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Warum die Frauen-WM ein voller Erfolg war

Warum die Frauen-WM ein voller Erfolg war

02/07/2019 um 18:30

Schon ist der Spielplan vorrätig für die nächste Saison. Übersichtlich gegliedert wissen wir somit, wann unser Lieblingsverein wo und gegen wen antreten muss. Bundesliga, zweite Bundesliga, 3. Liga. Bundesliga der Frauen? Fehlanzeige. Wer sich für die Damen des Vfl Wolfsburg oder den FC Bayern interessiert, muss gefälligst selbst recherchieren.

Und dabei dachte ich doch wohl etwas naiv, dass sich der Frauenfußball durch die Weltmeisterschaft förmlich aus seiner Nische herauskatapultiert hat. Umfangreiche Berichterstattung in allen Medien. Volle Stadien. Gesellschaftlich akzeptiert. Selbst politische Äußerungen wurden angenommen, kommentiert, verbreitet wie jene der US-Spielerin Megan Rapinoe, die sich vehement gegen ihren Präsidenten aussprach. Diese Akzeptanz ist auch ein Zeichen erhöhter Wertschätzung.

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Mutige, frische Spielweise

Und es war und ist mehr als anschaulich, was uns geboten wurde. Auch von der deutschen Auswahl, deren bitteres Ausscheiden viele berührte, weil mit der Niederlage gegen Schweden auch die Olympia-Qualifikation dahin ging. So mancher Fan hat sich mitunter verschämt ein paar Spiele reingezogen. "Schatz, ich schaue mir grad Formel 1 an. Interessiert Dich ja eh nicht." Und schon rollt der nächste Angriff, denn eines haben die Frauen gezeigt: Sie spielen mutig und frech.

Abwechslung ist gewährleistet. Es verbietet sich, ständig die Vergleiche mit Männern anzustellen. Das ist zum einen unfair und bringt mich gerade auf einen anderen Gedanken: Ein normales Fußballspiel der Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse zwischen zwei Vereinen im unteren Mittelfeld ist sehr oft auch nicht eben ein Quell der Freude. Da fackeln die Damen nicht lange. Ballstafetten eher Fehlanzeige. Langer Ball nach vorne. Mag jetzt den Taktikfreak nicht eben begeistern, aber es ist immer was los. Macht Spaß. Und ist das nicht auch perfekter Kundendienst?

Lina Magull (Deutschland) & Nilla Fischer (Schweden) im Zweikampf

Lina Magull (Deutschland) & Nilla Fischer (Schweden) im ZweikampfGetty Images

Vorbildliches Auftreten

Außerdem war es erholsam zu sehen, dass nicht nach jedem Foul ein Neymar-Wälzer folgt. Aufstehen, weiterspielen, wobei das zarte Geschlecht mitunter schon ordentlich Krallen zeigte in den Zweikämpfen. Gut so. Es gab kein ständiges Spucken auf den Platz, kein Zeitschinden. Reiner Fußball irgendwie. Schön. Der Vergleich mit den Junioren, die zeitgleich ihre Europameisterschaft in Italien austrugen, sei gestattet. Da haben viele der Nachwuchskicker bereits intensiv den Habitus ihrer Vorbilder angenommen. Zicken rum, eiern rum, wälzen sich nach einer zarten Berührung auf dem Rasen, um dann doch zu signalisieren, dass der Notarzt noch nicht einlaufen muss.

Werbung ohne Nachwirkungen

Die Frauen haben bei dieser Weltmeisterschaft beste Werbung für ihren Sport gemacht. Und doch: Die Nische während des Jahres wird bleiben, denn mit dem Beginn der Bundesliga sind sie wieder auf sich alleine gestellt. Es gibt kein Gleichgewicht der Fußballkräfte. Geld wird im Männerbereich verdient und auch an die Protagonisten weitergegeben. Die Damenabteilungen sind in ihren Vereinen abhängig vom Erfolg der Männer. Sie alleine könnten finanziell nie über die Runden kommen, weshalb der Ruf nach Gleichstellung auch bei den Prämien verständlich ist, aus Sicht der Frauen aber letztlich jeglicher Grundlage entbehrt. Die Weltmeisterschaft war eine Ausnahmesituation, eine äußerst willkommene Abwechslung in der Fußballpause, die so gesehen dann gar keine war, dank aller Frauenteams, die in Frankreich dabei waren.

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