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Köln-Stürmerin Kohr: "Ich gehe ja nebenbei noch arbeiten"

Köln-Stürmerin Kohr: "Ich gehe ja nebenbei noch arbeiten"
Von Eurosport

13/09/2019 um 17:13

Vor dem Tor ist sie brandgefährlich. In den letzten 15 Spielen traf sie elf mal. Karoline Kohr spielt seit 2016 beim 1. FC Köln und stieg vergangene Saison mit den FC-Frauen in die Bundesliga auf. Im Interview spricht die 23-Jährige über ihre Fußballerfamilie, die geringere Wertschätzung des Frauenfußballs und das bevorstehende Duell am Freitagabend gegen Topklub Turbine Potsdam.

  • 1. FC Köln gegen Turbine Potsdam live bei Eurosport 1 HD und im Eurosport Player (Freitag, 19.15 Uhr)

Das Interview führte Marian Kern

Frau Kohr, als Aufsteiger müssten Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf recht zufrieden sein oder?

Karoline Kohr: Ja das kann man so sagen. Die drei Punkte gegen Duisburg waren zu Beginn sehr wichtig und werden uns im weiteren Verlauf noch helfen. Es war ein gelungener Start auf dem wir aufbauen können.

Mit Turbine Potsdam wartet jetzt ein echtes Schwergewicht des deutschen Frauenfußballs. Wie gehen Sie und Ihre Mannschaft diese Herausforderung an?

Kohr: Wir sind klarer Außenseiter, setzen allerdings alles daran für eine Überraschung zu sorgen. Mit ein bisschen Glück können wir auch ein paar Punkte mitnehmen. Erst einmal werden wir sicher tief stehen, um kein frühes Gegentor zu kassieren.

Ist die Trainingsintensität und die Aufregung vor solchen Spielen merklich größer?

Kohr: Wir bereiten uns zwar individuell auf die Spiele vor, aber von der Intensität her gibt es keinerlei Unterschiede. Auch die Aufregung ist vor jedem Spiel dieselbe. Man muss an sich und sein Team glauben und in jedem Spiel 100% geben.

In der letzten Saison hatten Sie mit 11 Treffern in 15 Spielen großen Anteil am Aufstieg des FC. Eine schwere Knieverletzung stoppte Sie vorzeitig. Gegen den MSV Duisburg gaben Sie am 18. August Ihr Comeback. Sind Sie schon bereit für die Startformation?

Kohr: Bereit bin ich auf jeden Fall und heiß auf die Startelf! Im DFB-Pokal habe ich mein erstes Spiel über 90 Minuten machen dürfen. Ich hoffe, dass ich spielen und dem Team weiterhelfen kann. Aber es ist natürlich eine Entscheidung des Trainers.

Karoline Kohr für den 1. FC Köln

Karoline Kohr für den 1. FC KölnGetty Images

Sie haben Ihren Vertrag in Köln im Sommer verlängert. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Kohr: Köln "is en jeföhl" wie man so schön sagt. Ich fühle mich in der Mannschaft und im Verein super wohl. In dieser Saison werden wir alles daran setzen den Klassenerhalt zu sichern. Ich will der Mannschaft dabei so gut wie möglich helfen und auch mit meinen Toren dazu beitragen.

Sie kommen aus einer richtigen Fußballerfamilie. Ihr Vater Harald Kohr hat in der Bundesliga für den 1. FC Kaiserslautern gespielt, Ihr Bruder Dominik läuft aktuell für Eintracht Frankfurt auf. Ist Fußball privat auch ein Gesprächsthema?

Kohr: Fußball steht in meiner Familie an höchster Stelle. Wir sind damit aufgewachsen und unser Vater unterstützt uns immer. Er ist zudem mein Berater und versucht zu jedem Spiel zu kommen.

Hat Ihre Familie Sie in dem Schritt bestärkt professionell Fußball zu spielen?

Kohr: Ich hätte schon viel früher professionell spielen können, wollte allerdings vorab unbedingt das Abitur schaffen. Anschließend habe ich den Schritt gemacht. Meine Eltern sowie mein Bruder standen bei meiner Entscheidung immer hinter mir. Vor allem mein Vater hat mir mit seiner Erfahrung in dieser Situation sehr geholfen.

Bruder Dominik Kohr spielt bei Eintracht Frankfurt

Bruder Dominik Kohr spielt bei Eintracht FrankfurtEurosport

Ihr Bruder Dominik ist knapp zwei jahre älter als Sie. Tauschen Sie sich über Ihre Karrieren aus oder geben sich hin und wieder auch Tipps?

Kohr: Wir sind stetig in Kontakt und beobachten den jeweils anderen. Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen, wenn etwas mal nicht gut gelaufen ist und geben uns Ratschläge, woran man noch arbeiten könnte.

Wird in Gesprächen zwischen Ihnen und und Ihrem Bruder schnell deutlich, was für große Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Fußballgeschäft liegen?

Kohr: Natürlich gibt es riesige Unterschiede. Das weiß man auch, selbst wenn man nicht als Geschwisterpärchen in den Bundesligen spielt. Allgemein kann man es auch nicht wirklich vergleichen. Ich gehe nebenbei ja auch noch arbeiten.

Fehlt Ihnen denn diese öffentliche Strahlkraft oder sind Sie zufrieden, dass Sie eher unter dem Radar fliegen?

Kohr: Ich bin echt froh, dass ich noch ein Stück mehr Privatsphäre habe. Bei den Männern muss man ja direkt aufpassen wenn man aus dem Haus geht, weil man direkt erkannt wird. Glücklicherweise ist dieser öffentliche Fokus nicht auf mich gerichtet. Manchmal ist es natürlich auch schade. Noch mehr Anerkennung würde dem Frauenfußball sicherlich gut tun.

Köln ist eine Stadt mit großer Fußballtradition. Die Saisoneröffnug wurde vor 50.000 gefeiert. Kommt Ihnen bei solchen Events auch ein größeres Interesse, eine größere Wertschätzung entgegen?

Kohr: Was Frauenfußball angeht, macht der 1. FC Köln schon sehr viel. Wir wurden im ausverkauften RheinEnergieStadion der Profis für unseren Aufstieg geehrt. Die Fans unterstützen uns und zeigen ihre Anerkennung. Wir versuchen den Fans etwas zurückzugeben, indem wir Autogrammkarten schreiben oder das Gespräch suchen. Wir sind über die Unterstützung sehr dankbar.

Video - Clevere Frankfurterinnen gewinnen munteres Auftaktmatch gegen Potsdam

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