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Sophia Kleinherne vom 1. FFC Frankfurt: "Mehr Männervereine setzen auch auf Frauenteams"
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Publiziert 20/11/2019 um 16:29 GMT+1 Uhr
Vor dem Spitzenspiel in der Frauen-Bundesliga zuhause gegen die TSG Hoffenheim spricht Sophia Kleinherne vom 1. FFC Frankfurt im Eurosport-Interview über die verstärkte Präsenz von Männervereinen im Frauenfußball und die Fusion des 1. FFC mit Eintracht Frankfurt. Zudem erzählt sie von ihrem Länderspiel-Debüt vor 77.000 Zuschauern in Wembley und die höheren Anforderungen im DFB-Team.
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Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Marian Kern
Frau Kleinherne, am 9. November absolvierten Sie Ihr erstes A-Länderspiel in Wembley gegen England. Was war das für ein Gefühl, vor knapp 78.000 Zuschauern aufzulaufen?
Kleinherne: Es ist schwer in Worte zu fassen. Dass ich mein erstes Länderspiel vor dieser beeindruckenden Kulisse absolviert habe, macht das Ganze zu einem ganz besonderen Moment, den ich nie vergessen werde. Ich war überrascht, dass ich überhaupt nominiert wurde. Einen Abend vor dem Spiel habe ich erst erfahren, dass ich in der Startelf stehen würde.
Und dann war an Schlaf sicherlich nicht mehr zu denken.
Kleinherne: Auf der einen Seite hatte ich schon großen Respekt vor England und seinen Topstars. Auf der anderen Seite überwog allerdings die Vorfreude, sodass ich dem Spiel auch wirklich entgegenfiebern konnte.
Spielerisch haben Sie ebenfalls überzeugt. Im Mitglieder-Voting des Fanclubs Nationalmannschaft wurden Sie zur Spielerin des Spiels gewählt. Hätten Sie vor dem Anpfiff mit größeren Anpassungsschwierigkeiten gerechnet?
Kleinherne: Auf jeden Fall. Anfangs war es schwierig, in das Spiel zu finden. Allerdings hat mir die gesamte Mannschaft und auch das Trainerteam meine Nervosität ein wenig genommen, so konnte ich befreit aufspielen.
In den U-Mannschaften gehörten Sie zu den erfahrenen Spielerinnen. In der A-Mannschaft gehören Sie jetzt zu den Jüngeren. Wie gehen Sie mit dieser neuen Rolle um?
Kleinherne: Meine internationale Erfahrung aus den U-Nationalspielen hat mir in dieser Hinsicht sicherlich geholfen. Die gesamte Mannschaft hatte ebenfalls einen großen Einfluss darauf, dass ich mich schnell eingelebt habe und mich gut integrieren konnte.
Wie haben Sie generell die Tage vor und nach dem Spiel erlebt?
Kleinherne: Für uns war es ein ganz besonderer Abschluss des Länderspieljahres 2019. Das gesamte Team hat sich absolut fokussiert auf das Spiel vorbereitet. Für mich war es anfangs schwierig, das Tempo im Training mitzugehen, habe mich dann aber immer besser reingefunden. Auch die darauffolgenden Tage waren für mich fast genauso aufregend, da ich das Erlebte lange Zeit nicht realisieren konnte. Allerdings bin ich schnell wieder nach Frankfurt zurückgekehrt, weil ich derzeit noch zur Schule gehe. Der Alltag hat also auch schnell wieder Einzug gehalten.
In Frankfurt gibt es fußballerisch auch einiges aufzuarbeiten. Wie haben Sie das DFB-Pokal-Aus Ihrer Mannschaft gegen Bayer 04 Leverkusen vom vergangenen Wochenende mittlerweile verkraftet?
Kleinherne: Es war sicherlich nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir wissen, dass wir uns die Niederlage selbst anzukreiden haben, da wir viel zu wenig in das Spiel investiert haben. Es ist ein Warnschuss, dass wir die kommenden Wochen wieder härter an uns arbeiten müssen, um auch wieder an unser erfolgreiches Spiel anknüpfen zu können, das wir über weite Strecken in der Saison ja auch schon gezeigt haben. Das gilt für die Meisterschaftsspiele aber auch für die tägliche Arbeit im Training.
Am Freitag trifft der 1. FFC Frankfurt jetzt auf die TSG 1899 Hoffenheim, die sich derzeit in Topform präsentiert. Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die Partie?
Kleinherne: Hoffenheim ist dieses Jahr die große Überraschung in der Liga. Auch wenn es für die TSG derzeit gut läuft, wollen wir versuchen, ihnen ein paar Steine in den Weg zu legen. Ich glaube nicht, dass in dieser recht ausgeglichenen FLYERALARM Frauen-Bundesliga eine Mannschaft über die komplette Saison hinweg ohne Rückschläge oder ohne Punktverlust bleiben kann. Vielleicht sind wir ja die Mannschaft, die den Lauf der Hoffenheimerinnen stoppen kann? Außerdem haben wir im Hinblick auf vergangene Woche noch einiges gut zu machen.
Also rechnen Sie von Ihrer Mannschaft mit einer deutlichen Trotzreaktion?
Kleinherne: Ich denke, dass jeder aus der Mannschaft ein Zeichen setzen muss und wird. Wir wollen als Mannschaft geschlossen auftreten und das Spiel gegen Leverkusen durch eine gute Leistung vergessen machen. Darüber hinaus haben wir eine gute Qualität im Kader und das Potenzial, auch Mannschaften wie Hoffenheim zu schlagen.
Nach Jahren der Dominanz gehört Frankfurt mittlerweile nicht mehr zu den unangefochtenen Spitzenteams. Der Verein geht einen anderen Weg und investiert mehr Zeit in die Förderung junger Talente. Ist diese Ausrichtung der steigenden Konkurrenzsituation in der Liga geschuldet?
Kleinherne: Man ist diesen Schritt bewusst gegangen. Mit Niko (Arnautis, Anm. d. Redaktion) haben wir einen Trainer, der sich für die Talentförderung einsetzt und absolut von diesem Weg überzeugt ist. Die Mannschaft entwickelt sich stetig weiter und hat das Potenzial, in Zukunft wieder Größeres zu bewirken.
Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Eingliederung des Vereins in die Strukturen von Eintracht Frankfurt?
Kleinherne: Es wird immer offensichtlicher, dass es ein reiner Frauenfußballverein immer schwerer hat und in Zukunft immer mehr Männerlizenzvereine auch auf Frauenteams setzen. Zusammen mit der Eintracht haben wir sicherlich die Möglichkeit, gemeinsam an unsere alten Erfolge anzuknüpfen. Für uns wird das eine große Unterstützung sein und wir werden sicherlich von den Strukturen eines Männervereins profitieren.
In Frankfurt gehören Sie trotz Ihrer jungen Jahre bereits zum Stammpersonal. Welche persönlichen Ziele haben Sie sich darüber hinaus gesteckt?
Kleinherne: Als ich zur ersten Mannschaft gestoßen bin, war ich noch die Junge und Unerfahrene. Das hat sich mittlerweile verändert. Dadurch, dass wir weiter auf die Jugend setzen, gehöre ich mittlerweile zu den erfahreneren Akteurinnen. Diese Erfahrung möchte ich an neue und jüngere Spielerinnen weitergeben und in Zukunft mehr Führung und Verantwortung im Team übernehmen.
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