Eurosport
Frauen-EM - Nach dem bitteren Turnier-Aus von Giulia Gwinn: Wer schließt die Lücke der DFB-Kapitänin?
Von
Publiziert 07/07/2025 um 14:44 GMT+2 Uhr
Die Verletzung von DFB-Kapitänin Giuia Gwinn hat die deutschen Frauen hart getroffen. Die 26-Jährige verletzte sich bereits im ersten Gruppenspiel der EM am Knie und fällt das restliche Turnier aus. Nicht nur für Gwinn, die bereits zwei Kreuzbandrisse hatte, ist es ein schwerer Schlag. Die Kapitänin war fest eingeplant, sowohl als Antreiberin als auch als Führungsspielerin. Wer übernimmt jetzt?
Wamser als Gwinn-Ersatz? Wück zuversichtlich
Quelle: Perform
Giulia Gwinns emotionale Abschiedsworte hallten noch nach, als die deutschen Fußballerinnen das Viertelfinale in den Blick nahmen. Das EM-Ziel, betonte die enttäuschte, aber weiterhin entschlossene Kapitänin nach ihrer Abreise in Richtung ihrer Mitspielerinnen, bleibe "dasselbe".
Doch während das Team mit einer "Jetzt erst recht"-Mentalität auf Gwinns Ausfall reagieren will, drängt sich die entscheidende Frage auf: Kann die verjüngte deutsche Auswahl ihre unangefochtene Anführerin überhaupt ersetzen?
"Es ist zum Glück kein Einzelsport, sondern Teamsport", betonte Spielmacherin Linda Dallmann vor dem wegweisenden zweiten Gruppenspiel gegen Dänemark am Dienstag (18:00 Uhr im Liveticker) in Basel.
Wenn man eine Spielerin weniger sei, "hat man ein bisschen mehr zu tun. Wir machen es für Giuli". Doch inmitten des Turniers werden plötzlich dringend neue Leitfiguren gesucht.
Minge übernimmt Kapitänsamt
Deutlich mehr Druck lastet von nun an auf den Schultern von Janina Minge. Die 26-Jährige vom VfL Wolfsburg, die sich von der Notlösung zur festen Größe entwickelt hat, übernimmt die Regenbogenbinde von Gwinn.
Obwohl Minge erst in 22 Länderspielen auf dem Platz stand und bislang wenig Turniererfahrung vorweisen kann, macht sich Dallmann "gar keine Sorgen, dass sie jetzt die Mannschaft anführt. Sie ist ein Typ, der über die Grenzen geht".
Gerade erst hatte sich nach den Rücktritten von Alexandra Popp und anderen Führungsspielerinnen eine neue Hierarchie gebildet. Gerade erst hatte sich das Team mit dem schmerzhaften Ausfall der Antreiberin Lena Oberdorf abgefunden. Gwinns Innenbandverletzung im Knie aber erschwert die Titeljagd nochmals.
Nüsken steigt auf
Dennoch bemühten sich die Verantwortlichen im deutschen Lager in den vergangenen Stunden, frischen Optimismus zu versprühen. Schließlich können die DFB-Frauen im Idealfall mit dem zweiten Turniersieg schon die K.o.-Phase erreichen.
Trotz des folgenschweren Verlustes sei sie "überzeugt von diesem Team und diesem Teamspirit", betonte etwa DFB-Sportdirektorin Nia Künzer.
Bundestrainer Christian Wück verteilt die Verantwortung jedenfalls auf mehrere Schultern. Sjoeke Nüsken (24), die beim FC Chelsea eine eindrucksvolle Entwicklung hingelegt, dort zuletzt aber vermehrt auf der Bank gesessen hat, rückt zur Vize-Kapitänin auf.
Wamser ersetzt Gwinn auf rechts
Dazu erhofft sich Wück von der künftigen Leverkusenerin Carlotta Wamser (21) weitere ähnlich unbekümmerte Auftritte wie nach der Einwechslung für Gwinn im Auftaktspiel gegen Polen (2:0).
Doch reicht das? Auch in engen Spielen in der heißen Turnierphase? Die gelernte Polizistin Minge, wegen ihrer Vielseitigkeit geschätzt und von Wück vom Mittelfeld in die Innenverteidigung beordert, ist die letzte verbliebene Spielerin in der Startelf aus dem Teamrat. Erfahrene Kräfte wie Sara Däbritz oder Kathrin Hendrich blieben bislang nur Ersatz.
Alle Augen auf Harder
Und auf die neue Generation wartet schon gegen Dänemark Schwerstarbeit. Torjägerin Pernille Harder, aus der Bundesliga von Bayern München bestens bekannt, bringt alles mit, um der deutschen Abwehr Probleme zu bereiten. Immerhin können die DFB-Frauen auf beeindruckende Unterstützung aus der Heimat zählen: Für die Partie im St. Jakob-Park gingen über 15.000 Tickets nach Deutschland.
"Wir müssen jetzt als Mannschaft zusammenstehen", forderte Minge. Gwinn, die nach der Abreise einen tiefen Blick in ihre Gefühlswelt gewährte ("Und dann zerfällt alles in Minuten"), drückt dagegen in München die Daumen. Erst zum dritten Gruppenspiel am Samstag gegen Schweden soll sie ins deutsche Quartier nach Zürich zurückkehren, um das Team zumindest von außen nach Kräften zu unterstützen. Auf dem Platz müssen es andere richten.
Das könnte Dich auch interessieren: Bayerns Baustellen: Fehlende Reife und viele offene Kader-Fragen
(SID)
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/05/image-c7c774e6-5881-4dbb-8352-3fe65cebcd15-85-2560-1440.jpeg)
Wegen Gwinn: Freigang erklärt schnellen Abgang der DFB-Frauen
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung