian Rudy brachte das deutsche Gebilde weiter ins Wanken. In der 32. Minute mündete ein Fehler von Toni Kroos in der schwedischen Führung. Von der rechten Seite landete der Ball blitzschnell im Strafraum bei Ola Toivonen, der eiskalt per Lupfer zuschlug.

In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs kam es beinahe noch dicker. Nach einer Freistoßhereingabe von der rechten Seite scheiterte Berg im Zentrum per Kopfball am glänzend reagierenden Neuer. Existenzängste beim deutschen Team - es drohte das WM-Aus.

In der Halbzeitpause musste etwas passieren. Jogi Löw fand offensichtlich die richtigen Worte, schickte eine motivierte Mannschaft in den zweiten Durchgang. Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn glich Deutschland aus. Timo Werner bediente Marco Reus von der linken Seite, der Dortmunder war per Knie zur Stelle.

Nach dem Ausgleichstreffer drückte die deutsche Elf mit aller Macht auf die Führung, brachte die schwedische Hintermannschaft an den Rand ihrer Grenzen, lange aber nicht darüber hinaus - der Führungstreffer blieb lange aus.

Druckphasen, Chancen, kein Führungstor. In der 82. Minute brachte Jérôme Boateng die deutsche Mannschaft zudem mit einem Platzverweis ins Hintertreffen. Nach einem unnötigen Foul sah der Münchner die Gelb-Rote Karte. So schien alles auf ein Remis hinauszulaufen.

Doch nachdem der eingewechselte Jimmy Durmaz den anlaufenden Werner auf der linken Seite zu Fall brachte und Deutschland einen Freistoß zugesprochen bekam, wendete sich das Blatt. Kroos machte seinen Fehler aus der ersten Halbzeit wieder gut, verwandelte nach Vorlage von Reus mit einem fantastischen Schuss ins rechte Toreck. Der Last-Minute-Sieg und damit die große Chance, gegen Südkorea in die K.O-Phase einzuziehen.

Die Stimmen:

Toni Kroos (Deutschland): "Insgesamt im Spiel haben wir wieder die Phasen, wo wir richtig gut waren und die Chancen nicht gut genutzt wurden. Wir wurden viel kritisiert, teilweise auch zu Recht, gerade viele Leute hätte es in Deutschland gefreut, wenn wir heute rausgegangen wären. Natürlich geht das erste Tor auf meine Kappe, wenn du im Spiel 400 Pässe spielst, dann kommen auch mal zwei nicht an. Jetzt müssen wir uns erholen, haben nicht ganz so viel Zeit, müssen Südkorea schlagen und überzeugend auftreten."

Marco Reus (Deutschland): "Tonis Schuss, was soll man dazu sagen? Bei dieser WM sind sehr viele Tore zum Schluss gefallen, heute war das Glück auf unserer Seite. Wir haben gut angefangen, hatten aber nicht die dicken Chancen. Schweden hat es gut gemacht, stand kompakt und eng. Es ist auf dem Platz schwer zu sagen, warum wir die Fehler machen. Toni hat den Fehler gemacht, hat ihn ausgebügelt und damit alles richtig gemacht."

Joachim Löw (Trainer Deutschland): "Der Sieg kam glücklich in der Nachspielzeit und in Unterzahl zustande. Letztendlich war es schon auch verdient, weil wir an uns geglaubt haben, drangeblieben sind. Wir haben eine gute Moral bewiesen. Eigentlich hatte Schweden nur zwei Möglichkeiten. So ein Fehler passiert auch einem Spieler wie Toni Kroos. Ich freue mich sehr, dass er dann das Tor erzielt hat. Heute haben wir bei weitem weniger Fehlpässe gesehen als gegen Mexiko. Bei unserem offensiven Drang kann ein Fehler immer zu einem Gegentor führen."

Janne Andersson (Trainer Schweden): "Einige der Deutschen fingen an zu feiern, indem sie in unsere Richtung liefen und Gesten zu machen, das hat mich sehr geärgert, das war respektlos. Wir haben 90 Minuten gekämpft, wenn dann der Schlusspfiff ertönt, schüttelt man sich die Hand und verhält sich nicht so. Ich habe mich wirklich sehr darüber geärgert. Wir haben 95 Minuten gekämpft, stehen aber am Ende mit leeren Händen da. Das war sehr enttäuschend. Die TV-Bilder haben gezeigt, dass es in der ersten Hälfte ein Elfmeter hätte für uns sein müssen."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Individuelle Schwächen

Im ersten Durchgang waren es Rüdiger und Kroos, die Schweden mit dicken individuellen Fehlern einluden. Ein Fauxpas mündete in der Führung der Skandinavier. Auch in der zweiten Hälfte stellte das DFB-Team diese Aussetzer nicht ab, Boateng holte sich in der 82. Minute nach einem unnötigen Foul die Gelb-Rote Karte ab. Trotz aller Fehler hat es mit dem Sieg geklappt - für die kommenden Spiele muss die Mannschaft diese individuellen Patzer allerdings dringend abstellen.

Die Statistik: 26

Löw ließ gegen Schweden die Rotationsmaschine arbeiten, veränderte seine Mannschaft im Vergleich zur Pleite gegen Mexiko auf insgesamt vier Positionen - setzte mehrere Stars nach enttäuschender Leistung zunächst nur auf die Bank. Einer der Betroffenen war der in der Kritik stehende Mesut Özil. Diese Entscheidung hatte einen revolutionären Beigeschmack - seit seinem Länderspieldebüt stand der Arsenal-Akteur damit zum ersten Mal bei einem großen internationalen Turnier nicht von Beginn an auf dem Rasen, nach 26 Partien.

Die Match-Highlights bei YouTube:

Video - Was für Emotionen! Kroos' Traumtor lässt alle Dämme brechen

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